
Als die Gäste für eine Wohltätigkeitsgala auf einer griechischen Insel zusammenkommen, dann mit einem ehrenvollen Ziel: Sie wollen mit ihrem Geld die Welt retten! Vor allem aber wollen sie gesehen werden. So zumindest ist es bei Mike (Chris Evans), einem schon länger kriselnden Schauspieler, der endlich wieder zurück ins Rampenlicht will. Doch dann macht ihm Joan (Anya Taylor-Joy) einen Strich durch die Rechnung. Auch sie will die Welt retten, geht dafür aber einen etwas anderen Weg. Sie und ihre Geschwister haben beschlossen, einer Prophezeiung zu folgen, die drei Menschenoper fordert. Die Wahl fällt am Ende auf Mike, den milliardenschweren Unternehmer Ben Bracken (Vincent Cassel) sowie die Perfomerin Katie (Ambika Mod). Die wollen davon jedoch lieber nichts wissen …
Spöttischer Einstieg
Wenn ein Film auf einem renommierten Festival Premiere feiert und mit diversen Hollywood-Stars besetzt ist, dann aber spurlos verschwindet, darf man misstrauisch werden. Denn das bedeutet meistens nichts Gutes. Neuestes Beispiel für dieses Phänomen ist Sacrifice, das rund ein Jahr später den Weg zu uns findet. Und das sogar ins Kino, anders als in den USA, wo sich Netflix die Rechte geschnappt hat. Wobei das Vertrauen des hiesigen Verleihs offensichtlich nicht so groß ist, da man den Film der Presse mehr oder weniger vorenthielt. Das dürfte auch mit den bescheidenen Kritiken zusammenhängen, die der Streifen zuvor im Ausland erdulden musste. Ganz so katastrophal ist das Ergebnis dabei nicht. Es ist lediglich enttäuschend. Das ist nicht nur auf das Ensemble bezogen, zu dem neben den oben genannten unter anderem Charli xcx, John Malkovich und Salma Hayek gehören. An bekannten Gesichtern mangelt es also nicht.
Auch beim Regisseur durfte man mehr erwarten. So handelt es sich bei Sacrifice um das englischsprachige Debüt des französischen Regisseurs und Co-Autors Romain Gavras, der zuvor mit seinen Filmen Athena und Die Welt gehört dir auf renommierten Festivals vertreten war und für den einen oder anderen Preis im Rennen war. Offensichtlich hatte er sich mit diesen Filmen so viel guten Willen erarbeitet, dass man ihm ein derart großes Projekt anvertraut hat. Und zumindest der Einstieg ist auch vielversprechend. Natürlich sind die Figuren nicht sehr vielschichtig, wenn zu Beginn die selbsternannten Weltenretter ins Lächerliche gezogen werden. Das gilt sowohl für die wahnsinnige Aktivistengruppe wie auch den Unternehmer, der am Meeresboden Ressourcen einsammeln will, um so den übrigen Raubbau wieder auszugleichen – eine Ironie, die im Film selbst angesprochen wird. Aber es ist doch ganz amüsant.
Wohin des Wegs?
Nur will Sacrifice wohl irgendwie mehr sein als eine High-Society-Verspottung im Stil von Triangle of Sadness. Anstatt diese Satire aufrechtzuerhalten, wird der Film im weiteren Verlauf dramatischer und will wohl tatsächlich etwas über die Figuren aussagen. Das wäre ja okay, wenn da wirklich etwas zu sagen wäre. Gavras und sein Co-Autor Will Arbery tun sich aber schwer damit, das Ruder noch einmal herumzureißen. Da ist einfach nicht die Substanz, die einen solchen Ansatz rechtfertigen würde. Der Film tut nicht genug dafür, um einem die Figuren überhaupt so nahe zu bringen. Wenn man schon inmitten einer Farce den Fokus verlagert, dann doch bitte richtig.
Das ist schade, weil das Ensemble ziemlich spielfreudig ist. Visuell hat der Genremix, der 2025 beim Toronto International Film Festival debütierte, ebenfalls einiges zu bieten. So ist das Setting der alten Mine, die als Kulisse für die Gala ausgewählt wurde, geradezu atemberaubend. Dass der Trailer von Sacrifice besonders dieses betont, ist verständlich. Aber das macht es so ernüchternd, dass der Film nie so wirklich in Schwung kommt und etwas unentschlossen herumeiert. Das finale Produkt kann man sich zwar schon noch anschauen. Aber die meisten im Publikum würden sich wohl wünschen, dass da mehr herausgekommen wäre.
OT: „Sacrifice“
Land: UK, Griechenland, USA
Jahr: 2025
Regie: Romain Gavras
Drehbuch: Will Arbery, Romain Gavras
Musik: GENER8ION
Kamera: Matias Boucard
Besetzung: Chris Evans, Anya Taylor-Joy, Vincent Cassel, Ambika Mod, Sam Richardson, Jonatan Leandoer, Jade Croot, Miriam Silverman, Charli xcx, John Malkovich, Salma Hayek
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