Whalefall
Austin Abrams als vom Wal verschluckter Taucher Jay in "Whalefall" (© 20th Century Studios)

Austin Abrams [Interview]

Die biblische Geschichte um Jonas, der im Magen eines Wals landet, ist den meisten natürlich bekannt. Was aber, wenn tatsächlich jemand ein solches Schicksal erwarten würde? Von einem solchen Szenario erzählte Daniel Kraus 2023 in seinem Roman Whalefall. Das klingt absurd, wird in der gleichnamigen Adaption aber zu einem klaustrophobischen Survivalthriller über einen jungen Mann namens Jay, der sich tief unter der Wasseroberfläche seinen eigenen Abgründen stellen muss – und seinem verstorbenen Vater, zu dem er ein schwieriges Verhältnis hatte.

Austin Abrams, der mit Weapons – Die Stunde des Verschwindens und dem kürzlich gestarteten Resident Evil bereits seine Vorliebe für düstere Genrebeiträge bewiesen hat, darf in dieser One-Man-Show zeigen, dass er auch ganz allein einen Film tragen kann. Wir haben uns mit Austin im Vorfeld des Kinostarts am 15. Oktober 2026 unterhalten können. Im Interview spricht er über die Herausforderungen der Dreharbeiten, sein Verhältnis zum Meer und was einen guten Vater auszeichnet.

In Whalefall spielst du jemanden, der von einem Wal verschluckt wird. Was hat dich an dem Film gereizt?

Das klang einfach absolut verrückt. Ich wusste nicht, wie wir so etwas drehen sollen. Ich wusste nicht, wie ich das spielen soll. Und das hat mir gefallen. Es gibt so viele Filme, bei denen du das Gefühl hast, sie schon einmal gesehen haben, wieder und wieder. Hier ist das anders. Die Geschichte ist einzigartig, gleichzeitig groß und mythisch und doch auch intim.

Dann lass uns über deine Figur sprechen. Wer ist Jay? Wie würdest du ihn beschreiben?

Jay macht eine schwierige Zeit durch, weil er seinen Vater verloren hat. Sein Vater hatte Krebs, hat sich aber das Leben genommen, bevor es zu Ende ging. Die beiden hatten kein gutes Verhältnis, sie haben vor dem Tod auch nicht mehr miteinander gesprochen. Jay hat das Gefühl, ihn nicht wirklich kennengelernt zu haben. Und dass sein Vater ihn auch nicht kannte. Jay trauert deshalb nicht nur um seinen Vater, sondern auch darum, wie die Beziehung hätte sein können. Und er fühlt sich schuldig, will er nicht wirklich für seine Mutter und seine Schwestern da war. Das ist der Zeitpunkt, an dem wir ihn kennenlernen: ein junger Mann, der voller Trauer und Schuldgefühle ist.

Du hast die schwierige Beziehung zwischen den beiden erwähnt. Wie würde eine gute Beziehung aussehen? Was macht für dich einen guten Vater aus?

Das ist eine schwierige Frage. Ich kenne Leute, die selbst gerade Vater geworden sind und sich diese Frage stellen. Natürlich musst du als Vater deinem Kind einiges beibringen und ihn vorbereiten. Du musst ein Vorbild sein, an dem sich das Kind orientieren kann, die beste Version von dir selbst, die du sein kannst. Aber ich glaube, ein ebenso wichtiger Teil ist, deinem Kind die Chance zu geben, der Mensch zu sein, der es selbst sein will.

Während Jay ums Überleben kämpft, denkt er viel über das nach, was sein Vater zu ihm gesagt hat. Was hat er deiner Meinung nach von seinem Vater gelernt?

Er hat ihm sicherlich vieles beigebracht, was Werkzeuge angeht oder wie er richtig atmet. Und das hilft ihm, wenn er improvisieren muss mit dem, was er im Wal findet. So ein Wal verschluckt sehr viel, Sachen aus Plastik zum Beispiel. Jay würde ohne dieses Wissen nicht in dieser Situation überleben. Neben diesem technischen Aspekt hat Jay sicherlich aber auch Willensstärke von seinem Vater mitbekommen. Jay hat sich selbst immer für schwach gehalten, auch weil er glaubt, dass sein Vater ihn für schwach hielt. Als er im Magen feststeckt, merkt er aber, dass er viel stärker ist, als er dachte.

Eine ganz andere Frage: Wie war es für dich, diesen Film zu drehen? Das sieht schon alles sehr klaustrophobisch aus.

Das war es auch, sehr klaustrophobisch sogar. Sie haben extra für diesen Film Mägen gebaut. Und das auch wirklich komplett, nicht nur von der Seite oder so. Und darin haben wir gedreht. Das war schon sehr abenteuerlich, auch weil sich so ein Magen ständig zusammenzieht und wieder weiter wird. Ein Wal kaut ja nicht mit seinem Mund. Er schluckt alles und der Magen kümmert sich dann darum. Du kannst so einen Film nicht drehen, wenn du klaustrophobisch bist. Das Team musste dabei einen Weg finden, wie es die Kamera mit mir reinbringen konnte, weil da so wenig Platz war. Es hat dabei alles Mögliche gemacht. Zum Beispiel verwendete es eine Kamera, die ich so noch nie gesehen hatte und die im Grunde wie ein Schlauch war.

In Filmen spielst du normalerweise mit anderen Schauspielern und Schauspielerinnen. Wie war es für dich, in Whalefall praktisch die ganze Zeit allein zu sein und nur mit dir selbst zu spielen?

Das war schon verrückt! Und am Anfang auch ziemlich einschüchternd. Du brauchst natürlich immer viel Vorstellungskraft als Schauspieler. Das gehört zu dem Beruf dazu. Hier war das aber noch extremer. Du musst quasi selbst Energie erzeugen, weil du niemanden hast, mit dem du arbeiten und dem du die Bälle zuspielen kannst. Das war schon furchterregend.

In deinen Filmen bist du oft in ziemlich bizarren Situationen, die du so im wahren Leben wohl nie erleben wirst. Glaubst du, dass es dir im wahren Leben hilft, in schwierigen Situationen klarzukommen, nachdem du dir so viel vorstellen musstest?

Das weiß ich nicht. Man hat mich bei Resident Evil kürzlich gefragt, ob ich eine Zombie-Apokalypse überleben würde. Es kann schon sein, dass ich mich besser durchschlagen würde, nachdem ich den Film gemacht habe, weil ich in einigen Zombie-Situationen gewesen bin. Andererseits ist meine Figur in The Walking Dead gestorben. Davon habe ich also eher nicht so viel fürs Überleben gelernt. Aber es kann schon sein, dass diese ganzen verrückten Sachen doch irgendwo hängengeblieben sind und mein Instinkt erwachen würde, wenn ich in eine solche Situation gerate.

Letzte Frage; Dein Film spielt zum Großteil unter Wasser. Hat sich durch Whalefall deine Einstellung zum Meer verändert?

Ja, hat sie. Ich fühle mich dem Meer jetzt schon näher und kann es deutlich mehr wertschätzen. Und ich weiß nicht, ob du schon mal Gerätetauchen versucht hast, aber das ist schon ziemlich verrückt da unten. Es fühlte sich für mich so an, als würde ich ins Weltall gehen. Als man mir den Film vorgestellt hat, verglich man ihn mit Gravity. Und da sind schon Gemeinsamkeiten. Du siehst da unten schon die Wasseroberfläche, aber du kannst nicht einfach hingehen, weil dein Körper das nicht mitmacht. Das war eine ganz besondere Erfahrung!

Vielen Dank für das Interview!



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