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Hexen bis aufs Blut gequält

„Hexen bis aufs Blut gequält“ // Deutschland-Start: 17. April 1970 (Kino) // 23. April 2026 (DVD/ Blu-ray)

Inhalt / Kritik

Im Jahr 1700 hat die Angst vor Hexen Europa fest im Griff. In einer kleinen Gemeinde in Österreich hat diese Angst überhandgenommen, sodass es regelmäßig zu Hexenverbrennungen kommt, Verdächtige eingesperrt werden und grausame Folter erleiden müssen. Um der Panik in der Bevölkerung Herr zu werden, entsendet man den berüchtigten Inquisitor Lord Cumberland (Herbert Lom) und seinen Schüler Christian de Meron (Udo Kier).

Das ist dem Hexenjäger Albino (Reggie Nalder) ein Dorn im Auge, da er und seine Männer bislang dank der Furcht der Menschen nahezu ungehindert tun konnten, was sie wollten. So erpressten sie die Bewohner des Dorfes oder versuchten, sie gefügig zu machen – etwa die Wirtin Vanessa (Olivera Vučo), die sich Albinos Annäherungsversuchen widersetzt.

Während Christian seine Pflichten mit vergleichsweise mehr Besonnenheit und Vernunft erfüllt, scheint die Panik mit Cumberlands Ankunft eine neue Stufe zu erreichen. Immer mehr Menschen werden aufgrund oberflächlicher Verdächtigungen oder aus bloßer Missgunst in den Kerker geworfen. Zunehmend zeichnet sich eine Kluft zwischen dem Inquisitor und seinem Schüler ab, der ahnt, dass bei der Hexenjagd ganz andere Beweggründe eine Rolle spielen. Auch im Dorf wächst der Widerstand gegen die Inquisitoren.

Schwarze Seiten der Geschichte

Zu Beginn von Hexen bis aufs Blut gequält informiert uns ein kurzer Text, dass die Hexenverfolgung eines der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte („blackest pages of men“) darstellt und Millionen Menschen das Leben kostete. Auch wenn diese Schätzungen weit übertrieben sind, ist es jedoch erwiesen, dass es allein in Europa etwa 40.000 bis 60.000 Hinrichtungen gab und zwischen 80.000 und 100.000 Prozesse geführt wurden. Regisseur Michael Armstrong setzte sich in der Vorbereitung auf die Dreharbeiten unter anderem mit Anklageschriften dieser Zeit auseinander und verfolgte einen eher realistischen Ansatz – was zu Konflikten mit Produzent Adrian Hoven führte, der kurzerhand viele Nachdrehs beorderte. Aufgrund der sehr drastischen Gewalt- und Folterszenen geriet Hexen bis aufs Blut gequält in den Fokus von Zensurbehörden, wurde in Deutschland indiziert und in Großbritannien gar als „video nasty“ geführt. Unabhängig davon, ob man Hexen bis aufs Blut gequält als Exploitation betrachtet oder den realistischen Ansatz Armstrongs hervorhebt, ist der Film in vielerlei Hinsicht beachtlich und verlangt eine genauere Betrachtung.

Betrachten wir zunächst den „Exploitation-Aspekt“ von Hexen bis aufs Blut gequält. Wie im bereits erwähnten Eingangstext des Filmes erklärt, vermischt die Geschichte drei Fälle miteinander. Neben der Hauptgeschichte um Christian, Vanessa und Cumberland gibt es den Fall des Baron Daume (Michael Maien), der seine Besitztümer nicht an die Kirche abtreten will und daher ins Visier der Inquisitoren gerät. Gaby Fuchs spielt Deidre von Bergenstein, die beschuldigt wird, Geschlechtsverkehr mit dem Teufel persönlich gehabt zu haben. Alle Figuren erleiden schreckliche Qualen und müssen diverse Foltern über sich ergehen lassen, die teils in blutigen und quälend langen Details gezeigt werden. Bei Deidre und Daume kommt hinzu, dass wir ihre Körper in verschiedenen Stadien sehen, sodass das physische Ausmaß der Folter sowie die psychologischen Folgen deutlich werden.

Auch wenn man eine gewisse Schaulust nicht abstreiten kann, gehen diese Momente bisweilen darüber hinaus, wenn der Körper als Sinnbild einer Gesellschaft gezeigt wird, in der Gewalt ein Symptom von Angst, Missgunst und vor allem Korruption ist. Dem Zuschauer wird der „Unterhaltungsfaktor“ der Gewalt verwehrt – sie erscheint vielmehr grundlos, absurd und gerade deswegen unerträglich. Selbst das Geständnis vor Gericht bringt keinerlei Erlösung von den Qualen, denn am Ende steht der Scheiterhaufen sowie eine Menge Schaulustiger, die das Spektakel bestaunen und es tatsächlich als reine Unterhaltung sehen. Dabei steht es sinnbildlich für ein System, das Jagd auf Menschen macht.

„Bring mir ein Geständnis!“

Gemeinhin wird die Zeit der Hexenverbrennungen mit dem Bild des „finsteren Mittelalters“ verbunden, was ein Klischee ist und darüber hinaus falsch. Hexen bis aufs Blut gequält macht überdeutlich, dass wir uns in der frühen Neuzeit befinden und Faktoren wie Bildung, Aberglaube und menschliches Fehlverhalten eine Rolle dabei spielen, dass Menschen einander denunzieren. Als Albinos Männer einem Kind nach Hause folgen, werden sie Zeuge eines Marionettentheaters. Die Spieler erzeugen so glaubwürdig die Illusion, dass die Puppen sprechen, dass sie selbst zu Opfern der Hexenverfolgung werden, wobei jeder Versuch der Verteidigung sie nur noch mehr in die Bredouille bringt. Während vergleichbare Filme über die Hexenverfolgung den sexuellen Aspekt in den Vordergrund stellen und die Inquisitoren als Metaphern des Patriarchats deuten, interessiert sich Hexen bis aufs Blut gequält beispielsweise für die Symptome, die zur Verschlimmerung dieser Entwicklung beitrugen.

Die hanebüchene Absurdität dieser wie auch anderer Szenen mag Teil der erwähnten realistischen Herangehensweise Armstrongs gewesen sein. Sie hebt Hexen bis aufs Blut gequält über den „reinen“ Exploitationfilm hinaus und erscheint in einer Welt, in der „fake news“ und „deep fakes“ zu Falschverurteilungen und Hetzerei führen, überraschend zeitlos.

Hinzu kommt das – wenn auch für die Inszenierung reduzierte – Verständnis der Rechtsprechung um 1700. Die Umstände sind vergleichbar mit jenen, die zum Beispiel Heinrich von Kleist in Der zerbrochene Krug aufzeigt. Albino, der noch nicht einmal lesen und schreiben kann, war es bis zur Ankunft Cumberlands und de Merons nach eigenem Ermessen, zur eigenen Lustbefriedigung oder aus Geldgier möglich, zu handeln. Lange wird der Zuschauer im Glauben gelassen, mit der Ankunft von Herbert Loms Cumberland würde sich dies ändern, jedoch wird es noch schlimmer.

Lom spielt Cumberland als einen Machtmenschen, der Brutalität und Autorität mit Prinzipientreue und Integrität verwechselt. Er verkörpert den Inquisitor als unberechenbaren, charismatischen Richter, der keinen Hehl daraus macht, dass in seiner Welt die Gewalt jeden treffen kann, was sich natürlich als selbsterfüllende Prophezeiung herausstellt. Die nächste Generation, verkörpert durch Kier und Vučo, wird lange brauchen, um gegen dieses System anzukommen – oder sie muss Teil davon werden.

Credits

OT: Hexen bis aufs Blut gequält
Land:
Deutschland
Jahr:
1970
Regie:
Michael Armstrong, Adrian Hoven
Drehbuch: Michael Armstrong, Adrian Hoven
Kamera: Ernst W. Kalinke
Musik: Michael Holm
Besetzung: Herbert Lom, Udo Kier, Olivera Vučo, Herbert Fux, Michael Maien, Ingeborg Schoener, Gabuy Fuchs, Johannes Buzalski, Reggie Nalder

Bilder

Trailer

Filmfeste

Fantasia International Film Festival 1999

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Hexen bis aufs Blut gequält
fazit
„Hexen bis aufs Blut gequält“ ist ein Exploitationfilm, der eindringlich von einem System erzählt, in dem es keine Sicherheiten mehr gibt und jeder Opfer der Gewalt werden kann. Michael Armstrong und Adrian Hoven gelingt ein Film, der eine Zeit der Angst und Willkür beschreibt, in der Triebbefriedigung und die Gier der Mächtigen über das Los vieler Menschen entscheiden. Besonders beachtlich ist, wie ungemein aktuell viele der Themen und Figuren noch heute wirken.
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