© Karin Kaper Film

La Graciosa – Kanarische Träume

„La Graciosa – Kanarische Träume“ // Deutschland-Start: 15. Oktober 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Wenn wir von Urlaub sprechen, assoziieren wir damit Strände, fremde Länder und Menschen sowie natürlich Erholung. Je nachdem, wohin wir reisen, bedeutet dies jedoch auch Massentourismus, Lärm und keineswegs jene Erholung, die man sich sehnlichst wünscht. Gerade diese zu finden, fällt aber immer schwerer, denn mittlerweile sind selbst ehemals touristisch unerschlossene Regionen und Kulturen zu Orten geworden, die von Souvenirständen, Hotelketten und All-inclusive-Angeboten geprägt sind. Diesen einen unberührten Platz zu finden, den noch niemand (oder nur wenige) entdeckt hat, wird zu einer wahren Herausforderung – doch gerade dies ist meist der Beginn jener bereits erwähnten touristischen Erschließung. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht wirklich, wenn beispielsweise die Einheimischen auf Mallorca oder Ibiza nicht mehr besonders gut auf Touristen zu sprechen sind – insbesondere angesichts der Spuren, die der Tourismus in ihrem Leben hinterlässt. Doch ist dieser Prozess erst einmal in Gang gesetzt worden, lässt er sich nur schwer wieder aufhalten.

Ein Beispiel für diesen Prozess ist La Graciosa, eine kleine Insel vor Lanzarote. Erst seit 2018 wird sie als achte bewohnte Insel der Kanaren anerkannt, doch Karin Kaper und Dirk Szuszies (Walter Kaufmann – Welch ein Leben!) kennen die Insel, ihre Kultur und ihre Bewohner schon viel länger. Bereits 1994 setzten die beiden Filmschaffenden zum ersten Mal von Lanzarote nach La Graciosa über und sind seitdem von der Insel fasziniert. Ein Urlaub war damals noch etwas beschwerlich, weil man beispielsweise selbst für frisches Wasser in der Unterkunft sorgen musste. Dafür entschädigten jedoch die Landschaft der Insel und die Tatsache, dass man dort – wie Kaper und Szuszies erklären – noch wirklich abschalten und das stressige Leben in Berlin, ihrer Heimat, hinter sich lassen konnte. Über die Jahre kehrten sie immer wieder nach La Graciosa zurück, und obwohl ihre Beziehung zur Insel immer intensiver wurde, bemerkten sie auch die schleichenden Veränderungen durch den stetig zunehmenden Tourismus.

Ihre Dokumentation La Graciosa – Kanarische Träume zeichnet ein Bild dieses Ortes und der Veränderungen, die er durchmacht, zeigt aber auch, warum er für so viele Menschen zu einem Zufluchtsort oder einer zweiten Heimat geworden ist. Der Film präsentiert die verschiedenen Gesichter der Insel, ihre Bewohner und die bezaubernde Landschaft und zeigt, wie die Diskussion um deren Schutz zunehmend einen Keil zwischen die Inselbewohner treibt. La Graciosa ist daher ein Film über unsere Vorstellungen von Heimat, über die Erschließung eines Ortes und seiner Kultur, aber ebenso das Porträt einer Insel, die sich in den nächsten Jahren sicherlich noch weiter verändern wird.

Wem gehört die Heimat?

Die Playa Lambra ist einer der bekanntesten Strände auf La Graciosa. Der Naturstrand an der Nordküste gehört für Karin Kaper und Dirk Szuszies zum festen Bestandteil eines jeden Besuchs auf der Insel und gilt für die Insulaner als einer von vielen identitätsstiftenden Orten ihrer Heimat. Durch den Tourismus, insbesondere die zahlreichen organisierten Safaris, stellt sich jedoch die Frage nach dem Schutz von Orten wie der Playa Lambra. Im Zuge einer Baumaßnahme wurde das Betreten des Strandes stark eingeschränkt, was vor allem bei den Inselbewohnern für große Proteste sorgte. Ein Bewohner erklärt vor der Kamera, es fühle sich an, als würde ihm und den anderen Insulanern ein Teil ihrer Heimat weggenommen.

Ein anderes Gesicht dieses Wandels ist ein Mann, der seit noch nicht allzu langer Zeit Überfahrten nach La Graciosa anbietet. Sein Geschäft läuft recht gut, und er blickt vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Ein anderer Mann aus Barcelona, der seit vielen Jahren fest auf der Insel lebt und nur noch einmal im Monat in seine andere Heimat zurückkehrt, sieht La Graciosa als seine Heimat, die ihm Liebe, ein neues Leben und eine neue Identität geschenkt hat. Langsam, aber sicher erholt er sich von einem Schicksalsschlag und hofft, eines Tages wieder an jene frühere Zeit anknüpfen zu können.

La Graciosa zeigt die verschiedenen Facetten der Insel, die einen eigenen Mikrokosmos bildet. Die Dokumentation lediglich als Film über die durch den Tourismus hervorgerufenen Veränderungen zu betrachten, würde ignorieren, dass sie zugleich ein Porträt dieses Ortes und seiner Menschen sein will. Die Filmemacher beschreiben ihre erste Begegnung mit La Graciosa als einen „Glücksfall“, den sie mit jedem weiteren Aufenthalt immer wieder neu entdecken wollen. Die ineinander verwobenen Kapitel ihrer Dokumentation betrachten die einzelnen Stationen dieser Entdeckungsreise, beispielsweise eine Metzgerin, die seit vielen Jahren eine Fleischerei auf der Insel betreibt, oder einen Mann, der den Naturschutz auf der Insel sehr ernst nimmt und wenig Verständnis für die Proteste der Insulaner hat. Die Bilder und verschiedenen Eindrücke, die der Zuschauer aus La Graciosa mitnimmt, lassen keinen Zweifel daran, dass wir eine Gemeinschaft im Umbruch sehen, zugleich aber auch einen Ort, der sich seine Faszination bewahren will. Die Insel ist nach wie vor ein Glücksfall – für die beiden Regisseure wie auch für viele andere Menschen, die La Graciosa nur zeitweise oder für immer ihre Heimat nennen dürfen.

Credits

OT: „La Graciosa – Kanarische Träume“
Land:
Deutschland
Jahr:
2025
Regie:
Karin Kaper, Dirk Szuszies
Drehbuch: Dirk Szuszies
Kamera: Tobias Rahm, Dirk Szuszies
Musik: Los Toledos

Bilder

Trailer

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La Graciosa – Kanarische Träume
fazit
"La Graciosa – Kanarische Träume" ist ein ebenso persönliches wie nachdenklich stimmendes Porträt einer Insel und ihrer Menschen im Wandel. Karin Kaper und Dirk Szuszies zeigen die Schönheit und Faszination dieses besonderen Ortes, ohne dabei die Konflikte auszublenden, die der zunehmende Tourismus mit sich bringt. Ihre Dokumentation erzählt von unterschiedlichen Vorstellungen von Heimat, Zugehörigkeit und Fortschritt und stellt dabei die Frage, wie sich ein Ort verändern kann, ohne jene Eigenschaften zu verlieren, die ihn für seine Bewohner und Besucher so besonders machen.
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