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Before Midnight

„Before Midnight“ // Deutschland-Start: 6. Juni 2013 // 30. Oktober 2013 (DVD/ Blu-ray)

Inhalt / Kritik

Neun Jahre sind vergangen, seit Jesse (Ethan Hawke) und Céline (Julie Delpy) sich in Paris wiederbegegnet sind und beschlossen haben, von nun an gemeinsam zu leben. In der Zwischenzeit hat Jesse eine unschöne Trennung von seiner in den USA lebenden ersten Frau durchgemacht. Gemeinsam mit Céline und ihren Zwillingstöchtern lebt Jesse nun in Paris, und während er weiterhin der Schriftstellerei nachgeht, möchte Céline sich beruflich ebenfalls verändern, wobei ihr eine lukrative Position bei der französischen Regierung in Aussicht gestellt wird.

Bei einem gemeinsamen Urlaub mit ihren Kindern in Griechenland kommt es deswegen zu einer Meinungsverschiedenheit zwischen den beiden. Während Jesse gerne mehr für seinen Sohn aus erster Ehe da sein möchte und laut darüber nachdenkt, wie es wäre, wieder in die USA zu ziehen, sieht Céline dies als Beweis dafür, dass ihre Interessen abermals hinter denen ihres Partners zurückstehen müssen. Bevor es zu einem handfesten Streit zwischen ihnen kommt, erreichen sie jedoch das Haus ihrer griechischen Freunde.

Im Laufe des Abends, der eigentlich als romantische Nacht zu zweit geplant war, kommt es jedoch zum Streit. Jesses Wunsch und Célines berufliche Zukunft geraten dabei schon bald in den Hintergrund, denn zunehmend kommen die Unzufriedenheit und Frustration zum Vorschein, die sich über die Jahre in ihrer Beziehung angesammelt haben. Bald stellt sich die Frage, ob das Ende dieser Nacht auch das Ende der Beziehung zwischen Jesse und Céline bedeuten könnte.

Das Leben nach dem Happy End

Der Amerikaner Jesse und die Französin Céline sind Filmfans bereits aus Richard Linklaters Before Sunrise (1995) und Before Sunset (2004) bekannt. Mit Before Midnight legte er 2013 den bislang letzten Teil seiner Before-Filmreihe vor, deren Filme jeweils im Abstand von neun Jahren einen Blick darauf werfen, wie sich die Beziehung seiner beiden Protagonisten entwickelt hat. Linklaters Filme als Liebesfilme zu bezeichnen, trifft den Kern daher nicht ganz, denn vielmehr interessiert ihn die Entwicklung einer Beziehung und natürlich, wie sich Zeiten der Trennung oder – wie im Falle von Before Midnight – des Zusammenseins auf die Verbindung von Jesse und Céline auswirken. Während viele Liebesfilme oder Beziehungsdramen mit dem Happy End enden, geht es bei Linklater weiter. Mit Österreich, Frankreich und nun Griechenland inszeniert er zwar vor einer für einen Liebesfilm mehr als dankbaren Kulisse, doch seine Helden müssen sich derweil die Frage stellen, ob ihre Gefühle füreinander tatsächlich noch so intensiv sind oder ob der Zahn der Zeit an ihnen genagt hat.

Mit dem (vorläufigen) Abschluss der Before-Filmreihe beweist Richard Linklater, dass Zeit eines der prägenden Elemente seiner Filmografie ist. Jeder von uns weiß, dass sich eine Beziehung über einen bestimmten Zeitraum hinweg entwickelt, verändert oder gar in die Brüche gehen kann – Möglichkeiten, die Linklater in den drei Filmen aufzeigt und durchspielt. Zeit entscheidet, ob Céline und Jesse wirklich zusammenkommen und es nicht bloß bei einer für sie beide prägenden Begegnung bleibt. Genauso ist sie ein Faktor, der darüber entscheidet, ob man sich reif genug fühlt, eine Beziehung einzugehen und das romantische Ideal in die Praxis umzusetzen. Im dritten Teil stellen sich diese Fragen nun nicht mehr, denn wir haben eine weitere entscheidende Frage erreicht: Hält eine Beziehung dem Druck der Zeit und den Veränderungen, die unser Leben durchmacht, immer noch stand? Können wir ein romantisches Ideal vielleicht sogar wiedererwecken, damit wir unsere Beziehung retten können? Linklater changiert in Before Midnight keineswegs zwischen Ideal und philosophischen Diskursen, sondern verbleibt innerhalb der Realität einer Partnerschaft, die schon einige Hürden genommen hat und in deren Verlauf sich bei Jesse wie auch Céline Frust angesammelt hat. Before Midnight zeigt den Moment, in dem diese Gefühle ausgedrückt werden, weil sich beide durch die niederschmetternde Wirklichkeit des Alltags und seine Prüfungen weit von ihrem einstigen Ideal entfernt haben.

Die andere Hälfte

Die Kulisse des sommerlichen Griechenlands ist in Before Midnight keineswegs nur Dekor. Eine Diskussion zwischen Céline und Jesse darüber, ob sie mit ihren Töchtern noch die Ruinen eines Tempels besichtigen sollen, ist ein erster Hinweis darauf, was beide zu vermeiden versuchen. Julie Delpys Figur erinnert sich an eine Szene aus Roberto Rossellinis Reise nach Italien, in der das Ehepaar Katherine und Alex Joyce in Pompeji Zeuge der Freilegung der Abdrücke eines gemeinsam gestorbenen Paares wird. Die prächtige Kulisse der Peloponnes evoziert nicht einfach nur die Kultur, die Mythen und die Philosophie der Antike, sondern in erster Linie die Allgegenwart der Endlichkeit, die sich in die Beziehung der beiden eingeschlichen hat. Jesse befürchtet, das Leben seines Sohnes zu verpassen, was man ihrer Verabschiedung am Flughafen ansieht. Céline hat Angst davor, dass das Leben an ihr vorbeizieht, während sie auf die Rolle als Hausfrau und Mutter reduziert wird. Die Romantik und die Liebe als Ideale sind der Erkenntnis über die eigene Endlichkeit gewichen – eine Krise, die wohl viele Zuschauer kennen werden. Für die Beziehung werden sie und die damit einhergehende Angst zu einer Zerreißprobe – wie auch in Rossellinis Film.

Das Faszinierende an Richard Linklaters Filmen – wie auch an Before Midnight – ist der Wechsel zwischen Leichtigkeit und Schwere. In der Tradition europäischer Sommerfilme, wie man sie beispielsweise von Éric Rohmer kennt, sind Komik, Romantik und Drama gut aufeinander abgestimmt. Dies merkt man naturgemäß den Dialogen an, die Linklater gemeinsam mit seinen Schauspielern konzipierte, sowie der Chemie zwischen Delpy und Hawke, die die Hürden einer Beziehung ebenso glaubhaft darstellen wie die teils absurd-komischen Momente, wenn man sich in einem Widerspruch verstrickt, aber nicht zugeben will, dass man falsch liegt. In den vorherigen Filmen hat man sie vielleicht als Seelenverwandte gesehen, die einander gesucht und schließlich gefunden haben. Nun aber stellt sich die universelle Frage, ob eine solche Nähe wirklich gewollt ist – ob man tatsächlich die eine Hälfte suchen sollte, die einen komplettiert, oder ob man parallel zueinander nicht auch glücklich sein kann.

Credits

OT: Before Midnight
Land: USA
Jahr: 2013
Regie: Richard Linklater
Drehbuch: Richard Linklater, Julie Delpy, Ethan Hawke
Kamera: Christos Voudouris
Musik: Graham Reynolds
Besetzung: Ethan Hawke, Julie Delpy, Seamus Davey-Fitzpatrick, Jennifer Prior, Charlotte Prior

Bilder

Trailer

Filmfeste

Sundance Film Festival 2013
Internationale Filmfestspiele Berlin 2013

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Before Midnight
fazit
"Before Midnight" ist ein ebenso ehrliches wie unterhaltsames Beziehungsdrama, das trotz seiner komplexen Themen immer wieder leichte und komische Momente findet. Im dritten Teil seiner "Before"-Filmreihe fragt Richard Linklater, ob Liebe und Romantik dem Test der Zeit und der Erkenntnis der eigenen Endlichkeit standhalten können. Dank der außergewöhnlichen Chemie zwischen Ethan Hawke und Julie Delpy bleibt auch die dritte Begegnung mit Jesse und Céline faszinierend – und die Hoffnung bestehen, dass ihre Liebe trotz aller Ernüchterung überdauern kann.
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