München Beats (am 26. August 2026 im ZDF) nimmt uns mit auf eine Reise ins München der 1990er. Damals entschloss sich der Pfanni-Unternehmer Theo Meinhardt (Tobias Moretti) schweren Herzens, seine Fabrik zu schließen und das Areal anderweitig zu nutzen. Während er selbst daran arbeitet, dass dort ein neues Stadtquartier entsteht, will sein aus den USA zurückgekehrter Sohn Marius (Klaus Steinbacher) aus der Fabrik einen Ort für Musik- und Kunstprojekte machen, Techno-Clubs inklusive. Dabei lernt er Linda Bierwirth (Jule Hermann), die selbst als DJ arbeiten möchte, sich aber in der Männerwelt schwertut. Wir haben Hauptdarsteller Klaus Steinbacher beim Filmfest München 2026 getroffen, wo die Dramaserie ihre Premiere feierte. Im Interview spricht er über ein schwieriges Vater-Sohn-Verhältnis, die Angst vorm Scheitern und Kultur als dringend benötigte Möglichkeit der Begegnung.
Was hat dich an München Beats gereizt? Warum hast du diese Serie gedreht?
Einmal die 90er. Das war so eine geile Zeit und ich hatte Bock auf die Klamotten von damals, hatte Bock auf die Musik, hatte Bock auf Techno. Ich habe die Zeit natürlich nicht selbst erlebt. Aber ich kenne sie aus Filmen und Videos. Darauf habe ich mich einfach gefreut, schon die Kostümprobe war ein Fest. Dann habe ich vom Kunstpark Ost immer wieder von Leuten aus meinem Umfeld gehört, die älter sind und selbst dort feiern waren. Das hat mich interessiert und ich wollte in diese Welt eintauchen. Vor allem aber meine Figur hat mich gereizt und die Entwicklung, die sie durchmacht. Ein junger Mann, der darunter leidet, dass sein Vater erfolgreich ist, und unter Druck steht, genauso erfolgreich zu werden. Und anstatt diesen Druck von ihm zu nehmen, verstärkt der Vater diesen Druck noch. Das ist eine sehr menschliche Entwicklung, dass man versucht, in einer solchen Situation einen eigenen Weg zu finden und etwas Eigenes aufbauen zu wollen. Marius hat eine enorme Angst vorm Scheitern. Und das ist etwas, das ich selbst kenne und das ich erzählen wollte.
Warum ist das so schwierig zwischen Marius und seinem Vater Theo? Warum können sie nicht miteinander?
Theo wirkt nach außen hin sehr erfolgreich. Aber man merkt schnell, dass das nicht so ist. Er verspürt da auch Druck. Für Theo ist es wichtig, dass es weitergeht und dass das Unternehmen fortgeführt ist. Marius ist ein Einzelkind, deswegen sind die Erwartungen an ihn so hoch. Sein Weg ist ein Stück weit vorgegeben. Deswegen verliebt er sich auch in Linda. Sie ist so wahnsinnig zielstrebig und gibt alles dafür, dass ihr Traum wahr wird. Und Marius hängt sich da ein bisschen dran, weil sie ein Vorbild ist.
Aber wenn der Vater selbst zu kämpfen hat, sollte er da nicht mehr Verständnis für den Sohn haben?
Klar, das wäre der Optimalfall. Aber Menschen verhalten sich nicht immer optimal. Darum erzählen wir auch Geschichten. Ich glaube, es ist sehr menschlich und dass so etwas im Leben auch passiert. Dass so etwas in Vater-Sohn-Beziehungen häufiger passiert.
Auch wenn es den Kunstpark Ost nicht mehr gibt, das Areal hat bis heute eine große Bedeutung. Wie ist deine Verbindung dazu?
Ich war in der Kultfabrik feiern, die danach kam. Das war in einem Club, der hieß Willenlos. Das war sehr lustig. Bei den Recherchen zur Serie habe ich mich auch mit Wolfgang Nöth beschäftigt, der ein sehr spannender Mensch war und Clubs betrieben hat. In unserer Geschichte wird er ein wenig erzählt durch die Figur Harald Prell. Nöth war ein super umtriebiger und witziger Typ, der in München viel für die Clubszene getan hat. Er hat sich super viel getraut und super viel bewegt. In seinen Clubs hätte ich gern mal gefeiert und darauf gehofft, ihn zu treffen.
Wie war es für dich, in diese Zeit einzutauchen?
Das war toll, hat viel Spaß gemacht! Die 90er verbinde ich mit einer Art Aufbruchsstimmung. Die Menschen hatten noch viel Zuversicht. Dafür stand auch der Techno. Man machte etwas ganz anderes und wollte die Zukunft in die eigene Hand nehmen.
Ist Techno deine Musikrichtung?
Nein, nicht wirklich. Ich bin eher Indierock. Rock’n’Roll finde ich auch gut. Ich mag Jazz zum Runterkommen. Zum Tanzen mag ich lieber lateinamerikanische, spanische Musik. Aber ich habe es auch nicht so richtig gelernt. Beim Techno habe ich das Gefühl, das muss man ein bisschen üben. Ich habe verstanden, was Jule Hermann in der Serie spielt. Und die Energie und das Lebensgefühl sind schon geil. Das hat mich sehr reingezogen und ich war in der Zeit tatsächlich ein paar Mal feiern auf Techno. Das hat schon Spaß gemacht. Aber wenn ich es mir aussuchen kann, bin ich eher in anderen Genres unterwegs.

Es ging Nöth bei dem Kunstpark Ost nicht allein um Raves, sondern um viele andere Ausdrucksformen für die jungen Menschen.
Genau. Es ging auch darum, einen Raum für Kunst und Kultur zu schaffen. Das ist für mich ein wichtiger Aspekt Wir brauchen Raum für Kunst und Kultur und das gemeinsame Erleben von Kultur.
Braucht es das heute auch noch?
Klar, auf jeden Fall! Ob es dafür unbedingt so ein Riesengelände braucht, weiß ich nicht. Das ist mittlerweile in der Stadt auch sehr schwer, weil wir auch bezahlbare Wohnungen brauchen. Aber im Kleinen wäre es vielleicht schön, wieder mehr Livemusik erleben zu können. In München würde ich mir schon wünschen, dass in Kneipen wieder mehr live gespielt wird. Ich fände es auch cool, wenn es für Kleinkunstauftritte mehr Orte gäbe. Menschen live auf der Bühne zu erleben und danach mit anderen darüber zu sprechen, finde ich in Zeiten von KI und Social Media besonders wichtig. Ich sehe das bei mir selbst, dass ich immer mehr am Handy hänge. Aber eigentlich freue ich mich über alles, was ein bisschen menschelt.
Du hast vorhin von der Angst vorm Scheitern gesprochen und dass du das kennst. Ist das etwas, das dich bei der Schauspielerei begleitet hat?
Ja, auf jeden Fall. Immer schon. Beim Vorsprechen bei der Theaterakademie, ich habe in München Schauspiel studiert. Auch während des Studiums hat immer etwas nicht funktioniert, weil zum Beispiel ein Monolog nicht gut war. Dann passiert es natürlich beim Casting, dass ich Rollen nicht bekomme. Ich mach das inzwischen schon lang, habe aber immer noch nicht die Taktiken gefunden, um mit Absagen klarzukommen, weil ich mich da immer reinsteigere und das immer noch ein Stück weit persönlich nehme. Manchmal gelingt es mir, im Scheitern auch eine Chance zu sehen und zu lernen, was ich beim nächsten Mal besser machen kann. Aber ich würde mir wünschen, dass mir das noch häufiger gelingt.
Wobei es vermutlich aber auch schwierig wäre, es überhaupt nicht an dich ranzulassen. Denn dann ist es ja irgendwie egal.
Das stimmt. Ich merke schon, wie unfassbar wichtig mir das alles ist. Dass das eine echte Leidenschaft ist.
Wie hält man die Balance, diese Leidenschaft zu bewahren, ohne sich zu sehr davon mitnehmen zu lassen?
Privatleben. Das ist das, was mich immer wieder rettet und wo ich hinfliehen kann. Da kann ich auch sehr schnell wieder runterkommen und dann ist auch wieder alles okay. So ein Gegenpol ist wichtig.
Und wie geht es beruflich bei dir weiter? Was sind deine nächsten Projekte?
Ich habe einen richtig coolen Indie-Kinofilm namens Niemandsland gedreht. Julian Witt hat das Drehbuch geschrieben und das erste Mal bei einem langen Spielfilm Regie geführt. Ein Kammerspiel, das sehr politisch ist und leider sehr gut in die Zeit passt. Der Film erzählt gegen den Rechtsruck Dabei habe ich gedacht, ich müsste mal wieder etwas für die Bühne machen, und habe das deshalb zum Anlass genommen, wieder ein Programm zu entwickeln. Das wird ein Solo-Programm mit Musik, das ich hoffentlich bald spielen kann. Womit wir wieder beim Thema sind, dass ich wieder mehr live sehen möchte. Im Herbst und Winter drehe ich zwei Filme, über die ich aber noch nicht sprechen darf.
Vielen Dank für das Interview!
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