Kalte Fuesse

„Kalte Füße“ // Deutschland-Start: 10. Januar 2019 (Kino)

Das ist jetzt wirklich doof gelaufen für Denis (Emilio Sakraya). Nicht nur, dass die Beziehung des Kleinganoven in die Brüche gegangen ist, seine frische Ex zerstört auch noch die Handys, die er vertickern sollte. Das sieht sein Boss Adam (Aleksandar Jovanovic) so gar nicht gern und verdonnert ihn, in die abgelegene Villa des reichen Schlaganfallpatienten Raimund (Heiner Lauterbach) einzubrechen und alles auszuräumen, was irgendwie an Wert hat. Doch auch das geht schief. Als wäre es nicht schon schlimm genug, dass dessen Enkeltochter Charlotte (Sonja Gerhardt) vor der Tür steht, ist das Trio kurze Zeit später schon eingeschneit. Denis bleibt daher nichts anderes übrig, als sich weiterhin als Pfleger auszugeben und bei der erstbesten Gelegenheit zu verschwinden.

Natürlich darf einem das Szenario ein wenig bekannt vorkommen. Ein Kleinkrimineller tut so, als würde er einen Beruf ausüben, für den er weder ausgebildet noch geeignet ist, in der Hoffnung, so an die versteckte große Knete zu kommen. Dabei lernt er eine hübsche Frau kennen und lieben, am Ende eines turbulenten Aufenthalts steht eine kleine Läuterung an. Das hat vor Jahren bei Fack ju Göhte prima funktioniert, nun soll es Kalte Füße dem deutschen Überhit nachmachen. Mit dem Unterschied, dass hier nicht nervige Jugendliche, sondern ein mindestens ebenso nerviger Senior ruhiggestellt werden muss.

Wenn Blicke töten könnten
Letzterer ist dafür ein echter Volltreffer. Waren die Kids in der Schultrilogie oft der schwächste gemeinsame Nenner, was gerade den beiden Fortsetzungen zum Verhängnis wurde, gehören die Auftritte von Lauterbach (Willkommen bei den Hartmanns) zu den Höhepunkten von Kalte Füße. Richtig viel zu tun bekommt der Schauspielveteran zwar nicht, von den sparsamen Dialogen ganz zu schweigen – nach dem anfänglichen Schlaganfall seiner Figur kommuniziert er nur noch durch Brummen, Grummeln und jede Menge böse Blicke. Aber eben das macht jede Menge Spaß, wenn der renitente Patient wider Willen sich einen Kleinkrieg mit dem Eindringling liefert.

Allgemein ist das erste Drittel, als sich die Komödie noch auf diesen politisch weniger korrekten Humor konzentriert, das stärkste. Allerdings fielen Drehbuchautor Christof Ritter wohl nicht genügend dieser Gags ein. Vielleicht war er auch der Ansicht, dass der Film mehr Abwechslung als das gebrauchen könnte. So oder so ist es bemerkenswert, wie wenig einheitlich Kalte Füße geworden sind. Da tauschen sich besagte böse Szenen mit pubertären Albernheiten ab à la Dumm und dümmer ab, dazwischen gibt es auch viel Besinnliches, wenn die entfremdeten Familienmitglieder sich wieder näherkommen. Das Ergebnis wirkt so, als wären hier Drehbuchreste der unterschiedlichsten Produktionen zusammengeführt worden, egal ob das nun passt oder nicht. Cineastisches Resteessen sozusagen.

Viel dran, wenig dahinter
Teilweise ist das durchaus unterhaltsam, auch weil der Rest des Casts gut gewählt ist. Emilio Sakraya (Meine teuflisch gute Freundin) mag zwar nicht den Brutaloappeal eines Elyas M’Barek haben, bringt aber jede Menge Nichtsnutz-Straßen-Charme mit. Und auch Sonja Gerhardt (Deutschland 83) als im Grunde völlig verfehlte Polizeianwärterin macht Spaß. Wie so oft wird das Potenzial jedoch nicht genügend ausgeschöpft, welches Besetzung, Szenario und Schauplatz hergeben. Denn Letzterer kann sich durchaus sehen lassen, eingeschneite Landhäuser sind immer dankbare Orte für ein bisschen Spannung.

Diese gibt es hier leider weniger: Nur weil kein Weg aus dem Haus führt, heißt das nicht, dass hier irgendjemand vom Weg abkommen würde. Im Gegenteil, Kalte Füße ist Komödie streng nach Vorschrift, bei der von Anfang an die Geschichte jede Erwartung erfüllt, die das geneigte Publikum mitbringt – im Gegensatz zum Holterdiepolter-Humor. Nett ist das Ergebnis aber schon noch, ein harmloser Spaß mit einem süßen Paar, um das neue Jahr zu beginnen und daran zu glauben, dass am Ende doch alles gut wird. Denn wenn selbst ein Trio, das aus einem Schlaganfallpatienten, einem Ganovensoftie und einer unnützen Polizistin besteht, das Glück finden kann, dann gilt das wohl erst recht für das Publikum.

Kalte Füße
4.25 (85%) 16 Artikel bewerten

Kalte Füße
Was passiert, wenn ein Schlaganfallpatient, ein verkleideter Ganove und eine angehende Polizistin in ein abgelegenes Haus gesperrt werden? Eine ganze Menge. Leider kann sich die nette Komödie „Kalte Füße“ nie ganz entscheiden, was es denn sein soll, und schmeißt so bissigen Humor mit peinlichem zusammen, verschwendet ein schönes Szenario, eine gute Besetzung und einen tollen Schauplatz an eine mutlose Geschichte.
6von 10

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