(„Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ directed by Friedrich Wilhelm Murnau, 1922)

Nachdem bereits eine Rezension der Nosferatu-Verfilmung aus dem Jahr 1979 geschrieben wurde, wende ich mich hier dem ersten Film zu, der sich explizit auf Bram Stokers Roman Dracula von 1897 bezieht: Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens von Friedrich Wilhelm Murnau. Da der 1922 gedreht Stummfilm in Deutschland produziert wurde, wurden auch die Namen der Charaktere und die Handlungsorte entsprechend verändert. Zudem handelte es sich um eine nicht autorisierte Verfilmung des Stoffes (und es ist als Glück zu bezeichnen, dass der Streifen trotz gerichtlich angeordneter Vernichtung überlebt hat), weshalb schon allein aus diesem Grund Murnau Graf Dracula zu Graf Orlok umbenennen musste. Da ich allerdings eine englische Fassung vorliegen habe, die es hier kostenlos und legal zum Download gibt, und dort die originalen Namen verwendet wurden, werde ich sie auch im Folgenden benutzen.
Jonathan Harker (Gustav von Wangenheim) reist im Auftrag seines Arbeitgebers, eines Immobilienmakler, nach Transsylvanien im heutigen Rumänien, um dort dem abgeschieden lebenden Graf Dracula (Max Schreck) auf seinem Schloss ein Haus in Bremen (Im Roman handelt es sich um London, in der deutschen Verfilmung um die fiktive Stadt Wisborg) zu verkaufen. Mina (Greta Schröder), seine Frau, verbringt die Zeit seiner Abwesenheit bei ihrer Freundin Lucy Westenra und deren Verlobten.
Bereits auf der Reise zu Draculas Schloss wird Harker von der Bevölkerung gewarnt und er entdeckt zudem ein Buch, welches von Vampiren berichtet. Harker, weiter fest entschlossen seinen Auftrag zu erfüllen, erreicht schließlich das Schloss des Grafen und schließt den Vertrag erfolgreich ab. Gleichzeitig stellt er jedoch fest, dass der Graf in der Tat der ist, für den ihn die Bevölkerung der Region hält: Ein blutsaugender Vampir. Nur durch den nächtlichen Schrei seiner Frau Mina aus ihrem Fenster in Bremen überlebt Harker und kann schließlich vom Schloss fliehen. Aber auch der Graf macht sich auf den Weg und schifft sich mit etlichen Särgen in Richtung Bremen ein.
Als das Schiff endlich Bremen erreicht bricht in der Stadt die Pest aus, die auch schon die gesamte Besatzung des Schiffes dahingerafft hat. Auch Jonathan Harker erreicht seine Heimatstadt und trifft dort auf seine Frau, die während seiner Abwesenheit unter Somnambulismus gelitten hat.
Wie der Film endet möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, jedoch weicht der Film, der sich bisher zwar nicht immer aber doch meist an Bram Stokers Vorlage gehalten hat, an dieser Stelle stark vom Roman ab. Ich, der ich vom Roman großartig unterhalten wurde, finde das Ende von Murnau aus diesem Grund etwas gezwungen und hätte gerne die originale Version gesehen. (Wobei man hinzufügen muss, dass dieses erfundene Ende das Bild der Vampire in den folgenden Jahrzehnten mit geprägt hat.)
Zugegeben, ich hab mir den 94 Minuten dauernden Film angesehen, weil er als Klassiker gilt; als Klassiker der expressionistischen Filmkunst in Deutschland, als Klassiker des Stummfilms und des Horrorgenres. Ich weiß nicht, ob ich ihn ohne dieses Vorwissen ebenso schätzen würde, da es als Mensch des 21. Jahrhunderts sehr schwer ist ohne tieferes Wissen über den Film der 20er Jahre „gute“ Filme aus dieser Zeit als solche zu erkennen. Wie das aber auch in anderen Filmen, die mir bekannt sind, der Fall ist, so herrscht auch in Nosferatu eine permanente Stimmung der Unsicherheit, was ja auch als Kennzeichen des Epxressionismus betrachtet werden kann. Eine Vampirgeschichte passt da wunderbar und wenn dann zu der von Max Schreck zum untoten Leben erweckten furchteinflösenden Figur des Graf Dracula eine musikalische Untermalung hinzu kommt, die teilweise nur aus sparsamen Geräuschen, teilweise aus unbequemen Disharmonien besteht, dann vermag man sich selbst im 21. Jahrhundert nicht mehr so wohl zu fühlen und die Klasse des Films zu erkennen. Und Kenner der Materie werden sicher noch mehr erwähnenswerte Aspekte wahrnehmen können.

Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens
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