
So richtig glücklich sind sie in der Savage-Familie ja nicht. Carole hat es beruflich zu etwas gebracht. Tatsächlich ist sie es, die das Geld nach Hause bringt, während ihr Mann Jacques in seinem Leben nichts auf die Reihe bekommen hat. Sie fühlt sich jedoch von niemandem gemocht, Jacques beklagt sich über mangelnden Respekt. Und dann ist da noch ihr 16-jähriger Sohn Blaise, der einfach nur irgendwie da ist und jedem Konflikt aus dem Weg geht. Eigentlich lebt er nicht wirklich, weshalb seine Eltern ihn ständig dazu drängen, mehr aus sich zu machen. Als er auf einer Party Josephine kennenlernt, fühlt er sich schnell zu ihr hingezogen. Deshalb stimmt er auch zu, an einer Demonstration teilzunehmen. Dabei ahnt er nicht, worauf er sich einlässt, da die aus gutem Hause stammende Jugendliche bei ihrem Kampf gegen das System auch vor Gewalt nicht zurückschreckt …
Animationsfilm mit Überraschungen
In den letzten Jahren hat es eine Reihe interessanter Animationsfilme gegeben, die sich jeweils auf eine ganz eigene Weise des Themas Heranwachsen annehmen. Da war beispielsweise der kanadische Geheimtipp (S)KiDS, eine Mischung aus Coming of Age und Punk Rock Opera. Ebenfalls düster war die Romanadaption Allah Is Not Obliged über einen Jungen von der Elfenbeinküste, der zum Kindersoldaten wird. Bei dem französischen Beitrag Blaise ist es ebenfalls ein Junge, der nach und nach in gewaltsame Aktivitäten hineingezogen wird. Doch auch wenn sich das ähnlich abgründig anhört wie das oben genannte Drama, geht der Film hier in eine komplett andere Richtung – und wartet mit der einen oder anderen Überraschung auf.
Grundlage für das Werk ist ein Comic von Dimitri Planchon, der bei der Verfilmung das Drehbuch geschrieben und gemeinsam mit Jean-Paul Guigue geführt hat. Die Vorlage ist bislang nicht in Deutschland erschienen, was sehr schade ist – zumindest, falls diese ein ähnlich hohes Niveau hat wie der Film. Dass der Franzose einiges zu erzählen hat, wird schnell deutlich. Blaise hält dabei die Mischung aus alltäglichen Themen und einer lustvollen Übertreibung, wenn die Ereignisse absurde Ausmaße annehmen. Zu den besagten Themen gehört die Sehnsucht nach Anerkennung und die Suche nach sich selbst. Vor allem im zwischenmenschlichen Bereich geschieht da einiges in dem Film, selbst wenn das nicht immer alles ausgesprochen wird, entweder weil diese Charaktere das nicht können oder sich nicht wirklich bewusst sind.
Zwischen Alltag und Groteske
Diese ernsten Themen geht Planchon mit viel Humor an. Schon die ersten Szenen, wenn die Familie bei einem Beratungsgespräch in der Schule sehen, wird deutlich, dass diese schrägen Figuren einiges mit sich herumtragen. Es ist durchaus witzig, wie sie irgendwie versuchen durchs Leben zu kommen und dabei vieles nicht wirklich klappt oder sich anderweitig entwickelt, als sie es eigentlich wollten. Blaise richtet sich dabei an ein älteres Publikum. Nicht nur, dass es durchaus komplex ist, was erzählt wird. Da ist auch schwarzer Humor drin, der in einem besonders abrupten explosiven Finale mündet, das sich zwar ankündigt und dennoch unvorhergesehen ist.
Verpackt wird diese Geschichte in eine nicht minder eigenwillige Optik. Der Animationsfilm, der 2026 in der ACID Sektion in Cannes Weltpremiere hatte, arbeitet mit ungewöhnlichen Figurendesigns, die nicht unbedingt schmeichelhaft sind und ein wenig an Willkommen in Siegheilkirchen erinnern. Die Technik ist ebenfalls eigen, sieht aus wie eine Mischung aus Cutout-Technik und Fotomontage, die gleichzeitig realistisch und doch befremdlich ist. Aber das passt dann ja auch sehr gut zu einem Film, der das Alltägliche und das Groteske miteinander verbindet. Für die breite Masse wird das dann zwar vielleicht nichts sein. Blaise ist aber ein weiterer Beitrag aus diesem Bereich, der einen eigenen Zugang findet und sehenswert ist, zudem neugierig macht auf weitere Geschichten.
OT: „Blaise“
Land: Frankreich
Jahr: 2026
Regie: Dimitri Planchon, Jean-Paul Guigue
Drehbuch: Dimitri Planchon
Vorlage: Dimitri Planchon
Musik: Alexis Pecharman, Denis Vautrin
Cannes 2026
Annecy 2026
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