
Sophie (Julia Koschitz) und Thies Buchholz (Mark Waschke), Bodo Herzog (Hans Löw) und Inga Volkmann (Anna Schudt) sind seit vielen Jahren schon eng miteinander befreundet. Sie sind eine eingeschworene Clique, die sich ihren Traum einer Hausgemeinschaft verwirklich hat. Das könnte alles so schön sein, wäre da nicht Aaron (Sammy Schrein), der Sohn von Sophie und Thies. Immer wieder macht der zwölfjährige Ärger und bringt damit nicht nur seine Eltern gegen sich auf, sondern auch Lasse (Jona Levin Nicolai) und Jella (Cäcilia Kirchner), die Kinder des anderen Paares. Als der Junge eines Tages verschwindet, droht die Situation endgültig zu eskalieren, weil sich die übrigen plötzlich mit ihren Gefühlen und Beziehungen auseinandersetzen müssen …
Der Stress hinter der Harmonie
Normalerweise ist der Montagabend im ZDF Krimis vorbehalten, zuletzt liefen da Titel wie Sarah Kohr: Drecksarbeit und Nord Nord Mord: Sievers und der Gesang der Wale – die neuesten Teile der üblichen Verdächtigen. Und so war es dann naheliegend, auch bei Das verschwundene Kind einen eben solchen Genrebeitrag zu erwarten. Zumal das Szenario für einen solchen wie gemacht ist. Wenn ein Kind vermisst wird, dann liegt da normalerweise ein Verbrechen vor, was es natürlich aufzuklären gibt. Beispiele dafür gibt es mehr als genug. Bei der britischen Krimiserie Under Salt Marsh – Tod in den Salzwiesen, welche in dem Sender am Tag davor zu sehen war, gibt es eben einen solchen Vermisstenfall, der anlässlich eines Mordes neu aufgerollt wird. Hier läuft das jedoch anders ab.
Zwar wird auch hier der titelgebende Junge gesucht, verständlicherweise. Der Film, der auf Motiven des Romans Unter Wasser Nacht von Kristina Hauff basiert, macht dies jedoch nicht zum Mittelpunkt des Geschehens. Stattdessen ist der Vorfall in Das verschwundene Kind nur der Katalysator, um Bewegung in die Figurenkonstellation zu bringen. Vor allem wird auf diese Weise mehr über diese vier Menschen erzählt, über ihre jeweiligen Verhältnisse untereinander, aber auch die Lebenssituationen. Dabei wird schnell klar, dass das alles nicht so harmonisch ist, wie es der erste Blick vermuten lässt. Man hat es sich zwar schön zurechtgemacht in einer idyllischen Gegend, trifft sich mit anderen, um zusammen zu feiern. Aber das ist wie so oft nicht die ganze Wahrheit.
Nicht viel zu sagen
Das klingt wie eine dieser Seifenoper-Mischungen aus Drama und Thriller, wo ganz explizit mit dem Kontrast zwischen heiler Fassade und hässlichem Abgrund gespielt wird. Ganz so extrem wie dort wird es aber nicht. Stattdessen handelt es sich bei Das verschwundene Kind um einen eigentlich ganz ruhigen Film, der sich viel Zeit nimmt, um seine Geschichte zu erzählen. Das ist erst einmal nicht verwerflich, es darf ja mal auch etwas gemächlicher werden. Das Problem ist vielmehr, dass hier nicht wirklich viel Interessantes erzählt wird. Spät gibt es eine Wendung, die manches in einem anderen Licht erscheinen lässt. Das allein ist aber zu wenig, um einen ganzen Film zu rechtfertigen. Denn so spannend ist die Enthüllung dann auch wieder nicht.
Das ist schade, weil der Film, der 2025 auf dem Filmfest München Premiere feierte und anschließend anderthalb Jahre auf seine TV-Ausstrahlung warten musste, mit einem illustren Ensemble angeben kann. Zumindest die beiden Paare wurden prominent besetzt. Aber auch diesen versierten Schauspielern und Schauspielerinnen gelingt es nicht so wirklich, aus ihren Rollen etwas herauszuholen. Am Ende von Das verschwundene Kind wird nicht so recht klar, warum man sich das anschauen sollte. Die eine oder andere interessante Frage wird zwar schon gestellt. Außerdem ist das Thema eines Problemkinds, mit dem niemand fertig wird und bei dem man sich fragen darf, ob man es unbedingt zurück will, eines, über das man durchaus mal sprechen könnte. Dafür geht es hier aber nicht weit genug, weshalb dann doch nur ein Achselzucken zurückbleibt.
OT: „Das verschwundene Kind“
Land: Deutschland
Jahr: 2025
Regie: Sabine Bernardi
Drehbuch: Silke Zertz
Vorlage: Kristina Hauff
Musik: Richard Ruzicka
Kamera: Moritz Schultheiß
Besetzung: Julia Koschitz, Mark Waschke, Anna Schudt, Hans Löw, Sammy Schrein, Jona Levin Nicolai, Cäcilia Kirchner, Ulrike Johannson, Oliver Törner
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