
Viele Jahre ist Persephone „Percy“ Fraser (Sadie Soverall) schon nicht mehr in in Barry’s Bay gewesen, wo sie als Kind die Sommer mit ihrer Familie verbracht hat. Der Anlass für die Rückkehr ist leider auch kein schöner: Die Mutter von Sam Florek (Matt Cornett) ist gestorben. Das Verhältnis zu dem Nachbarsjungen war damals sehr eng gewesen, im Laufe der Zeit sind die beiden sich nähergekommen. Aus der Beziehung wurde seinerzeit zwar nichts, die zwei sind getrennte Wege gegangen. Ganz erloschen sind die Gefühle aber nicht, wie Percy feststellen muss. Nur ist da auch noch Sams älterer Bruder Charlie (Michael Bradway), der für den einen oder anderen schwierigen Moment sorgt …
Die nächste Jugendroman-Adaption
Bei Amazon Prime Video ist man schon seit einer ganzen Weile damit beschäftigt, den Markt von Jugendromanen abzugrasen und auf Film- bzw. Serientauglichkeit abzuklopfen. Vor allem Stoffe, die sich um die Liebe drehen, sind bei dem Streamingdienst gern gesehen. Gerade erst war da die Serie Off Campus über eine angehende Sängerin und einen umschwärmten Eishockeyspieler. Davor lockten unter anderem Love Me, Love Me und Tell Me Softly um ein Publikum, auch diese beiden Titel hatten eine literarische Vorlage. Da verwundert es nicht, wenn mit Every Year After bereits der nächste Titel darauf wartet, einen beliebten Schmöker um große Gefühle den Abonnenten und Abonnentinnen schmackhaft machen zu wollen.
Dafür schnappte man sich den gleichnamigen Roman der kanadischen Autorin Carley Fortune, der 2022 veröffentlicht wurde und hierzulande unter dem Titel Fünf Sommer mit dir zu einem Bestseller wurde. Warum die Serie hierzulande nicht ebenfalls den eingedeutschten Buchtitel erhalten hat, ist nicht klar. Im Grunde ist es aber auch egal, da das Ergebnis so austauschbar ist, dass man ihm so ziemlich jeden Titel hätte geben können, ohne dass irgendetwas davon in Erinnerung bleibt. Das bedeutendste Alleinstellungsmerkmal bei Every Year After ist noch die Sache, dass man versucht, sowohl die Geschichte in der Vergangenheit wie auch die der Gegenwart zu erzählen, das alles also etwas größer aufgezogen werden soll.
Klischees und schöne Oberfläche
Grundsätzlich ist es ein nobles Ansinnen, eine solche historische Komponente einbauen zu wollen, um aufzuzeigen, wie Menschen sich im Laufe der Zeit verändern und wie sie durch vergangene Ereignisse geprägt werden. Nur hat Every Year After dazu eigentlich nicht viel zu sagen. Genaugenommen hat die Serie zu nichts wirklich etwas Substanzielles zu sagen. So sind die Figuren mal wieder reine Abziehbilder geworden, völlig ohne Tiefe oder interessante Eignschaften. Die Geschichten, die um sie herum erzählt werden, sind ebenfalls nicht erwähnenswert. Es gibt nicht mehr als die üblichen Klischees und vorhersehbaren Probleme, selbst wer das Buch nicht kennt, dürfte wenig Schwierigkeiten damit haben, den weiteren Verlauf vorherzusagen.
Das muss einen natürlich nicht stören, die meisten dieser Jugendromanzen laufen nach einem ähnlichen Schema ab. Die Zielgruppe will durch die Geschichte nicht gefordert sein, will nicht nachdenken oder sich mit Ambivalenzen herumplagen müssen. Stattdessen gibt es bei Every Year After wieder schöne Fassade, sowohl im Hinblick auf die idyllischen Kulissen wie auch die attraktive Besetzung. Dass Letztere eher hölzern agiert und man ihr die Szenen als Jugendliche ebenso wenig abnimmt wie als Erwachsene, wird zur Nebensache. Dass alles künstlich aussieht und wirkt, man hier wirklich niemandem glaubt, aus der Realität zu stammen, ebenso. Fans dürfen schmachten und glücklich sein. Der Rest wird auch bei dieser Adaption nicht verstehen, worin der Reiz liegen soll.
OT: „Every Year After“
Land: USA
Jahr: 2026
Regie: Gillian Robespierre, Jeff W. Byrd, Tara Nicole Weyr, John Polson
Drehbuch: Amy B. Harris, Leila Gerstein, Julie Rottenberg, Elisa Zuritsky, John Stephens, Amy Rardin
Idee: Amy B. Harris, Leila Gerstein
Vorlage: Carley Fortune
Musik: Tom Howe
Kamera: Brian Burgoyne, Mathias Herndl. Rob Marsh
Besetzung: Sadie Soverall, Matt Cornett, Michael Bradway, Abigail Cowen, Aurora Perrineau, Joseph Chiu
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