
Der Schock ist groß bei Jackie Ellis (Kelly Reilly), als sie die Leiche des neunjährigen Jungen Cefin entdeckt. Nicht nur, dass sie dessen Lehrerin war und ihr der Anblick deswegen nahegeht. Er reißt zudem alte Wunden auf. Schließlich ist ihre eigene Nichte Nessa vor drei Jahren verschwunden, ihre Leiche wurde nie gefunden. Seinerzeit ermittelte sie selbst in dem Fall, bevor sie den Polizeidienst quittierte und den Beruf wechselte. Zu ihrem großen Ärger soll ausgerechnet Detective Eric Bull (Rafe Spall) herausfinden, wie der Junge gestorben ist und wer ihn ermordet haben könnte. Denn der war seinerzeit ihr Untergebener, bis die beiden bei den Ermittlungen aneinandergeraten sind. Seither ist das Verhältnis der beiden zerrüttet. Dennoch brauchen sie einander, wenn sie die Wahrheit herausfinden wollen – über Cefin wie über Nessa …
Krimiserie um einen durchgängigen Fall
Der späte Sonntagabend gehört im ZDF bekanntlich Krimiproduktionen aus dem Ausland, in Ergänzung zu den zahlreichen heimischen Genrebeiträgen, die wir Tag und Tag zu sehen bekommen. Meistens handelt es sich dabei um europäische Reihen und Serien. Dabei kommen wir ganz gut herum. So ging es zuletzt nach Belgien (Juliet: Blut und Wasser) und in die Türkei (Inspector Ikmen – Tod in Istanbul: Abschied und Neuanfang), wo wir jeweils der Polizei folgten, wie sie Morde aufklärte. Nun steht wieder eine Reise ins Vereinigte Königreich an, genauer nach Wales. Mit Under Salt Marsh – Tod in den Salzwiesen zeigt der Sender eine neue Serie, die in der Heimat Anfang des Jahres ausgestrahlt wurde.
Im Gegensatz zu den obigen und den meisten anderen Sonntag-Krimis, wo es jede Woche einen anderen Fall gibt, da erzählt Under Salt Marsh – Tod in den Salzwiesen eine durchgängige Geschichte, vergleichbar etwa zu Broadchurch. In sechs Folgen gilt es herauszufinden, wer den Jungen ermordet hat und aus welchem Grund. Verbunden wird dieses Geheimnis mit dem alten Fall, der ebenfalls nie aufgeklärt wurde. Gesucht wird ein Zusammenhang, eine Begründung dafür, warum gleich zwei Kindern sterben mussten. Da gibt es also einiges an Rätselstoff, mit dem man es sich gemütlich machen kann. Da zudem die Bevölkerung des walisischen Dorfes, in dem die Serie spielt, nicht viel redet, gestalten sich die Ermittlungen auch schwierig. Nur mühsam geht es dabei voran.
Ruhe trifft hochkochende Emotionen
Wobei dieser eher gemächliche Fortschritt auch damit zusammenhängt, dass unterwegs viel zwischenmenschlicher Müll aufbereitet werden muss. Das betrifft zum einen die besagte Bevölkerung, bei der wir einige Leute in der Krise kennenlernen. Gerade auch bei Jackie liegt einiges im Argen, da sie sich beim Fall um ihre Nichte sowohl mit ihrer Familie wie auch mit Eric heillos zerstritten hat. Und das lässt sich nicht so leicht beheben. Under Salt Marsh – Tod in den Salzwiesen lebt zumindest teilweise von den zahlreichen Konflikten, die zwischen den Personen herrschen. Nicht immer lassen sich diese auch nachvollziehen, manchmal sind diese Leute aus Prinzip auf Krawall gebürstet. Aber es sind schon einige intensive Momente dabei, die auch von der Leistung des Ensembles leben.
Diese Mischung aus einem an und für sich ruhigen Krimi, bei dem eher selten etwas geschieht, und den ganzen hochkochenden Emotionen ist dabei prinzipiell gelungen. Unterwegs warten diverse überraschende Erkenntnisse und Wendungen auf einen, wenn erst einmal an die Oberfläche kommt, was die Menschen des Dorfes verbuddelt hatten – wortwörtlich und im übertragenen Sinn. Under Salt Marsh – Tod in den Salzwiesen verwöhnt zudem die Augen mit tollen Landschaftsaufnahmen, die je nach Szene zwischen rau und kunstvoll schwanken. Wenn es dann doch stürmisch wird oder dunkle Orte erkundet werden müssen, ist das schon sehr atmosphärisch. Auch wenn manches hier recht übertrieben ist, man besser nicht zu viel Alltag erwarten sollte, ist das Ergebnis eine gute Möglichkeit, um es sich abends vor dem Fernseher gemütlich zu machen. Insofern darf man gespannt sein, wie die bereits angekündigte zweite Staffel ausfallen wird, die dann aber an einem anderen Ort spielen soll.
OT: „Under Salt Marsh“
Land: UK
Jahr: 2026
Regie: Claire Oakley, Mary Nighy
Drehbuch: Claire Oakley, Jonathan Harbottle, Nikita Lalwani
Idee: Claire Oakley
Musik: Ben Salisbury, Suvi-Eeva Äikäs
Kamera: Adam Scarth, Ed Rutherford
Besetzung: Kelly Reilly, Rafe Spall, Naomi Yang, Harry Lawtey, Lizzie Annis, Dino Fetscher, Brian Gleeson, Dinita Gohil, Kimberley Nixon, Mark Stanley, Julian Lewis Jones, Jonathan Pryce
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