
Viele Jahre ist Geologin Ina Sedlitz (Jördis Triebel) nicht mehr in der Heimat gewesen. Tatsächlich vermisst hat sie diese auch nicht. Wenn es nach ihr ginge, wäre sie fortgeblieben. Wenn sie doch zurückgekehrt ist, dann nur, um ihren Anteil am Familienhotel ihrer Nichte Mara Nehls (Lucy Gartner) zu übertragen. Danach will sie wieder fort und endgültig alles hinter sich lassen. Aber es kommt anders. Denn als sie ein geologisches Gutachten für den künstlich angelegten See erstellt, macht sie einige beunruhigende Beobachtungen. Ihr Vater Walter (Jörg Schüttauf), der als Bürgermeister aus dem ehemaligen Braunkohlerevier einen Tourismusort gemacht hat, will davon aber nichts hören, würde das doch dem Image und dem Geschäft schaden. Und das ist nicht das einzige Geheimnis, das er hütet …
Weg aus der Vergangenheit
Es gehört zu den in Filmen immer wieder beliebten Szenarien: Die Hauptfigur kehrt in ihre Heimat zurück und muss sich dort ihrer Vergangenheit stellen. Der Anlass für eine solche Rückkehr kann dabei sehr unterschiedlich sein. Hoch im Kurs stehen dabei Todesfälle wie etwa bei Manchester by the Sea oder Sechswochenamt. Auch Feierlichkeiten wie Geburtstage können am Anfang dieser Reise stehen. Insofern fällt Neues Land aus dem Rahmen. Nicht nur, dass es hier um eine geschäftliche Angelegenheit geht, wenn die Protagonistin ihr Erbe übertragen will. Sie kehrt zudem zurück, um explizit die Vergangenheit hinter sich zu lassen, da sie mit dieser nichts zu tun haben will. Und sie will auch nichts mit den Menschen zu tun haben, die sie mit dieser Vergangenheit verbindet.
Als Zuschauer bzw. Zuschauerin darf man dabei stutzig sein. So macht der Film zwar klar, dass da irgendetwas gewesen sein muss, was das distanzierte Verhalten von Ina erklärt. Was das genau ist, wird jedoch nicht verraten. Ein bisschen weckt Neues Land auf diese Weise Neugierde, weil man sich eben fragt, worum es denn genau geht. Da der Sendeplatz am Montagabend zur Hauptsendezeit ist, wenn das ZDF sonst Krimireihen wie Nord Nord Mord oder Sarah Kohr zeigt, liegt der Verdacht nahe, dass es sich auch hier um einen Genrebeitrag dreht, bei dem irgendwelche Verbrechen aufgeklärt werden müssen. Tatsächlich gibt es auch schmutzige Geheimnisse, die nach und nach abgetragen werden. Und doch sollte man hier keinen Krimi erwarten. Es geht nicht so wirklich um den Mystery-Aspekt, selbst wenn dieser zweifelsfrei vorhanden ist.
Zwischen nichtssagend und schockierend
Stattdessen handelt es sich in erster Linie um ein Drama, welches zwei große Themen behandelt. Da ist auf der einen Seite die Familie, bei der wie oben beschrieben einiges im Argen liegt. Gerade auch das Verhältnis zwischen Vater und Tochter ist frostig, während die zwei Frauen nach und nach etwas zusammenwachsen. Neues Land ist zugleich aber auch das Porträt einer Region im Wandel. Das ist zweifelsfrei ein wichtiges Thema, welches in den letzten Jahren auch mehrfach in Filmen aufgegriffen wurde, seien es fiktionale oder dokumentarische. Schließlich gibt es mehrere Gegenden in Deutschland, die einen solchen Wandel durchmachen. Der Film hat dadurch auch eine gesellschaftliche Note, wenn es um die Frage geht, wie trotz wegsterbender wirtschaftlicher Grundlagen eine Zukunft gefunden werden kann.
Das klingt erst einmal alles ganz vielversprechend. Und doch ist das TV-Drama, das 2026 auf dem Filmfest München Premiere feierte, kein sonderlich interessanter Film geworden. Das liegt zum einen an den Figuren. Zwar ist Jörg Schüttauf für die Figur des Oberhaupts und des Bürgermeisters, der alles für das Image der Gemeinde tut, eine naheliegende Besetzung. Aber auch er schafft es nicht, aus dem Charakter mehr zu machen als ein Stereotyp. Die meisten anderen Figuren in dem Film haben nicht einmal eine Persönlichkeit. So ist Tom Nehls (Ronald Zehrfeld), der Vater von Mara, einfach nur da. Am ehesten fällt noch Ina durch eine gewisse Ambivalenz auf. Viel draus gemacht wird aber nicht, ebenso wenig aus dem Thema des Wandels. Die Auflösung schockiert schon. Ansonsten bleibt aber nicht sehr viel von Neues Land hängen.
OT: „Neues Land“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Esther Rauch
Drehbuch: Khyana el Bitar, Dörte Franke
Musik: Philipp E. Kümpel, Andreas Moisa
Kamera: Mario Minichmayr
Besetzung: Jördis Triebel, Jörg Schüttauf, Lucy Gartner, Ronald Zehrfeld, Naemi Florez, Thomas Dehler
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