
Das Leben könnte so schön sein für die junge Tänzerin Oriah Pera (Maia Reficco). Wäre da nur nicht ihre schwere Erkrankung, die wie ein Schatten über allem liegt. Zwar gäbe es die Möglichkeit einer Operation. Doch damit riskiert sie, ihr Gedächtnis zu verlieren. Also bleibt ihr nichts anderes übrig, als Medikamente zu nehmen, selbst wenn diese sie abstumpfen lassen. Ihre Mutter Isolde (Eva Longoria) achtet deshalb auch streng darauf, dass sie diese auch ständig einnimmt. Jetzt steht aber erst einmal ein Tapetenwechsel an, zusammen fahren die beiden nach Mallorca. Das ist nicht nur Isoldes alte Heimat. Ihre Firma will dort zudem ein Hotel bauen, weshalb sie auch aus beruflichen Gründen die Reise antritt. Dabei trifft Oriah den Fischersohn Juliàn García (Fernando Líndez) – und will endlich einmal etwas fühlen …
Romantische Romanadaption
Bei Amazon Prime Video hat man gute Erfahrungen mit Liebesdramen gemacht, vor allem solchen, die Jugendliche ansprechen sollen. Da war dieses Jahr beispielsweise Love Me, Love Me über eine Teenagerin, die zwischen zwei grundverschiedenen Männern steht. Culpa Tuya – Deine Schuld: London ist die Fortsetzung einer immens erfolgreichen Reihe über zwei Stiefgeschwister, die Gefühle füreinander entwickeln. Every Year After wiederum erzählte von zwei Menschen, die ihre alte Jugendliebe wieder auffrischen. Und da es offensichtlich nie genug von solchen Titeln geben kann, bringt der Streamingdienst mit The Last Sunrise bereits den nächsten Film heraus, der diese Zielgruppe ansprechen soll und von einer großen und zugleich komplizierten ersten Liebe erzählt.
Mal wieder hat diese eine Romanvorlage. Genauer nahm man sich das gleichnamige, 2025 veröffentlichte Buch von Anna Todd. Die Autorin ist in diesem Segment natürlich bestens etabliert, auf ihren Werken basiert die fünfteilige Filmreihe, die 2019 mit After Passion begann und von einer toxischen Beziehung erzählte. Das macht nicht unbedingt Mut darauf, dass das Drama hier etwas taugt. Und tatsächlich: The Last Sunrise ist ein weiterer mieser Beitrag in diesem Segment. Wobei man zugutehalten muss, dass die Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren nicht annähernd so schlimm ausfällt wie bei Todds vorheriger Geschichte. Zumindest ist das hier ein Verhältnis, das mit tatsächlichem Respekt und Fürsorge einhergeht. Gerade zum Ende hin darf sich Juliàn beweisen.
Der nächste Totalausfall
Ansonsten ist das hier aber mal wieder inhaltlich ein Totalausfall. Das fängt schon bei den langweiligen Figuren an, die einem keinen Grund geben, warum man denn Zeit mit ihnen verbringen wollte. Der Ablauf der Handlung ist sowieso vorhersehbar. Ob es die holprige erste Begegnung ist oder die späte dramatische Zuspitzung, Todd demonstriert, dass man keine kreative Energie braucht, um ein Publikum zu finden. Und auch die Sache mit den Grundstücken, die an das Unternehmen verkauft werden sollen, was aber verhindert werden muss, läuft ganz genau so ab, wie man sich das vorstellen würde. Würde The Last Sunrise wenigstens bei den Details gute Arbeit leisten. Man interessierte sich aber nicht dafür, nicht für die Krankheit, nicht für die wirtschaftliche Lage, nicht für die kulturellen Unterschiede.
Stattdessen wird ausschließlich auf die Optik gesetzt. Nicht nur, dass mal wieder alle sehr gut aussehen, Fernando Líndez (Tell Me Softly) darf gleich zu Beginn auch seinen Traumkörper unter Beweis stellen. Es gibt zudem ganz viel landschaftliche Idylle, der Film bedient die üblichen Fantasien und Wünsche. Denen darf man natürlich nachgehen, wenn man möchte. Man darf nur eben nicht erwarten, dass der Film in irgendeiner Form wirklich etwas leistet. The Last Sunrise ist nicht mehr als eine kitschige Aneinanderreihung von Klischees, bei denen große Gefühle aus der Konserve geholt werden. Anspruchsloses Fast Food, von dem nichts übrigbleibt – bis auf den üblichen Zynismus, was den Umgang mit schweren Krankheiten angeht.
OT: „The Last Sunrise“
Land: USA
Jahr: 2026
Regie: Carlson Young
Drehbuch: Anna Klassen
Vorlage: Anna Todd
Musik: Isom Innis
Kamera: Rob Givens
Besetzung: Maia Reficco, Fernando Líndez, Eva Longoria, Chloé Sweetlove, Andrés Velencoso, Sabrina Bartlett, Stefanie Martini, Alex Peracaula
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