
Seit vielen Jahren schon arbeiten die CIA-Agenten Chris (John Malkovich) und Lee (Sam Rockwell) zusammen, haben im Laufe der Zeit so manche Gefahr durchgestanden – und zahlreiche Leute getötet. Während sich der Geheimdienst darauf vorbereitet, im September 1973 den demokratisch gewählten Präsidenten von Chile zu stürzen und durch einen Diktator zu ersetzen, steht aber erst einmal eine Reise auf die Osterinsel an. Doch schon auf dem Weg dorthin droht Ärger. Chris, der unheilbar an Krebs erkrankt ist und auch geistig immer stärker abbaut, erzählt offen den Studentinnen Monica (Mariana di Girolamo) und Alicia (Ailín Salas), was die USA vorhaben. MJ (Steve Buscemi), der Vorgesetzte der beiden Agenten, ist außer sich vor Wut und drängt Lee dazu, ein Auge auf seinen Kollegen zu haben und sämtliches kompromittierendes Material verschwinden zu lassen …
Schwarzhumoriges Highlight
Bei Martin McDonagh muss man immer ein wenig Geduld haben. So liegen immer vier bis fünf Jahre zwischen den Filmen des irischen Regisseurs und Autors. Zuletzt erzählte er 2022 in The Banshees of Inisherin von einer auseinanderbrechenden Männerfreundschaft auf einer kleinen Insel. Davor handelte sein bislang erfolgreichstes Werk Three Billboards Outside Ebbing, Missouri (2017) von einer Frau, die darauf drängt, dass endlich der Mord an ihrer Tochter aufgeklärt wird. Mit Wild Horse Nine meldet sich McDonagh nun zurück und stellt damit seinen bislang fünften Langfilm vor. Die Wartezeit hat sich gelohnt, denn auch wenn einem einiges bekannt vorkommt und man hier und da das Gefühl hat, dass der Filmemacher es sich ein bisschen zu bequem macht, ist doch auch sein neuestes Werk ein Highlight geworden.
So geht es richtig unterhaltsam los, wenn sich die beiden Protagonisten am Flughafen über die Arbeit unterhalten und über den Boss lästern. Auch später gefällt der Film durch seine bissigen Dialoge, wenn die zwei Agenten durch die jahrelange Arbeit in diesem Metier zu Zynikern geworden sind und sich nicht dafür zu schade sind, selbst Morde irgendwie witzig zu finden. McDonagh demonstriert in Wild Horse Nine seine bekannte Vorliebe für schwarzen Humor, den er bereits in Billboards, aber auch 7 Psychos (2012) gezeigt hat. Sam Rockwell, mit dem er hier schon zum dritten Mal zusammenarbeitet, war eine ebenso naheliegende wie überzeugende Wahl für den jüngeren Kollegen. Er spielt seinen zwar professioneller, aber durchaus nicht gefühlslos agierenden Agenten mit viel Routine. Die größere Überraschung ist da schon John Malkovich, der in den letzten Jahren nicht immer eine glückliche Hand hatte bei der Rollenauswahl, hier aber als loose cannon zur Hochform aufläuft.
Seltsam unentschlossen
Die schauspielerische Klasse zahlt sich gerade auch in der zweiten Hälfte aus, wenn der Film sich in eine etwas andere Richtung weiterentwickelt. War der Film zunächst primär eine Komödie, irgendwo zwischen böser Satire und Farce, nehmen später die nachdenklichen Töne zu. Das hängt maßgeblich mit Chris zusammen, der angesichts seines nahenden Todes immer wieder über die Vergangenheit nachdenkt. Und auch die nicht immer einfache Beziehung zwischen den beiden Männern sorgt dafür, dass die Geschichte immer menschlicher wird. Gleichzeitig nehmen in Wild Horse Nine die Thrillerelemente zu. Auch für ein bisschen Mystery ist noch Platz, wenn der Film ähnlich zu Memento seinerzeit Zweifel an den Figuren weckt.
Das sorgt für Abwechslung, ist zugleich aber auch ein kleines Manko. Sicher, tonale Schwankungen gehören bei McDonagh dazu, der Filmemacher mag sich da nicht so gern festlegen. Die Thrillerkomödie, die im Wettbewerb von Venedig 2026 Weltpremiere hatte, wirkt jedoch unentschlossener als vorangegangene Werke. So als habe er mehrere Filme geplant und dann kurzfristig entschieden, sie alle auf einmal zu drehen. Das führt dann auch dazu, dass manche Themen nur angeschnitten werden, obwohl man gern mehr über sie erfahren hätte. Aber selbst wenn diese Mischung weniger stimmig ist, als man sich das vielleicht gewünscht hätte, ist Wild Horse Nine doch noch immer absolut sehenswert – und trotz seines historischen Settings auch erschreckend aktuell.
OT: „Wild Horse Nine“
Land: UK, USA, Chile
Jahr: 2026
Regie: Martin McDonagh
Drehbuch: Martin McDonagh
Musik: Carter Burwell
Kamera: Ben Davis
Besetzung: John Malkovich, Sam Rockwell, Steve Buscemi, Tom Waits, Parker Posey, Mariana Di Girolama, Ailín Salas
Venedig 2026
Toronto International Film Festival 2026
Filmfest Hamburg 2026
Zurich Film Festival 2026
San Sebastian 2026
BFI London Film Festival 2026
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