Hugh Jackman und Regisseur Kyle Balda am Set von "Glennkill: Ein Schafskrimi" (Photo credit: Alex Bailey © 2026 Amazon Content Services LLC. )

Kyle Balda [Interview]

Glennkill: Ein Schafskrimi

Warum hast du „Glennkill: Ein Schafskrimi“ gedreht? Was hat dich daran interessiert?

Ich komme eigentlich aus dem Animationsbereich, weswegen es mich reizte, mich auch einmal an einem Realfilm zu versuchen. Aber es war vor allem das Drehbuch, weswegen ich das machen wollte. Die Figuren, die Art, wie Craig Marzin diese Gruppe von Außenseitern geschaffen hat. Figuren, die etwas tun, was weit außerhalb ihrer Fähigkeiten liegt, und die erfolgreich scheitern. Das hat einfach so viel komisches Potenzial, das hat mich schon sehr angesprochen.

Kanntest du die Bücher von Leonie Swann, bevor das Projekt gestartet ist?

Nein, ich habe sie erst durch das Drehbuch kennengelernt.

Waren sie trotzdem bei deinem Film wichtig oder habt ihr sie einfach ignoriert?

Das Konzept von Leonine Swann ist großartig: Schafe, die versuchen, einen Mordfall aufzuklären. Dieses Konzept haben wir beibehalten und dann versucht, ein noch größeres Publikum anzusprechen. Was können wir tun, damit die Kinder ihren Spaß haben, ohne dabei die Eltern zu vernachlässigen?

Die Bücher haben eine ganz eigene Tonalität. Wie schwierig war es für euch, diese Tonalität zu wiederholen?

Das meiste Arbeit war schon durch das Drehbuch erledigt, um ehrlich zu sein. Meine Aufgabe war es dann, die passende Optik dafür zu finden. Bei einem Buch kannst du sehr auf das Innere eingehen und zeigen, wie es in den Figuren aussieht. Ein Film ist aber ein visuelles Medium. Du kannst diese Sachen nicht allein durch die Sprache ausdrücken, sondern musst einen Weg finden, das durch die Bilder zu zeigen. Dafür mussten wir auch die richtige Balance finden: Die Schafe sollten einerseits schon realistisch sein, andererseits aber auch Identifikationsfiguren sein. Wir haben einige Zeit mit Schafen verbracht in Vorbereitung auf den Film. Und wenn du das tust, merkst du, dass diese Tiere durchaus eine Form der Intelligenz haben. Du siehst, dass da etwas in ihnen vorgeht. Aber sie trauern sicher nicht so wie wir um andere. Das ist ein sehr menschliches Thema. Es musste also eine emotionale Darstellung sein, damit die Leute sich darin wiederfinden.

Könntest du uns mehr über die Vorbereitung verraten? Was genau habt ihr getan?

Was toll an der Farm von George ist, dass sie eine Art Auffangstation ist für die Tiere, gerade im Hinblick auf Sebastian. Das bedeutet, dass jedes einzelne Schaf eine andere Rasse sein kann und dadurch anders aussieht. Ich habe gehört, dass es tatsächlich mehr Schafrassen als Hunderassen gibt. Das hilft sehr dabei, die Tiere voneinander zu unterscheiden und zu erkennen, wer wer ist. Dann haben wir uns auch ganz viele Aufnahmen von Schafen angeschaut, um zu sehen, in welche lächerlichen Situationen sie geraten. Das war die Inspiration für die Reifenschaukel. Unsere Schafe sollten nicht zu menschlich sein. Sie sollten nicht auf ihren Hinterbeinen laufen oder Kleidung tragen. Die Aufnahmen haben uns geholfen, dass unsere Schafe geerdeter sind und sich so bewegen, wie sich Schafe wirklich bewegen. Sie waren wie eine Art Archiv, aus dem wir uns bedienen konnten. Das war ein wichtiger Teil der Vorbereitung. Und ansonsten haben wir viel mit Storyboards gearbeitet, Unmengen von Storyboards.

Du hast schon erwähnt, dass das dein erster Realfilm war. Wie war die Erfahrung für dich?

Ich nehme gern einen Vergleich, um das zu beschreiben. Ein Animationsfilm, das ist wie ein Studiomusiker. Wenn du ein Album aufnimmst, kannst du immer wieder zurückgehen und an der Musik feilen. Ein Realfilm ist wie mit einer Liveband auf Tour zu gehen. Du probst natürlich vorher und bereitest dich vor. Ich habe die ganzen Erfahrungen, die ich mit Animationsfilmen gesammelt habe, und habe sie für den Film genutzt. Aber ganz viel entsteht dann doch aus dem Moment heraus.

Und jetzt, da du mit beidem Erfahrungen gesammelt hast, was ist einfacher für dich: Menschen zu sagen, was sie tun sollen, zum Beispiel Schauspielern und Schauspielerinnen? Oder Figuren zu erschaffen und sie etwas tun lassen?

Du würdest niemals Schauspielern sagen, was sie tun sollen. Du würdest ihm eher sagen, wie das Gefühl in dem Moment ist, oder würdest die Geschichte erklären, wie sie in dem Moment ist. Regisseure sind für mich die Hüter der Geschichte, während die Schauspieler die Hüter der Charaktere sind. Das trifft auch auf Synchronsprecher zu oder Animatoren, denen du sagst, was mit den Figuren passieren soll. Und sie sind es dann, die einen Weg suchen müssten, wie das geht. Es gibt da also schon einige Gemeinsamkeiten.

Aber der Castingprozess dürfte sehr unterschiedlich sein bei Schauspielern oder Synchronsprechern.

Darüber habe ich nie nachgedacht. Ich weiß auch nicht, ob das wirklich so unterschiedlich ist.  Casting ist sehr archetypisch. Welcher Schauspieler verkörpert am besten eine Figur? Julia Louis-Dreyfus hat so eine Intelligenz in ihrer Stimme. Und Lily ist das klügste Schaf. Oder wenn du dir Nicholas Braun anschaust, der eine sehr physische Art zu spielen hat. Er weiß wirklich, wie er das Hochstapler-Syndrom ausdrücken kann, damit das Publikum mitfühlen kann. Wenn seine Figur versucht, den Fall zu lösen, stellt er sich so ungeschickt an, dass es irgendwie charmant ist.

In „Glennkill“ gibt es ganz viele Figuren, die zudem sehr unterschiedlich sind – sowohl menschliche wie tierische. Welche ist deine Lieblingsfigur?

Mopple! Ich kann mich sehr mit seiner Art des Erinnerns identifizieren, dem emotionalen Aspekt davon. Chris O’Dowd hat so eine wundervolle Art ihn zu sprechen.

Mich hat die Szene sehr berührt, als klar wird, dass er sich an alles erinnert und was das für ihn bedeutet.

Genau das meine ich. Diese Szene ist für mich das Herz dieser Geschichte.

Die anderen Schafe in dem Film entscheiden sich dafür, alles zu vergessen, was irgendwie unangenehm ist, während Mopple darauf besteht, dass es wichtig ist, sich an das Gute wie das Schlechte zu erinnern. Nun können Erinnerungen aber auch ein Ballast sein. Wie hält man die Balance, diese Vergangenheit zu bewahren, ohne dass sie zu einem Gefängnis wird?

Ohne Mopple gehen die übrigen Schafe ja zu sehr in die andere Richtung, wenn sie alles vergessen wollen. Er ist es, der ihnen klarmacht, dass das Gute und das Schlechte zusammengehören. Dass es die traurigen Erinnerungen ebenso braucht wie die schönen. Bei den Schafen sehe ich also keine Gefahr, dass sie in der Vergangenheit gefangen sein könnten.

Aber sie tun das vermutlich, eben um die Vergangenheit hinter sich lassen zu können.

Das stimmt. Es ist ja auch verführerisch, alles Schlechte einfach zu verdrängen. Aber die Weisheit, die er in dieser Szene teilt, von der du sprichst, ist, dass du auf diese Weise deine Liebsten am Leben hältst. Aber es hilft dir auch in deinem eigenen Leben, weil du nur dann vorankommst. Nur wenn du dir bewusst bist, was alles passieren kann, kannst du den Herausforderungen begegnen, die das Leben bereithält.

Meine letzte Frage: In dem Film wird viel darüber gesprochen, was es braucht, um ein guter Detektiv zu sein und einen Fall zu lösen. Wie sieht deine Antwort aus?

Lily hat schon viel von dem, was es braucht. Sie hat die Einsicht und kann Verbindungen herstellen. Lily, Mopple und Sebastian sind so starke Figuren, die alle etwas Unterschiedliches mitbringen, weshalb sie als Gruppe der perfekte Detektiv sind.



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