Emilio Sakraya One Night Off Amazon Prime Video
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One Night Off

Inhalt / Kritik

„One Night Off“ // Deutschland-Start: 29. Dezember 2021 (Amazon Prime Video)

Für Noah (Emilio Sakraya) hat ein neuer Lebensabschnitt begonnen, schließlich sind er und seine Freundin Marie (Milena Tscharntke) frisch gebackene Eltern! Das bedeutet erst einmal, dass das mit den vielen Partys jetzt rum ist. Verantwortungsbewusstsein ist angesagt. Dass er dieses hat, darf er beweisen, als Marie für einige Zeit beruflich weg muss und er allein auf seinen Sohn aufpassen darf. Er ist auch fest entschlossen, das richtig gut zu machen und seiner Rolle gerecht zu werden. Dummerweise hat sein bester Kumpel Baumi (Helgi Schmid) aber andere Pläne und überredet ihn dazu, gemeinsam in ihren Stammclub zu gehen, da dieser geschlossen wird. Und wer will sich die Chance entgehen lassen, da noch einmal vorbeizuschauen? Noah ist das alles nicht geheuer, mit seinem Kind ausgerechnet dorthin zu gehen. Seine Schwägerin Sarah (Carol Schuler) hat jedoch nur darauf gewartet, dass er einen solchen Fehler begeht, will sie doch ihrer Schwester beweisen, dass er sich nie und nimmer um das Kind kümmern kann …

Einstand ohne Einfall

In den letzten Jahren hat man bei Amazon Prime Video das deutschsprachige Segment für sich entdeckt. Ob nun Der Beischläfer, Für umme oder LOL: Last One Laughing, da finden sich inzwischen doch einige Serien aus dem komödiantischen Bereich beim Streamingdienst. Umso erstaunlicher ist, dass es bislang tatsächlich kein deutsches Amazon Original im Filmbereich gab. Aber dafür ist nun One Night Off da, der pünktlich zum Jahreswechsel möglichst viele vor den Bildschirm bringen soll. Wieder einmal bewegen wir uns dabei im humoristischen Umfeld, da sich diese offensichtlich am besten verkaufen lassen. Außerdem können sie vergleichsweise günstig produziert werden: Ein guter Witz braucht nicht unbedingt ein großes Budget. Er braucht nur den nötigen Einfall.

Bei One Night Off fehlt dieser Einfall. Die Ausgangssituation versucht dabei den Spagat zwischen einer sehr menschlichen Geschichte und absurder Eskalation. Ein junger Vater ist ein wenig überfordert mit seiner neuen Rolle, will alles richtig machen, weiß aber nicht, wie das geht. Das dürfte grundsätzlich einigen von der Seele sprechen. Das erste Kind ist immer eine Herausforderung, vor allem wenn es noch nicht so lange her ist, dass man selbst eines war. Wenn Noah durch die Nacht rennt, sein Baby im Schlepptau, dann ist das der Versuch, zwischen zwei verschiedenen Ichs zu vermitteln. Da ist das gewohnte Ich, das bis vor Kurzem in den Clubs unterwegs gewesen ist und primär nach Spaß suchte. Und da ist das angestrebte Ich, von dem er nur eine vage Vorstellung hat. Das verantwortungsvolle, erwachsene Ich.

Viel Hektik, wenig dahinter

Ein Problem dabei: Das Drehbuch hat selbst keine wirkliche Vorstellung von dem Protagonisten. Noah ist ein recht passiver Mensch, der zwischen ziemlich übergriffigen anderen Menschen gefangen ist. Sein bester Freund Baum will partout kein Nein hören will, Schwägerin Sarah wiederum sagt zu allem Nein. Der eigentliche Kontrast findet daher gar nicht im jungen Vater statt, sondern zwischen den zwei anderen. Für Noah bleibt da nicht viel übrig. One Night Off erzählt davon, wie dieser sich entwickeln muss, verzichtet selbst aber auf eine solche. Mit Emilio Sakraya (Kalte Füße, Tribes of Europa) fand man zwar einen der begehrtesten Nachwuchsdarsteller, der vor allem auch ein weibliches Publikum anziehen soll. Die Rolle selbst ist jedoch recht undankbar, da die Figur in dem Chaos drumherum völlig untergeht.

Das ist natürlich zum Teil das Konzept des Films. Regisseur Martin Schreier (Traumfabrik) hat hier eine temporeiche Komödie vorgelegt, bei der es für niemanden eine Verschnaufpause gibt. Man soll hier von einem Ort zum nächsten hetzen, nur nicht Halt machen und über die Absurdität nachdenken. Man hat nur vor lauter Hektik vergessen, irgendwelche interessanten Szenen zu schaffen. In One Night Off mögen die Leute umherrennen, wie vom wilden Affen gebissen. Der Film selbst plätschert aber nur vor sich hin. Die Rahmenbedingungen sind da für einen vergnüglichen Abend. Die Witze selbst fehlen aber irgendwie. Nur weil jemand laut ist, heißt das noch nicht, dass derjenige etwas zu sagen hat. Wer auf Durchzug stellt, kann sich hiermit dann schon die Zeit vertreiben. Mehr als ein uninspirierter Schnellschuss ist der deutsche Amazon-Einstand aber nicht.

Credits

OT: „One Night Off“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Martin Schreier
Drehbuch: Murmel Clausen, Doron Wisotzky
Musik: Riad Abdel-Nabi
Kamera: Christof Wahl
Besetzung: Emilio Sakraya, Milena Tscharntke, Helgi Schmid, Carol Schuler

Bilder

Trailer

Interview

Was macht für ihn das Erwachsenwerden aus? Und wie sieht es mit seinen Club-Vorlieben aus? Diese und andere Fragen haben wir Hauptdarsteller Emilio Sakraya in unserem Interview zu One Night Off gestellt.

Emilio Sakraya [Interview]

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Wenn in „One Night Off“ ein junger Vater mit seinem Baby durch die Clubs zieht, auf der Suche nach seiner neuen Rolle, dann geht das mit einem hohen Tempo einher. Es mangelt jedoch an Einfällen und Witzen. Zudem ist der Protagonist recht unscheinbar, da er zwischen zwei überzogenen anderen Figuren untergeht.
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