Mit Filmen wie zuletzt Ella und der schwarze Jaguar und Moon, der Panda hat sich Gilles de Maistre als Regisseur von Familienfilmen etabliert, welche das Verhältnis von Menschen und Tieren näher beleuchten. Und das gilt dann auch für den neuesten Streich des französischen Geschichtenerzählers. So dreht sich Die Legende des Wüstenkindes um einen Jungen, der bei einem Sandsturm in der Wüste von dem Rest seiner Familie getrennt wird. Doch das Kind hat Glück im Unglück und wird von einer Straußengruppe adoptiert. Am 21. Mai 2026 startet das auf einer wahren Geschichte basierende Familienabenteuer in den deutschen Kinos. Wir hatten die Gelegenheit, de Maistre einige Fragen zu stellen. Im Interview zu dem Film spricht er über die Dreharbeiten, schwierige Planungen und seine Mission der Hoffnung.
Könntest du uns etwas über die Entstehungsgeschichte des Films verraten? Wie bist du auf Die Legende des Wüstenkindes gekommen?
Meine Frau hatte ein Buch über die wahre Geschichte eines Jungen gelesen, der in der Wüste verlorenging, als er zwei Jahre alt war, und dem von Wüstentieren geholfen wurde, besonders von Straußen. Sie wollte unbedingt, dass ich einen Film daraus mache. Ich arbeitete damals aber an Mia und der weiße Löwe und wollte deshalb erst einmal nichts damit machen. Einige Jahre später, als Covid ausgebrochen war, drängte sie mich dazu, das Buch doch noch zu lesen. Und ich fand sie so unglaublich, dass ich doch noch überzeugt wurde.
Du erzählst in deinem Film nicht nur die Geschichte des Jungen, sondern auch die eines Mädchens, das über diese Geschichte ein Buch geschrieben hat. Wie kam es dazu?
Wir wollten die Geschichte aus der Sicht eines Menschen erzählen, der in der Gegenwart lebt, um eine moderne Perspektive einnehmen zu können.
Du hast mehrere Filme in Folge gedreht, die von der Beziehung zwischen Menschen und Tieren handeln. Steht am Anfang eines Films immer die Geschichte und ihr sucht dann das Tier oder steht da das Tier und ihr sucht anschließend die passende Geschichte zum Tier?
Am Anfang steht immer die Aussage, weil das der wichtigste Punkt für uns ist: Was wollen wir mit einem Film sagen? Dabei geht es uns immer um die Menschen und ihr Verhältnis zu Tieren und der Natur. Die Wahl des Tieres kommt also erst danach.
Du hast in deinen Filmen mit den unterschiedlichsten Tieren gedreht. Wie war es, mit denen aus Die Legende des Wüstenkindes zu arbeiten?
Es ist verrückt, mit Straußen zu arbeiten, weil sie uns so fremd sind. Während du einiges in Löwen hinein projizieren kannst, sind Strauße Tiere wie aus einer prähistorischen Zeit. Wir mussten einen Weg finden, wie wir Strauße und Kinder zusammenbringen können, weil wir wieder mit echten Tieren drehen wollten. Wir haben eine Straußflüsterin in Belgien gefunden, die Strauße von Farmen rettet, wo sie als Schlachttiere aufgezogen werden. Wir haben sie gebeten, uns dabei zu helfen, wie die Kinder mit den Straußen interagieren können und wie wir eine Verbindung aufbauen können.
Lass uns über das Setting sprechen. Wo habt ihr gedreht?
Wir haben in Marokko gedreht. Dabei hatten wir ziemlich viel Glück, weil es ungewöhnlich viel geregnet hat in dieser Zeit und wir dadurch sehr schöne Landschaftsbilder bekamen.
Und wie war es für dich, in einer Wüste zu drehen, anstatt etwa in einem Dschungel wie in früheren Filmen von dir?
Wüsten sind sehr staubig und trocken. Es ist auch sehr heiß, was schon eine Herausforderung war. Aber die Leute dort sind es gewohnt, in der Wüste zu drehen, weshalb sie sehr gut vorbereitet und hilfsbereit waren. Das hat es schon einfacher gemacht. Eine Herausforderung war es trotzdem, mit Straußen, Wüstenfüchsen und Kindern zu drehen. Wobei der Dreh an sich weniger lang dauerte, das waren rund zwei Monate. Die Vorbereitungen haben dafür Jahre gebraucht. Wir mussten erst einen Weg finden, das überhaupt umsetzen zu können.
Und wie schwierig war das Casting? Für die Hauptfigur des Jungen brauchtet ihr schließlich drei Schauspieler für die verschiedenen Lebensabschnitte.
Das war tatsächlich eine Herausforderung. Wir brauchten drei Jungen, die sich nicht nur ähnlich sahen, sondern alle schauspielern konnten und eine Verbindung zu den Straußen aufbauen konnten. Wir haben klassisch mit einem Vorsprechen begonnen und haben die Kinder dann zu den Straußen gebracht, um zu sehen, wie sie mit ihnen umgehen und ob sie Angst haben. Insgesamt haben wir Hunderte von Kindern ausprobiert, bevor wir unsere drei hatten.
Was war euch sonst wichtig beim Casten?
Die Jungen mussten universell sein, damit weltweit ein Publikum sich mit ihnen identifizieren und in die Geschichte hineinversetzen konnten.
Mit deinen Filmen willst du auch selbst Kinder ansprechen. Was ist das Geheimnis eines guten Kinderfilms?
Es gibt nur eine Regel, die für alle Filme gilt: Authentizität- Du musst deine eigene Geschichte lieben und eine Verbindung zu dem haben, was du erzählst. Dann wirst du auch andere Menschen finden, die eine Verbindung dazu haben. Wie viele du damit erreichst, ist natürlich jedes Mal anders. Manchmal erreichst du vielleicht nur wenige, ein andermal dann eine Million. Wir versuchen, Filme zu machen, die Großeltern mit ihren Enkeln anschauen können. Wir haben selbst sechs Kinder und wissen, wie schwierig es ist, Filme zu finden, die allen gefallen. Wenn wir ins Kino gehen und etwas anschauen, das unsere Kinder sehen wollen, langweilen wir uns manchmal. Umgekehrt kommt es vor, dass die Kinder die Filme nicht mögen, die wir sehen wollten.
Du hast erwähnt, dass die Vorbereitungen während Covid begonnen haben. In den letzten Jahren hat sich sehr viel in der Welt getan, wir machen eine Krise nach der anderen durch. Beeinflusst dich das als Geschichtenerzähler?
Ja! Je schwieriger die Welt da draußen wird, umso mehr versuchen wir, hoffnungsvolle und positive Geschichten zu erzählen. Sie werden mich nicht aufhalten!
Und jetzt, da diese Geschichte erzählt ist, was kommt als nächstes?
Wir sind gerade dabei, einen anderen Film zu beenden, der nächstes Jahr in die Kinos kommen soll. Dieses Mal haben wir in Kanada gedreht und es geht um das Thema Bärenjagd. Dort ist es erlaubt, Bären zu jagen. Im Frühjahr werden viele Mutterbären getötet, was dazu führt, dass es eine Menge verwaister Bärenjungen gibt. Die Geschichte spielt in einer Aufzuchtstation für solche verwaisten Bärenjungen und handelt von einem Vater und seiner Tochter, die sich nicht kennen und sich über die Arbeit mit dem Tier näherkommen.
Vielen Dank für das Interview!
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