
Für Helen Macdonald (Claire Foy) bricht eine Welt zusammen, als ihr Vater Alistair (Brendan Gleeson) sehr plötzlich verstirbt, zu dem sie ein sehr enges Verhältnis hatte. Überwältigt von ihrer Trauer beginnt die Cambridge-Dozentin, sich immer weiter zurückzuziehen und die Kontakte zu anderen Menschen zu vernachlässigen. Stattdessen kehrt sie in Gedanken immer wieder in die Vergangenheit zurück, zu den Malen, als die beiden gemeinsam in der Natur unterwegs waren. Und so fasst sie den Beschluss, sich selbst der Natur zuzuwenden, holt sich den Habicht Mabel und beginnt diesen abzurichten. Dabei fühlt sich Helen ihrem Vater näher, beginnt aber auch, den Halt zu verlieren und zur Sorge ihres Umfelds immer weiter in ihre eigene Welt abzudriften …
Die wahre Geschichte einer skurrilen Trauerarbeit
Wie gehe ich damit um, einen geliebten Menschen verloren zu haben? Das ist eine Frage, die sich die meisten von uns irgendwann einmal stellen müssen. Ob wir Großeltern oder Eltern verlieren oder der Tod im Freundeskreis oder der Partnerschaft zuschlägt, es führt fast kein Weg daran vorbei, dass wir um jemanden trauern. Doch so universell diese Erfahrung ist, so schwierig ist es, eine individuelle Antwort auf die Trauer zu finden. Kein Wunder also, dass ständig Filme und Serien gedreht werden, in denen es um eine eben solche Trauerverarbeitung geht. Netflix brachte gerade Die Karte der Sehnsüchte heraus, bei der die Protagonistin Aufgaben ihrer verstorbenen Schwester erfüllen muss, um ihr eigenes Leben in den Griff zu bekommen. So klingt das Leben wiederum erzählte von einem galizischen Fischerdorf, das durch gemeinsames Musizieren ein tödliches Schiffsunglück überwindet. Mit H wie Habicht kommt nun ein weiterer Film in die Kinos, bei dem die Hauptfigur einen Weg aus der Trauer sucht.
Das Mittel zum Zweck ist etwas skurril. Einen Habicht abrichten, um damit einen Verlust zu verarbeiten? Das klingt weit hergeholt. Und doch basiert der Film auf einer wahren Geschichte. Genauer handelt es sich bei H wie Habicht um die Adaption der gleichnamigen Memoiren von Helen Macdonald, die darin beschreibt, wie sie nach dem Tod ihres Vaters in ein Loch fiel und sie durch den Vogel wieder Halt fand. Der Film setzt dann auch mit dem Tod ein und beschreibt im Anschluss, wie sie sich an der neuen Aufgabe versucht. Regisseurin und Co-Autorin Philippa Lowthorpe (Die Misswahl – Der Beginn einer Revolution) lässt ihre Protagonistin aber auch immer wieder in Erinnerungen schwelgen, wenn wir geneinsame Szenen mit dem Vater sehen. Dabei spielt die Natur oft eine große Rolle, ein verbindendes Element.
Sehenswert
Die Entscheidung, solche Flashbacks einzubauen, ist sicher die richtige. Zum einen erfahren wir auf diese Weise, wer der Verstorbene eigentlich war und wie die Beziehung zwischen ihm und seiner Tochter aussah. Alistair wird dadurch zu einem Charakter, ist nicht einfach nur ein Mittel zum Zweck. Es hilft aber auch, der Protagonistin etwas mehr Kontur zu verleihen. Denn H wie Habicht zeigt diese ansonsten ausschließlich in dem Kontext der Abrichtung, was auf Dauer nicht sehr viel ist, um einen Menschen zu beschreiben. Wir erfahren zwar, dass sie sich in dieser Aufgabe verliert und insgesamt nicht ganz stabil wirkt. Aber es ist schon sehr fokussiert auf diesen Lebensabschnitt, was es schwieriger macht, ein Gefühl für dieses Individuum zu entwickeln. Auch an anderen Stellen wäre mehr denkbar gewesen, als es beispielsweise um ökologische und moralische Fragen geht,
Dass das Ergebnis sehenswert ist, liegt maßgeblich an dem Ensemble. Im Mittelpunkt steht natürlich Claire Foy (Der Wunderweltenbaum, Die Aussprache) in der Rolle einer Frau, die in eine existenzielle Krise rutscht und sich überlegen muss, wie sie mit ihrem Leben weitermachen soll. Das Drama, das auf dem Telluride Film Festival 2025 Weltpremiere hatte, lockt aber auch mit schönen Bildern. Da die Geschichte immer wieder in der Natur spielt, sei es bei den besagten Rückblicken oder auch den Szenen mit dem Habicht, gibt es immer wieder ansprechende Aufnahmen zu bewundern. H wie Habicht wechselt auf diese Weise zwischen Idylle und seelischem Abgrund, zeigt ohne Kitsch oder erzwungene Betroffenheit, was es heißt, in Trauer gefangen zu sein und auf welch ungewöhnliche Weise manche dieser begegnen.
OT: „H Is for Hawk“
Land: UK
Jahr: 2026
Regie: Philippa Lowthorpe
Drehbuch: Philippa Lowthorpe, Emma Donoghue
Vorlage: Helen Macdonald
Musik: Emilie Levienaise-Farrouch
Kamera: Charlotte Bruus Christensen
Besetzung: Claire Foy, Brendan Gleeson, Denise Gough, Lindsay Duncan
Telluride Film Festival 2025
Zurich Film Festival 2025
BFI London Film Festival 2025
Filmfest München 2026
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