After Passion
© Constantin Film

After Passion

After Passion
„After Passion“ // Deutschland-Start: 11. April 2019 (Kino)

Endlich, das Studium! Tessa Young (Josephine Langford) hat sich schon länger darauf gefreut, ans College zu gehen – zum Missfallen ihrer Mutter Carol (Selma Blair), die dem Unileben eher skeptisch gegenüberstellt. Der erste Eindruck scheint sich auch zu bestätigen, als sie ihre Mitbewohnerin Steph (Khadijha Red Thunder) kennenlernt, die Tessa verspricht, auf alle möglichen Partys mitzunehmen. Auf einer solchen begegnet sie dann auch gleich Hardin Scott (Hero Fiennes-Tiffin), einem arroganten Schnösel aus England. Es wird nicht die letzte Begegnung sein, zumal aus der anfänglichen Antipathie bald eine verführerische Anziehungskraft wird.

„Passion“, das klingt gut, so richtig schön nach Leidenschaft und so. Dachte sich vielleicht auch der deutsche Verleih, weshalb er das Wort noch hinzufügte bei der Eindeutschung von After. Außerdem passt es ja zu den Trailern, die ganz gerne mal, auch von der schreibenden Zunft, als Versprechen aufgefasst wurden: Der Film wird so etwas wie Fifty Shades of Grey, nur für Jugendliche! Also viel Knistererotik, verbotene Liebe, ein bisschen seelischer Abgrund. Und eben Leidenschaft.

Liebe, da war doch was …
Zu sehen ist davon jedoch kaum etwas, zu spüren noch viel weniger. Vielmehr ist After Passion eine dieser typisch amerikanischen typisch verklemmten Jugendromanzen, in der alle von der großen Liebe träumen, ohne auch nur den geringsten Schimmer zu haben, was das eigentlich sein soll. Ein Film, der dem Publikum nur wenig zutraut, dafür aber eine Menge zumutet. Zumindest im Bereich Glaubwürdigkeit. Denn das, was hier gezeigt wird, hat mit dem echten Leben etwa so viel zu tun wie Donald Trump mit Politik. Man kann ja mal so tun als ob, wird schon genug Leute da draußen geben, die das Ganze glauben.

Vielleicht tat das ja auch Anna Todd, von der die literarische Vorlage stammt. Einige Bände ist ihre Reihe After schon dick, geboren aus reiner Online-Fanfiction-Selbstverwirklichung. Wie Fanfiction wirkt dann auch die filmische Umsetzung, zusammengeklaut aus all dem, was andere vorher schon gemacht haben. Das kann mal langweilig sein, ist es oft auch. Manchmal auch richtig peinlich, wenn Todd wie so viele andere auch Sturmhöhe von Emily Brontë als die Form tragischer Romanze missverstehen, die sie selbst gern geschrieben hätte. Aus dem Buch wird nämlich zitiert. Und Jane Austen auch. Die ganzen Klassiker eben, womit klar gemacht werden soll: Tessa und Hardin sind sehr belesen – Hunderte von Büchern! – und sehr empfindsam. Auch wenn Hardin das hinter jeder Menge Tattoos verstecken will. Er ist ja schließlich der Rebell in der Geschichte.

Entwicklungsarbeit ist ausverkauft
Unschuldiges Landei trifft unnahbaren Außenseiter, der einen ganz fiesen Eindruck macht, das ist nicht nur so ziemlich die einfallsloseste Konstellation, die sich jemand einfallen lassen kann – sofern man da überhaupt noch von einem Einfall reden mag. Sie ist hier auch noch denkbar stümperhaft umgesetzt. Manche Punkte werden zwischendrin vergessen, Tessas Naivität zum Beispiel. Die ist einfach irgendwann weg. Dafür gibt es an anderen Stellen den Holzhammer. Konflikte tauchen aus dem Nichts auf, sind im nächsten Moment schon brav aufgegessen. Was dem Film fehlt, ist ein Gespür dafür, wie Menschen funktionieren, wie Beziehungen funktionieren, wie sich etwas entwickeln kann. Ein gemeinsames Bad im See und schon wurde aus dem Gegensatz eine Gemeinsamkeit, so einfach kann das gehen!

Und das ist typisch für den Film. In After Passion gibt es keine Zwischenschritte, von Zwischentönen ganz zu schweigen. Die wären auch gar nicht zu hören: Der Film beschallt das Publikum in einer Endlosdauerschleife mit Musik, wenn die Figuren gerade nichts Wichtiges zu sagen haben. Was recht oft der Fall ist. Es regnet in dramatischen Momenten, während sonst immer die Sonne scheint. Es gibt tragische Hintergrundgeschichten, die wie das Kaninchen aus dem Zylinder geholt werden, wenn es gerade passt. Oder wenn sich der Film wohl selbst langweilt. Vor allem eine spätere Wendung ist so unnötig, psychologisch so unplausibel, dass man gar nicht weiß: Soll ich mich jetzt ärgern oder einfach nur herzhaft lachen? Immerhin: Das Ganze ist in schöne Hochglanzbilder verpackt, wie aus einem Hautcreme-Werbefilm. Das passt dann natürlich zum Inhalt, der ein Instagram-Oberflächenverständnis von Gefühlen hat. Hauptsache, es ist schön und bringt Aufmerksamkeit. Der Zielgruppe mag das reichen. Einen wirklichen Gefallen tut sie sich mit diesem schwülstigen, ereignislosen Kitsch aber nicht.



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Was als große Leidenschaft angekündigt wurde, entpuppt sich bei „After Passion“ als große Langeweile. Die Figuren sind einfallslose Klischees, die zudem noch schlampig gezeichnet wurden. Der Romanze zwischen einer Unschuld vom Lande und einem Möchtegernrebell fehlt jede Spannung, fehlt auch jegliches Gespür für Zwischentöne, Entwicklung oder tatsächliche Gefühle. Dafür sieht die Buchverfilmung schick aus.
3
von 10