Basierend auf dem gleichnamigen Comic-Klassiker erzählt Marsupilami von eine Gruppe von Menschen, angeführt von dem Zoo-Mitarbeiter David Ticoule (Philippe Lacheau), die ein seltenes Tier von Südamerika nach Frankreich schmuggeln sollen. Das klang einfach, stellt sich aber als wahnsinnig schwierig heraus. Nicht nur, dass die Truppe immer wieder in chaotische Situationen gerät. Es sind auch andere hinter dem Tier her. Nachdem in Frankreich mehr als sechs Millionen Menschen die Familienkomödie gesehen haben, startet sie am 20. August 2026 auch bei uns im Kino. Wir hatten die Gelegenheit, uns mit Lacheau zu unterhalten, der auch Regie geführt hat und am Drehbuch beteiligt war. Im Interview spricht er über seine Beziehung zu der Figur, das Arbeiten mit bekannten Vorlagen und die Schwierigkeit beim Drehbuchschreiben.
Könntest du uns etwas über die Entstehungsgeschichte von Marsupilami verraten? Wie kam es dazu, dass du den Comic verfilmt hast?
Marsupilami ist in Frankreich ein wahnsinnig bekannter Comic. Man kennt das einfach aus der Kindheit. Als wir erfahren haben, dass Pathé die Rechte daran hat, haben wir gefragt, ob wir einen Film machen können, und sie waren einverstanden. Wir haben uns sehr darüber gefreut und dass wir zusammen diesen Familienfilm machen können.
Der Comic ist inzwischen über 70 Jahre alt. Weshalb ist er deiner Meinung nach heute noch so bekannt?
Ich glaube, dass jeder gern selbst so einen Marsupilami hätte. Der ist süß, er ist stark, er ist komisch. Er wächst einem einfach ans Herz. Wenn du in Frankreich verreist, dann siehst du bestimmt irgendwo im Bahnhof ein Kind mit einem Marsupilami-Plüschtier in der Hand. Es gibt auch eine Zeichentrickserie. Du kannst ihm also auch gar nicht wirklich entkommen.
Bist du auch selbst damit aufgewachsen?
Ja! Ich hatte einen, als ich jung war. Dass ich ihn jetzt auf die große Leinwand bringen durfte, ist wie die Erfüllung eines Kindertraums.
Was waren die größten Herausforderungen bei der Umsetzung dieses Kindertraums?
Die größte Herausforderung bestand im Schreiben des Drehbuchs. Wir wollten einen Film, der die ganze Familie anspricht, also sowohl den Kindern wie auch den Eltern und Großeltern gefällt. Bei Filmen, die für Kinder gemacht werden, ist es oft so, dass sich die Eltern ein bisschen langweilen. Davor hatten wir ein bisschen Angst. Die Schwierigkeit war, etwas zu machen, das wirklich allen Generationen gefällt.
Es gab vor einigen Jahren schon einen Realfilm über Marsupilami von Alain Chabat. War dieser in irgendeiner Form ein Einfluss für euch?
Chabat ist eine absolute Ikone in Frankreich und wird von allen bewundert. Das war für uns schon eine Herausforderung. Wir wollten uns so weit wie möglich von der ersten Verfilmung entfernen, weil wir auch keine Fortsetzung gedreht haben. Unser Film ist ein Reboot. So wie es verschiedene Spider-Man und King Kong von verschiedenen Regisseuren gibt, ist das eben auch bei uns. Wir wollten keinen Abklatsch von Chabats Film machen. Das würde uns sowieso nicht gelingen.
Bei den bisherigen Filmen, wo du Regie geführt hast, hast du überwiegend eigene Geschichten erzählt. Es gab da bislang nur den Nicky Larson: City Hunter, jetzt kommt eben Marsupilami hinzu. Ist es einfacher oder schwieriger für dich, einen fremden Stoff zu adaptieren im Vergleich zur Entwicklung eines eigenen Stoffes?
Ich empfinde es als schwieriger, etwas zu adaptieren, was es schon gibt. Ein Original-Stoff ist einfacher, weil ich alles selbst erfinden kann. Es gibt keine Vorgaben und du wirst mit niemandem verglichen. Die Kritik, dass du eine schlechte Adaption gemacht hat, fällt schonmal weg.
In Marsupilami verbindest du den Humor deiner bisherigen Filme mit einer ökologischen Botschaft. Warum war dir das wichtig?
Das kam auf gewisse Weise schon durch das Thema. Durch das Tier kommst du allein schon auf die Ökologie. Das war da einfach naheliegend. Wir haben in unseren anderen Filmen eigentlich immer versucht zu vermeiden, anderen eine Lektion zu erteilen. Aber wenn Marsupilami dafür sorgt, dass man ein bisschen mehr an die Umwelt oder Tiere denkt, umso besser.
Bei euren übrigen Filmen ist es so, dass der Fokus auf den menschlichen Figuren lag. Hier kommt eben noch Marsupilami hinzu. Wie war es für euch, mit einer Figur zu spielen, die gar nicht da ist?
Sie war ja da, auf ihre Weise. Wir haben mit Animatronik gearbeitet und nicht mit einer Computergrafik. Das war wie ein Stofftier, das animiert wurde. Wie bei den Filmen aus meiner Kindheit, E.T. – Der Außerirdische oder Gremlins – Kleine Monster, wo auch mit realen Figuren gearbeitet wurde. Klar, es sind keine Wesen aus Fleisch und Knochen. Aber sie waren da, man konnte sie sehen und mit ihnen spielen. Das war hier genauso. Unser Marsupilami hatte allein 26 Motoren, um sich so zu bewegen. Ich glaube, das macht auch den Charme aus, dass das nicht alles digital ist. Der Film bekommt dadurch für mich eine Seele.
Aber kommen wir noch auf die menschlichen Mitspieler zurück: Ihr tretet schon sehr lange zusammen auf, seit mehr als zwanzig Jahren. Ihr macht seit mehr als zehn Jahren zusammen Filme. Wie schafft ihr es, dass ihr immer noch als Truppe funktioniert, ohne euch auf die Nerven zu gehen?
Wir waren schon miteinander befreundet, bevor wir angefangen haben zusammenzuarbeiten. Das ist eine sehr gute Basis für diese Art von Arbeitsbeziehung. Damit haben wir für uns einen Traum verwirklicht. Es ist schon ein großes Glück. Wenn es nach uns geht, könnten wir ewig so weitermachen, selbst wenn der eine oder andere von uns mal ein Projekt ohne die anderen macht. Wir wollen Spaß haben und diesen Spaß weitergeben. Das Publikum glaubt uns einfach das, was wir da machen. Wahrscheinlich macht es dir auch mehr Spaß bei der Arbeit, wenn du mit befreundeten Kollegen zusammenarbeitest.
Vielen Dank für das Interview!
(Anzeige)

