
Diese Familie ist nicht wie die anderen. Schließlich handelt es sich um Vampire, die den Menschen das Blut aussaugt. Zumindest dann, wenn sich eine Gelegenheit ergibt. Im 14. Jahrhundert gestaltet sich das jedoch schwierig, als die Schwarze Pest über Europa hinwegfegt und in erschreckender Geschwindigkeit die Nahrungsquelle der Vampirschwestern wegstirbt. Wovon sollen sie denn dann in Zukunft noch leben? Im Jahr 1989 hat eine Nachfahrin ganz andere Sorgen, da sie sich in eine Drogenabhängige verliebt hat, die an AIDS erkrankt ist. Zuletzt denkt ein halb-vampirisch, halb-menschliches Paar im Jahr 2030 über die Lage der Welt nach …
Eine etwas andere Vampirserie
Seitdem Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens im Jahr 1922 die Menschen in Angst und Schrecken versetzte, sind sie aus der Filmwelt nicht mehr wegzudenken: Vampire. Meistens sind sie dabei die Antagonisten, welche die Hauptfiguren jagen. Im Laufe der Zeit hat es aber auch zahlreiche Beispiele gegeben, in denen das Publikum die Seiten wechselt und die Geschichte aus Sicht von Vampiren erzählt wird. Dabei kamen so unterschiedliche Werke wie Interview mit einem Vampir (1994), Twilight – Bis(s) zum Morgengrauen (2008) und 5 Zimmer Küche Sarg (2014) heraus. Wer deswegen glaubt, bereits alles einmal gesehen zu haben, wird durch Silence eines Besseren belehrt. Denn auch wenn hier auf bekannte Elemente zurückgegriffen wird, ist doch etwas ganz Eigenes herausgekommen.
So handelt es sich bei dem nicht einmal eine Stunde langen Titel offiziell um eine Serie, die aus drei Folgen besteht. Man könnte aber auch ebenso gut Episodenfilm oder Anthologie dazu sagen. Die einzelnen Geschichten sind dabei voneinander unabhängig, arbeiten überwiegend mit anderen Figuren. Gemeinsamkeiten gibt es aber natürlich einige. So sind die meisten der Charaktere Mitglieder derselben Vampirfamilie, nur dass sie zu unterschiedlichen Zeiten leben. Außerdem nutzt Regisseur und Drehbuchautor Eduardo Casanova die Gelegenheit, bei seinem ersten „Langfilm“ Silence viel über die Welt da draußen zu erzählen, mal direkt, mal über Umwege.
Interessant, aber anstrengend
An manchen Stellen ist das ganz interessant. Wenn sich die Schwestern in der ersten Folge darüber streiten, wie sie mit der aussterbenden Nahrungsquelle umgehen sollen, ist es nicht schwer, Parallelen zu den Menschen zu ziehen, welche die Natur zerstören und damit ihre eigene Grundlage vernichten. Im Mittelteil geht es in Silence noch stärker um gesellschaftliche Themen, wenn Drogen und AIDS ins Spiel kommen und existenzielle Fragen gestellt werden. Zum Abschluss geht es ebenfalls nachdenklich weiter, wenn über die Welt diskutiert wird. Dabei ist der hohe Anteil queerer Themen auffällig. Wer will, kann die Serie sogar als Porträt queeren Lebens allgemein auffassen, wenngleich eben innerhalb eines Fantasykontextes erzählt.
Das klingt alles ganz spannend, ist es aber nur bedingt. Zwischendurch wird das stark mit Camp arbeitende Werk, das irgendwo zwischen Drama, Komödie und Horror angesiedelt ist, vor allem anstrengend. Die Figuren sind nervig, der Humor ist manchmal bemüht. Obwohl das alles wie oben geschrieben sehr kurz ist, ziehen sich einzelne Passagen. Dafür sticht Silence visuell hervor. Casanova und sein Team haben schon einige Arbeit in die Bilder gesteckt, in Kostüme und Make-up. Obwohl der Genremix, der 2025 in Locarno Weltpremiere hatte, auf bekannte Teile zurückgreift, sieht das alles recht sonderbar aus. Es gibt also schon Gründe, wofür man sich das anschauen kann. Austauschbar ist das sicher nicht. Aber es ist eben auch nicht so unterhaltsam, wie das sicherlich gedacht war. Zu Herzen gehen die Geschichten, trotz der tragischen Aspekte, auch nicht gerade. Dafür sind einem die Figuren zu egal.
OT: „Silencio“
Land: Spanien
Jahr: 2025
Regie: Eduardo Casanova
Drehbuch: Eduardo Casanova
Musik: Joan Vilà
Kamera: Marino Pardo
Besetzung: Lucía Díez, María León, Ana Polvorosa, Mariola Fuentes, Leticia Dolera, Carolina Rubio, Omar Ayuso
Locarno 2025
Sitges 2025
Fantastic Fest 2025
Fantasy Filmfest Nights 2026
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