Twilight Biss zum Morgengrauen
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Twilight – Bis(s) zum Morgengrauen

Kritik

Twilight Biss zum Morgengrauen
„Twilight – Bis(s) zum Morgengrauen“ // Deutschland-Start: 15. Januar 2009 (Kino) // 14. Februar 2019 (DVD/Blu-ray)

Kaum in Forks bei ihrem Vater Charlie (Billy Burke) angekommen, trifft Bella (Kristen Stewart) in ihrer neuen Schule auf Edward (Robert Pattinson) und verliebt sich sogleich unsterblich in ihn. Edward allerdings erweckt nicht den Eindruck, als würde er viel von ihr halten. Erst nach und nach nähern sich die beiden einander an und entdecken ihr Interesse füreinander. Als Bella sich dann auch mehr als einmal in einer brenzligen Situation wiederfindet, ihr Edward sogleich aber zu Hilfe eilt und ihr dabei sogar das Leben rettet, wird sie etwas stutzig und beginnt Schlüsse zu ziehen, die alles andere als rational klingen. Sollte es tatsächlich möglich sein, dass Vampire wirklich existieren?

Dass der Roman von Stephenie Meyer, der bereits 2006 erschien, und nur knapp zwei Jahre später bereits verfilmt wurde, jemals solch ein Phänomen auslösen würde, hatte wohl niemand geglaubt. Eigentlich nur noch eine weitere Vampirliebesgeschichte à la Romeo und Julia. Unsterbliche Liebe, die niemals sein kann und auch nicht sein darf. Also alles in allem merkt man jetzt schon, dass es sich dabei um ziemliche Standardware handelt, die zudem ganz klar eine Zielgruppe bedient und an der die wenigsten dann letztendlich Gefallen finden werden. Und das sollte wohl auch jedem vorher bewusst sein, wenn man sich das dazugehörige DVD Cover ansieht.

Das ist auch schon alles
Wer trotzdem einen Versuch starten will mit dem Film warm zu werden, sollte sich vorher im Klaren drüber sein, dass eine Jugendfreigabe ab 12 nicht von ungefähr kommt und man dementsprechend als Filmfan schon wirklich arge Abstriche machen muss. Denn das was die Regisseurin Catherine Hardwicke (Im Himmel trägt man hohe Schuhe, Red Riding Hood) hier anhand der Buchvorlage auf die Leinwand bringt, versucht gar nicht erst einen ernsteren Ton anzuschlagen oder gewisse Handlungen aus der Lächerlichkeit herauszuholen.

Was im Buch funktioniert, funktioniert noch lange nicht Eins zu Eins im Kino. Obwohl die Charaktere wirklich hervorragend besetzt wurden, und damit sind sowohl Kristen Stewart (3 Engel für Charlie) als auch Robert Pattinson (Der Leuchtturm) gemeint, schafft es die Regisseurin nicht, sie vollends zugänglich zu machen, geschweige denn ihre Beziehung zueinander wirklich Tiefe zu verleihen. Gerade die Figur um Vampir Edward kommt aufgrund des Durchhastens durch die Schlüsselmomente fast nur noch äußerst seltsam rüber und verspielt echte Sympathiepunkte, wenn er einmal mehr sein leidendes Gesicht aufsetzen muss. Und wenn man meinen möchte, Bella sei eigentlich schon als Charakter anstrengend, wird der glitzernde Vampirjunge zusehends zur Geduldsprobe. Spätestens wenn er seine Angebetete wieder einmal von sich weist, um ihr zu erklären, dass er sie nicht verletzten will und er nicht weiß, ob er dem Durst nach Blut so einfach widerstehen kann, und dann aber nur kurze Zeit später wieder an ihrer Seite aufzutauchen, wird das Muster zum anstrengenden Widerholungstäter.

Oh nein, das dürfen wir nicht!
Leider wirkt diese krampfhafte Keuchheit weder echt noch ernst und erweckt den Eindruck, als hätte die Autorin dafür extra im vorherigen Jahrhundert nach steriler Romantik gesucht. Denn was lässt Frauenherzen höher schlagen? Ein Mann, der sich vor unsterblicher Liebe windet, sich ziert und seine Auserwählte auf keinen Fall verletzen will. Nun gut, kann man alles so machen, aber dann bitte mit Dialogen, die etwas mehr Biss haben und nicht ebenfalls aus Omas Schmachtromanen entstammen. Zumindest mit Bellas Vater Charlie, kommt die Geschichte so halbwegs noch in der heutigen Zeit an. Schade eben nur, dass die Szenen der beiden Charaktere so rar gestreut sind, denn das Zusammenspiel funktioniert innerhalb des Film noch mit am besten. Billy Burke (Der Leuchtturm) verkörpert den sich sorgenden, aber liebevollen Vater wirklich überzeugend und sorgt mehr als einmal für ein Lächeln im Gesicht.

Nichts desto trotz fehlt es Twilight insgesamt einfach an Charakteren, mit denen man wirklich mitfühlen kann, ohne dabei im nächsten Augenblick heillos genervt zu sein. Buchfans dürften aber trotzdem von der Verfilmung angetan sein und egal was man am Ende von Twilight hält, im Rahmen dessen, was die Adaption sein soll ist sie nun mal doch gelungen. Aus persönlicher Sicht (ja ich konnte mich dem Hype vor mehr als zehn Jahren auch nicht entziehen) würde der Film von mir eine deutlich höhere Wertung bekommen, aus cineastischer Sicht springt wirklich nicht mehr als gut gemeinte Mittelmäßigkeit heraus.

Credits

OT: „Twilight“
Land: USA
Jahr: 2008
Regie: Catherine Hardwicke
Drehbuch: Melissa Rosenberg, Stephanie Meyer
Vorlage: Stephenie Meyer
Musik: Carter Burwell
Kamera: Elliot Davis
Besetzung: Kristen Stewart, Robert Pattinson, Anna Kendrick, Taylor Lautner, Billy Burke, Nikki Reed, Kellen Lutz, Ashley Greene, Jackson Rathbone, Peter Facinelli

Bilder

Trailer

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Das Vampirromantikdrama funktioniert ohne Erwartungen an Ernsthaftigkeit und Charaktertiefe immer noch am Besten. Für Buchfans ist „Twilight – Biss zum Morgengrauen“ eine Erfüllung nächtlicher Träume, für Cineasten ein wahr gewordener Albtraum, der sich zudem mit der Altersfreigabe auch noch das letzte Fünkchen Coolness verspielt.
5
von 10