Kritik

Für umme Amazon Prime Video

„Für umme“ // Deutschland-Start: 18. September 2020 (Amazon Prime Video) // 22. April 2021 (DVD)

Wie so viele andere auch träumte Mo Mikkelsen (Michael Fritz Schumacher) von einer großen Karriere als Schauspieler. Viel draus geworden ist aber nicht, er schlägt sich mit unwürdigen Engagements durchs Leben – sofern er die überhaupt bekommt. Es sieht auch nicht danach aus, als ob das auf absehbare Zeit besser würde. Im Gegenteil: Seine Eltern (Sabine Vitua, Philipp Sonntag) machen ihm klar, dass sie ihm jetzt doch mal den Geldhahn zudrehen wollen, da sie nicht viel Zukunft in seiner Arbeit sehen. Nicht einmal seine eigene Agentur will noch etwas von ihm wissen. Aber aufgeben gilt nicht, Mo setzt auch weiterhin darauf, dass sein großer Traum noch in Erfüllung geht und ist bereit, so manche Kröte dafür zu schlucken – oder was auch sonst es braucht …

Die Schattenseiten des Glanzes

Wer an den Beruf der Schauspielerei denkt, dem kommen schnell die klassischen Hollywood-Bilder in den Sinn, von Glanz und Glamour, von roten Teppichen und Blitzgewittern. Ein Leben in Luxus, berühmt und beneidet von den einfachen Menschen. Dabei wird schnell übersehen, dass die meisten Schauspieler und Schauspielerinnen selbst einfache Menschen sind. Leute, die vielleicht nicht vor der Frage stehen, ob sie für den Zwölftwagen lieber Ferrari oder Jaguar nehmen, sondern woher das Geld für die nächste Miete kommen sollen. Ambitionierte Künstler und Künstlerinnen, von denen man nie etwas gehört hat, weil sie schon zuvor gescheitert sind.

Filme und Serien, die sich mit den Schattenseiten dieses Berufs auseinandersetzen, gibt es natürlich einige. Allein dieses Jahr demontierten Werke wie Hollywood oder Mank die oft romantisierte Vorstellung, zeigten, dass vieles an der Traumfabrik nur Fassade ist, welche die hässlichen Abläufe dahinter kaschieren. Aber das geht alles noch ein bisschen erbärmlicher und unwürdiger, wie die deutsche Serie Für umme zeigt, welche nach diversen Anlaufschwierigkeiten in Zuhause auf Amazon Prime Video gefunden hat. Mit einer an der Grenze zur Widerwärtigkeit sich windenden Szene geht es los, die zwar thematisch noch nicht wirklich an die Geschichte anknüpft, aber schon mal verdeutlicht: Hier muss man härter im Nehmen sein.

Wobei man um das Wort Geschichte ein paar Anführungszeichen setzen sollte. Die elf Folgen der ersten Staffel sind zwar chronologisch angeordnet, hin und wieder wird auch mal auf das zurückgegriffen, was zuvor geschehen ist. Im Grunde handelt es sich dabei jedoch um voneinander unabhängige Einzelereignisse, die sich im Leben von Mikkelsen zutragen. Mal sehen wir ihm bei kuriosen Castings zu, dazwischen stehen andere Jobs an, um sich über Wasser zu halten. Außerdem gibt es Begegnungen mit anderen aus seinem Berufsfeld, etwa den Leuten von der Agentur oder auch Kathi (Gisa Flake), einer anderen gescheiterten Schauspielexistenz, die mit widrigen Bedingungen zu kämpfen hat – siehe den Seitenhieb auf Sexismus bei einem dieser Castings.

Zwischen Satire und Situationskomik

Am stärksten ist Für umme dann auch, wenn die Verbindungen zum Beruf tatsächlich gegeben sind, man den Eindruck hat, dass da wirklich jemand aus dem verschmutzten Nähkästchen plaudert. Wenn das Kreativteam, das sich hier austobt, eigene Traumata humoristisch aufarbeitet. Die Serie behält dieses Konzept jedoch nicht durchgängig bei. Zwischendurch schweift sie immer mal wieder ab, erzählt von Korruption in Krankenhäusern, hält sich mit Witzen über scharfe Würste auf oder wildert im Privatleben der Eltern rum. Das darf man natürlich machen. Nur wird es an den Stellen schnell austauschbar, es fehlt den Gags an eigener Schärfe. Ohnehin schwankt der Humor etwas zwischen satirischem Anspruch und derber Situationskomik, will sich nie so recht entscheiden, was das Ziel ist.

Trotzdem ist Für umme eine sympathische Serie, die sich über die Schauspielerei lustig macht, ohne sich dabei selbst zu bemitleiden. Vor allem das Ensemble, das sich nie zu schade dafür ist, sich auch mal so richtig zum Affen zu machen und von einer wenig werbewirksamen Seite zu zeigen, trägt dazu bei, dass man hier seinen Spaß haben kann. Da die Episoden zudem sehr kurz sind, gerade mal zehn Minuten dauern, lassen sich auch gelegentlich weniger gelungene Einfälle verschmerzen. Es geht ja eh gleich anders weiter. Und vielleicht reicht es ja auch für eine zweite Staffel, das Milieu und die Figuren geben auf jeden Fall genug her, um noch ein bisschen mehr an der Fassade herumzukratzen und weitere unschöne Absurditäten zum Vorschein zu bringen.

Credits

OT: „Für umme“
Land: Deutschland
Jahr: 2019
Regie: Vlady Valentin Oszkiel
Drehbuch: Mats Frey, Vlady Valentin Oszkiel, Michael Fritz Schumacher, Patrick Radke, Melanie Waelde, Manuel Paul
Musik: Ulrich Wiedemann
Kamera: Thomas Beetz
Besetzung: Michael Fritz Schumacher, Heiko Pinkowski, Gisa Flake, Oliver Korittke, Sabine Vitua, Philipp Sonntag

Bilder

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Für umme – Staffel 1
„Für umme“ folgt dem Leben eines gescheiterten Schauspielers, der sich beruflich wie privat mit lauter Rückschlägen herumplagen muss. Das ist sympathisch, auch weil das Ensemble mit viel Mut zur Hässlichkeit und Peinlichkeit zur Sache geht. Allerdings neigt die Serie manchmal dazu, vom Thema abzukommen und kann sich auch beim Humor nicht ganz festlegen, ob es lieber Satire oder derbe Situationskomik sein soll.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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