Chopin – Eine Sonate in Paris
© Neue Visionen Filmverleih/Jaroslaw Sosinski / Akson Studio

Chopin – Eine Sonate in Paris

Chopin – Eine Sonate in Paris
„Chopin – Eine Sonate in Paris“ // Deutschland-Start: 22. Oktober 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Paris, 1835. Frédéric Chopin (Eryk Kulm) ist gerade einmal 25 Jahre alt und bereits ein gefeierter Pianist und Komponist. In den Salons der französischen Hauptstadt liegt ihm die feine Gesellschaft zu Füßen, selbst der König schätzt seine Kunst. Gemeinsam mit seinem Freund Franz Liszt (Victor Meutelet) genießt Chopin das gesellschaftliche Leben, unterrichtet wohlhabende Schülerinnen und arbeitet an neuen Kompositionen. Doch der junge Musiker leidet an Tuberkulose. Trotz wiederkehrender Krankheitsschübe und zunehmend düsterer ärztlicher Prognosen hält er an seinem Lebensstil fest. Er verliebt sich, beginnt eine Beziehung mit der Schriftstellerin George Sand (Joséphine de La Baume) und versucht, so viel wie möglich aus der ihm verbleibenden Zeit herauszuholen.

Der Lebemann und sein Leiden

Denkt man an Frédéric Chopin, hat man vermutlich nicht unbedingt einen jungen Mann vor Augen, der ausgelassen durch die Straßen von Paris zieht und keine Gelegenheit zum Feiern auslässt. Genau mit diesem Bild spielt Michał Kwieciński in Chopin – Eine Sonate in Paris. Der polnische Regisseur will den Komponisten von seinem Denkmal holen und ihn als lebenshungrigen, mitunter übermütigen Menschen zeigen. Das ist keineswegs so weit von der historischen Persönlichkeit entfernt, wie es zunächst scheinen mag. Chopin galt durchaus als humorvoller, eleganter und geselliger Zeitgenosse.

Dass diese Version des Musikgenies funktioniert, ist allerdings vor allem Eryk Kulm zu verdanken. Der bereits in Kwiecińskis Film Filip überzeugende Schauspieler verleiht Chopin eine bemerkenswerte Leichtigkeit, ohne dessen Verletzlichkeit zu vernachlässigen. Mal ist er charmanter Selbstdarsteller, mal ein von Selbstzweifeln geplagter junger Mann, der seine Ängste hinter einem Lächeln versteckt. Kulm schafft es sogar, seiner Figur mehr Facetten zu geben, als das Drehbuch eigentlich vorsieht.

Denn dessen Einfallsreichtum ist begrenzt. Immer wieder folgt auf einen gesundheitlichen Zusammenbruch eine Phase neu erwachter Lebenslust. Chopin tritt mit frischem Elan aus seinem Haus, stürzt sich auf die Pariser Straßen und genießt das Leben – bis ihn die Krankheit erneut einholt. Dieser Kreislauf wiederholt sich so häufig, dass sich kaum ein durchgehender Spannungsbogen entwickelt. Je länger der Film dauert, desto mehr verdrängt die Krankengeschichte alles andere.

Ein Paris wie aus einem Popvideo

Dabei macht Chopin – Eine Sonate in Paris optisch einiges her. Kameramann Michał Sobociński taucht die prachtvollen Salons und verwinkelten Gassen in ein Licht, das zwischen barocker Malerei und moderner Hochglanzästhetik changiert. Kostüme und Ausstattung sind aufwendig, die Bilder oft von beeindruckender Brillanz. Nur eine wirklich lebendige Vergangenheit entsteht daraus nicht. Eher eine popkulturell verklärte Vorstellung davon, wie Paris in den 1830er-Jahren ausgesehen haben könnte, hätte man damals schon die ästhetischen Vorlieben unserer Gegenwart gekannt.

Dazu passen die elektronischen Klänge, mit denen die Musik Chopins ergänzt wird. Statt auf historische Authentizität zu pochen, holt Kwieciński seinen Komponisten auch akustisch ins Heute. Das hat durchaus seinen Reiz und wirkt innerhalb dieses bewusst modernisierten Historienbildes erstaunlich stimmig.

Schade nur, dass die Musik selbst kaum zum Schlüssel für Chopins Persönlichkeit wird. Wie er komponiert, woher seine Inspiration kommt und was seine Werke so außergewöhnlich macht, bleibt weitgehend außen vor. Stattdessen konzentriert sich der Film auf private Beziehungen, ohne diese sonderlich auszuleuchten. George Sand bleibt ebenso wie die übrigen Frauenfiguren vor allem Stichwortgeberin für Chopins Befindlichkeiten. Auch seine polnischen Weggefährten erhalten wenig Raum.

Eine Ausnahme bildet Franz Liszt, den Victor Meutelet mit ansteckender Spielfreude verkörpert. Wenn die beiden exzentrischen Musiker gemeinsam auftreten, fühlt man sich bisweilen an Louis und Lestat aus Interview mit einem Vampir erinnert. Von dieser Energie hätte der Film mehr vertragen können.

Viel Aufwand, wenig Gefühl

Stattdessen wird immer deutlicher, worauf die Geschichte hinauslaufen soll. Das ist bei einer Biografie über einen mit 39 Jahren gestorbenen Komponisten natürlich kein Geheimnis. Doch gerade deshalb müsste der Weg dorthin interessieren. Kwieciński verlässt sich zu sehr auf die Tragik des frühen Todes, anstatt aus den zwischenmenschlichen Konflikten eine eigene Spannung zu entwickeln.

So bleibt am Ende ein merkwürdiger Widerspruch: Ein hervorragend gespielter Chopin bewegt sich durch einen prächtig ausgestatteten Film, dessen Bilder und Musik durchaus Eindruck hinterlassen. Doch während sich sein körperlicher Zustand immer weiter verschlechtert, wächst die emotionale Distanz. Dass einen das Schicksal dieses außergewöhnlichen Musikers schließlich erstaunlich kaltlässt, ist angesichts des betriebenen Aufwands die eigentliche Enttäuschung.

Credits

OT: „Chopin, Chopin!“
Land: Polen
Jahr: 2025
Regie: Michał Kwieciński
Buch: Bartosz Janiszewski
Musik: Robot Koch
Kamera: Michal Sobocinski
Besetzung: Eryk Kulm, Joséphine de la Baume, Victor Meutelet, Lambert Wilson

Bilder

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Chopin – Eine Sonate in Paris
fazit
„Chopin – Eine Sonate in Paris“ überzeugt mit einem glänzenden Eryk Kulm, prachtvollen Bildern und einer reizvollen musikalischen Modernisierung. Doch die schematische Dramaturgie und oberflächlich gezeichneten Beziehungen verhindern, dass aus dem aufwendigen Künstlerporträt auch ein berührender Film wird. Viel Glanz, wenig Nachhall.
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