
Jean Leroy (Fabrice Luchini) steht gerade ein wenig unter Druck. Schließlich ist er Bürgermeister der Kleinstadt Montreuil-sur-Mer und muss sich seiner Wiederwahl stellen. Umso härter trifft es ihn, als Édith (Catherine Frot), mit der er seit langer Zeit verheiratet ist, ankündigt, dass sie sich immer schon als Mann gefühlt hat und in Zukunft auch als solcher leben will. Aus Édith soll Eddy werden. Aus Rücksicht auf die bevorstehende Wahl soll das mit der Transition aber noch ein bisschen warten, um keine Wähler und Wählerinnen abzuschrecken. Doch selbst mit diesem Zugeständnis fällt Jean aus allen Wolken. Der konservative Politiker versteht nicht, was mit seiner Frau vor sich geht, hält das alles zunächst für einen schlechten Witz …
Aufreger Transgeschlechtlichkeit
In den letzten Jahren hat weltweit die Intoleranz zugenommen, andersartige Lebensentwürfe, die lange niemanden irgendwie scherten, werden auf einmal zu Aufregern. Ganz oben auf der Liste steht die Transgeschlechtlichkeit, wenn Leute sich nicht mit ihrem angeborenen biologischen Geschlecht identifizieren. In Zeiten, in denen sich viele Menschen wieder nach einfachen Antworten sehnen, ist das Konzept zu einem roten Tuch geworden. Da wundert es nicht wirklich, wenn immer wieder Filme gedreht werden, die sich mit dem Thema befassen und für mehr Toleranz werben. Hierzulande machten sich unter anderem die TV-Produktionen Einfach Nina und Ungeschminkt für einen liberalen Umgang stark. Aber auch in anderen Ländern ist das ein Thema, wie der französische Beitrag Glückliche Männer demonstriert.
Ungewöhnlich daran ist die Tonalität. Die meisten Filme, die sich mit dem Thema befassen, sind ernst angelegt, klassische Dramen eben. Dann und wann wird auch mit humorvollen Elementen gearbeitet, Oskars Kleid ist ein Beispiel dafür. Glückliche Männer geht aber noch einen Schritt weiter und macht aus dem Stoff eine reine Komödie. Das ist einerseits erfrischend, weil es manchmal vielleicht doch besser ist, mittels Unterhaltung Leute zu gewinnen als mit schwermütiger Betroffenheit. Allerdings braucht es schon ein gewisses Fingerspitzengefühl, um diese Leichtigkeit mit einem ernsten Thema zu verbinden. Und auch wenn Regisseur Tristan Séguéla (Ein Doktor auf Bestellung) sicher beste Absichten hatte, das ist ihm hier einfach nicht gelungen.
Plumper Humor
Das Problem ist dabei weniger das Szenario an sich oder die Reaktion des Ehemannes. Dass dieser die Entscheidung zur Transition für einen Witz hält und er sich darüber lustig macht, ist zwar nicht nett, aber durchaus im Rahmen des Plausiblen. Wenn man mit jemandem Jahrzehnte verheiratet ist und diese Position plötzlich das Geschlecht wechseln will, darf einen das schon falsch vorkommen. Wenn aber der Transmann in Glückliche Männer aussieht wie eine Witzfigur, die Aufmachung die Zuschauer und Zuschauerinnen zum Lachen bringen soll, wird es schwierig. Zumal die diversen Gags alle nicht besonders komisch sind. Der Film wird nicht so satirisch, wie er es könnte, begnügt sich mit langweiligen und plumpen Albernheiten.
Das ist schade, weil sowohl das Thema als auch die Besetzung für mehr gut gewesen wären. Während die auch als Charakterdarstellerin bekannte Catherine Frot (Der Rosengarten von Madame Vernet) zumindest noch irgendwie versucht, die Würde hinter ihrer Figur zu finden, wird Fabrice Luchini (Mein fabelhaftes Verbrechen) darauf reduziert, Grimassen zu schneiden und zu meckern. Da wäre ihm doch eine interessantere Rolle zu wünschen gewesen. Dass Glückliche Männer am Ende eine versöhnliche Note findet, ist ja schon nett, will vielleicht auch Mut machen. Wenn der Film aber weder unterhaltsam ist noch viel zu der Diskussion beizutragen hat, kann man sich das Ganze aber auch sparen. Glücklich macht einen diese Komödie kaum.
OT: „Un homme heureux“
Land: Frankreich
Jahr: 2023
Regie: Tristan Séguéla
Drehbuch: Isabelle Lazard, Guy Laurent
Musik: Amine Bouhafa
Kamera: Frédéric Noirhomme
Besetzung: Fabrice Luchini, Catherine Frot, Philippe Katerine, Artus, Grégoire Bonnet, Haroun, Agnès Hurstel, Camille Le Gall, Paul Mirabel
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