
Klara (Jenna Ortega) ist ein artifizieller Freund. Eine künstliche Intelligenz im Körper einer Puppe, deren programmiertes Ziel es ist, der beste Freund ihres zukünftigen Menschen zu werden. Allerdings ist sie ein Auslaufmodell. Die neueren Versionen sind ihr technisch überlegen und sie droht, unverkauft zu bleiben und für Ersatzteile ausgeschlachtet zu werden. Entgegen allen Erwartungen entscheidet sich jedoch Josie (Mia Tharia), sie zu kaufen und mit auf ihre Farm zu nehmen. Klaras neues Leben als beste Freundin ist jedoch von Beginn an bedroht, da sie sich nicht nur ihrem neuen Umfeld anpassen muss, sondern auch die Skepsis von Josies Mutter (Amy Adams) und der Haushälterin (Rachel House) entkräften muss.
Sonnige Aussichten für KI?
Klara und die Sonne ist Taika Waititis Adaption des gleichnamigen Romans aus dem Jahr 2021 von Autor Kazuo Ishiguro (A Pale View of Hills, Alles, was wir geben mussten). Während die kritische Betrachtung künstlicher Intelligenz unter anderem durch Steven Spielberg bereits Anfang der 2000er filmisch aufgearbeitet wurde, sind dieser technologische Fortschritt und potenzielle Risiken längst in der Realität angekommen. Statt dystopischer Schwarzmalerei versucht sich Waititi an einer optimistischeren, fokussierteren und weniger wertenden Darstellung einer möglichen nahen Zukunft.
Homo Sapiens 2.0
Klaras und Josies Geschichte hingegen spielt in einer nicht näher bestimmten Zukunft nach einem dritten Weltkrieg. Fortschritt besteht weiterhin, das Internet ist jedoch abgeschaltet. Dieses Szenario technischer Ungleichzeitigkeit ermöglicht Taika Waititi narrative Freiheiten, die sein streckenweise stark konstruiertes Drehbuch stützen. Klara und die Sonne dreht sich um die zentrale Frage, zu wie viel Menschlichkeit eine Maschine fähig ist und ob Empathie der bestimmende Faktor dafür ist, ein Mensch zu sein. An Letzterer fehlt es den Personen in Klara und die Sonne zunehmend. Josie ist ein „lifted“ Kind, ihre Intelligenz ist durch einen gentechnischen Eingriff massiv künstlich gesteigert. Ihre Mutter ist distanziert und kalt, hadernd mit Schuldgefühlen und dem Verlust ihres Ehemanns und ihrer ältesten Tochter, Josies Schwester. Die Haushälterin sieht ihre Position durch die neue mechanisierte Mitbewohnerin ebenfalls bedroht.
Klara hingegen sind Emotionen wie Skepsis, Neid oder Hass so unbekannt wie die Gepflogenheiten und die Natur der echten Welt. Ihr einziges Ziel ist es, eine gute Freundin für Josie zu werden und ihr Umfeld kennenzulernen und zu verstehen. Klara und die Sonne besticht während der ersten Hälfte durch den Charme Klaras kindlicher Naivität und ihres Fortschritts. Während Mia Tharia als Josie schauspielerisch blass bleibt, ist es die Dynamik zwischen Jenna Ortega und Amy Adams, welche Zuschauern eine emotionale Bindung zu Klara ermöglicht. Obwohl Taika Waititi sein Ziel einer Vermenschlichung der Maschine erreicht, verirrt sich Klara und die Sonne ab der zweiten Hälfte in der Inkonsequenz seines Leitmotivs. Mit dem Verlust seiner Leichtigkeit verliert sich der Film gleichermaßen in Widersprüchen. Auf erzählerischer wie thematischer Ebene vermittelt Waititi, dass künstliche Intelligenz nicht menschlich ist und vor allem keinen Menschen ersetzen kann. Gleichzeitig verlässt er sich für Emotionalität rein auf Klara und Jenna Ortegas Darstellung. Andere Motive wie Verlust, Trauer, Vertrauen und Weiterentwicklung werden zwar erneut aufgegriffen, allerdings stets nur oberflächlich abgehandelt. Erzählerische Elemente wie Klaras Anbetung der Sonne und ein Verweis auf Techno-Feudalismus bleiben gleichermaßen unausgereift und werden letztlich zu bloßen Humorversuchen degradiert.
Lebendige Bilder und blasse Figuren
Zu Beginn funktioniert Waititis Inszenierung durch warme Farben und fröhliche Musik und Soundgestaltung als Untermalung von Klaras Verbindung zur Sonne sowie ihres kindlich naiven Gemüts. Im Verlauf des Films vermitteln diese Stilmittel allerdings eine Überdeutlichkeit und versuchen, eine Emotionalität vorzugeben, die auf der erzählerischen Ebene nicht durchgängig eingelöst werden kann. Trotz tragender schauspielerischer Leistungen bleiben Jenna Ortega und Amy Adams durch das Drehbuch limitiert, während der Rest des Ensembles unauffällig oder kaum genutzt bleibt.
OT: „Klara and the Sun“
Land: UK, Indien, USA, Neuseeland
Jahr: 2026
Regie: Taika Waititi
Drehbuch: Taika Waititi, Dahvi Waller
Vorlage: Kazuo Ishiguro
Musik: Michael Giacchino
Kamera: Mike Berlucchi
Besetzung: Jenna Ortega, Amy Adams, Mia Tharia, Aran Murphy, Steve Buscemi, Natasha Lyonne, Rachel House, Jesse Griffin, Molly Curnow, Harry Greenwood
Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.
(Anzeige)










