© Henry Han Ming Kho

Himmelskörper

„Himmelskörper“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Benni (Yaron Kehm) ist mit seiner Mutter Christina (Friederike Ott) gerade umgezogen. In ihrem idyllisch in der Natur gelegenen Haus sind die letzten Kartons noch nicht ausgepackt. Mit einem wichtigen Vorstellungsgespräch vor Augen hat Christina so gut wie keine Zeit für ihren Sohn, der schon eine Weile kein Wort mehr mit ihr wechselt. Wenn der Junge seine Sommerferien nicht auf der Couch mit Computerspielen vergeudet, steht er mit seinem Teleskop auf dem Balkon und starrt in den Himmel. Ein organisch anmutender Planet zieht ihn magisch an – und scheint etwas mit den seltsamen Veränderungen zu tun zu haben, die in seinem Körper vorgehen. Vielleicht weiß sein Vater Falk (Marcus Schinkel) Rat, der unangekündigt vor der Tür steht. Christina und Benni hätten ihn gerufen, behauptet Falk, dessen distanziertes Verhalten nicht menschlich wirkt, sondern so, als käme der Mann von einem anderen Stern.

Der Junge, der vom Himmel fiel

Der schweigsame Junge sieht kränklich aus. Sein Gesicht ist blass, fast weiß und auf die fahle Farbstimmung des Films abgestimmt. In der Welt, durch die sich Benni und seine Mutter Christina bewegen, ist alles Grau in Grau. Ein beiges Leben beiger Menschen. Einen der wenigen Farbtupfer bildet ein Planet, der fleischfarben und monströs organisch am Himmel prangt, den aber anscheinend nur Benni sehen kann. Hat der Himmelskörper etwas mit den Veränderungen in Bennis eigenem Körper zu tun? Mit den braunen Tentakeln, die sich wie in einem Film von David Cronenberg unter seiner Bauchdecke bewegen? Ist Benni am Ende gar kein Mensch und sein Vater Falk ein Alien?

Mit viel Stilbewusstsein in Szene gesetzt, tut Henry Kho gut daran, in seinem ersten abendfüllenden, gerade einmal 63 Minuten langen Spielfilm nicht allzu viel erklären. Die von ihm selbst und seinen zwei Co-Autoren Leander Kupferer und Jonas Dokarzek verfasste Handlung lässt bewusst Leerstellen, die gemeinsam mit dem gelungenen visuellen Konzept und dem stimmungsvollen Sounddesign zur mysteriösen Grundstimmung dieser Genremischung beitragen. Einmal mehr geht der an Cronenberg angelehnte Body Horror mit dem Unbehagen über den eigenen Körper einher. Kho & Co. belassen es aber nicht beim „Horror des Erwachsenwerdens“, sondern verschränken diesen mit einer Science-Fiction-Geschichte über die Frage nach der eigenen Herkunft.

Zukunftshoffnung

Das ist ebenso clever wie ambitioniert, letzten Endes aber auch ausbaufähig. Das geringe Budget ist dem Film anzusehen, auch wenn alle Gewerke das Beste aus den beschränkten Mitteln herausholen. Nicht jede Einstellung sitzt, der Voice-over-Kommentar, über den der von Yaron Kehm gespielte Benni mit seinem von Marcus Schinkel gespielten Vater kommuniziert, könnte besser sein und trotz der kurzen Laufzeit hat die Handlung Längen.

Für ein Debüt ist Himmelskörper, wie der beim 13. HARD:LINE Film Festival unter seinem internationalen Titel Celestial Body gezeigte Erstling im deutschen Original heißt, trotzdem beachtlich. Dass dessen Macher noch ganz am Anfang ihrer Karriere stehen, nämlich gerade erst ihr Filmstudium aufgenommen haben, macht zudem Hoffnung für die Zukunft. Es tut sich was im deutschen Genrefilm – und ein Werk wie Himmelskörper zählt dazu!

Credits

OT: „Himmelskörper“
Land: Deutschland
Jahr: 2020–2025
Regie: Henry Kho
Drehbuch: Henry Kho, Leander Kupferer, Jonas Dokarzek
Musik: David Goralsky (Musikproduzent)
Kamera: Leander Kupferer
Besetzung: Yaron Kehm, Marcus Schinkel, Friederike Ott

Trailer



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Himmelskörper
fazit
Mit dem Genremix "Celestial Body", der den schönen Originaltitel "Himmelskörper" trägt, gibt der Regisseur Henry Kho ein vielversprechendes, aber noch ausbaufähiges Debüt. Kho macht keinen Hehl aus großen Vorbildern wie David Cronenberg. Dass er als Filmstudent noch ganz am Anfang seiner Karriere steht, lässt darauf hoffen, dass noch Großes folgen könnte.
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