Spider-Noir
© Amazon Prime Video/Aaron Epstein
Spider-Noir
„Spider-Noir“ // Deutschland-Start: 27. Mai 2026 (Amazon Prime Video)

Inhalt / Kritik

Früher sorgte Ben Reilly (Nicolas Cage) als die Spinne für Recht und Ordnung auf den Straßen. Doch seit dem Mord an seiner Verlobten hat er sich aus diesem Bereich zurückgezogen und arbeitet stattdessen als Privatdetektiv. Nur mühsam und mit reichlich Alkohol hält er sich über Wasser: Gefangen in der Vergangenheit fehlt ihm eine echte Perspektive für die Zukunft. Dabei nimmt er die unterschiedlichsten Aufträge an. Mal soll er einen Kriminellen ausfindig machen, mal eine Frau beschatten, die ihrem Mann untreu sein soll. Doch einer dieser Routinefälle stellt sich als komplexer heraus, als er zunächst dachte. Denn dieser führt nicht nur tiefer in die Unterwelt, sondern auch zu mehreren Menschen, die über übernatürliche Kräfte verfügen …

Zurück in die Vergangenheit

Dass Superheldenfilme gerade eine Krise durchmachen, wurde schon an vielen Stellen geschrieben. Immer wieder enttäuschen die Einspielergebnisse dieser Blockbusterstreifen. Was über Jahre hinweg zu den verlässlichsten Einnahmequellen der Hollywoodstudios zählte, gleicht inzwischen eher einem Glücksspiel. Eine der größten Hoffnungen dieses Jahres ist dabei Spider-Man: Brand New Day, der inzwischen vierte Solo-Film des Spinnenmenschen mit Tom Holland in der Hauptrolle. Um sich die Wartezeit auf das Großereignis zu verkürzen, können Fans des Comichelden Spider-Noir anschauen, eine weitere Adaption der bekannten Figur. Allerdings sollte man bei der Amazon Prime Video Serie kein Abenteuer erwarten, welches mit der Leinwandversion wirklich zu vergleichen ist. Dafür geht das hier doch in eine ganz andere Richtung.

Die Vorlage hierfür liefert eine 2009 gestartete Comicreihe von Marvel, die in mehrfacher Hinsicht mit dem Gewohnten bricht. So verlagert diese das Geschehen aus der Gegenwart in die 1930er, in die Zeit der Great Depression. Inspiriert wurde dieses historische Spin-off – der Titel verrät es bereits – von den klassischen Film Noirs, bei denen heruntergekommene Privatdetektive Verbrecher jagen. Bei der Serie ist das ebenso. Spider-Noir orientiert sich dabei auch optisch an den Klassikern durch einen Kniff, den man entweder als genial oder als Gimmick bezeichnen kann. So ist sie sowohl in einer Schwarzweiß-Fassung wie auch in einer colorierten verfügbar. Die erste fängt die Stimmung natürlich etwas besser ein, die „modernere“ ist jedoch ebenfalls schön anzusehen. Auf große Spezialeffekte muss man hingegen bei beiden Fassungen verzichten.

Stimmungsvoll und kontrastreich

Das hängt auch damit zusammen, dass das Genre dem Vorbild entsprechend anders gelagert ist. Üblicherweise dominiert in diesen Geschichten die Action. Bei der von Oren Uziel entwickelten Serie ist diese aber recht sparsam eingesetzt. Spider-Noir ist über weite Strecken eher Krimi, der über Vorkommnisse in der Unterwelt und die Suche nach der Wahrheit berichtet. Im Gegensatz zu klassischen Noirs gibt es hier aber auch Fantasy- bzw. Science-Fiction-Elemente, da nicht nur der Protagonist, sondern auch diverse andere Figuren über übernatürliche Kräfte verfügen. Die Erklärung für diese ist dabei gewohnt hanebüchen, was zu einem reizvollen Kontrast mit dem Drumherum führt. Denn eigentlich passt das nicht zusammen, wie das Abgründige und das Überzogene kombiniert werden.

Zusammengehalten wird das durch Nicolas Cage, der eine andere Version dieser Figur bereits in dem Animationsfilm Spider-Man: A New Universe gesprochen hatte. Er schafft die Balance, seiner Figur sowohl das Tragisch-Kaputte mitzugeben und doch auch etwas von dem Comic-Haften zu bewahren. Überhaupt ist die Besetzung eine Stärke in Spider-Noir, ob es nun die von Karen Rodriguez gespielte Sekretärin Janet Ruiz oder Brendan Gleeson ist, der einen Gangsterboss spielt. Das ist auch wichtig, weil die Geschichte zwischendurch nicht ganz so sehr trägt und man sich mehr auf die Stimmung als die Handlung konzentriert. Wen das nicht stört, findet mit der Serie eine der interessanteren Comic-Adaptionen der letzten Zeit und den Beweis, dass dieser totgesagte Bereich durchaus noch spannende Aspekte bereithält.

Credits

OT: „Spider-Noir“
Land: USA
Jahr: 2026
Regie: Kane Parsons
Drehbuch: Will Soodik
Idee: Oren Uziel
Musik: Kris Bowers, Michael Dean Parsons
Kamera: Jeremy Cox
Besetzung: Nicolas Cage, Lamorne Morris, Li Jun Li, Karen Rodriguez, Abraham Popoola Jack Huston, Brendan Gleeson

Bilder

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Spider-Noir – Staffel 1
fazit
In „Spider-Noir“ kommt ein heruntergekommener Privatdetektiv einer rätselhaften Geschichte auf die Spur und trifft Leute mit übernatürlichen Kräften. Die Serie ist eine reizvolle Alternative zum Comic-Einerlei mit einer stark gespielten Hauptfigur, selbst wenn der Fokus dann doch öfter die Atmosphäre ist, weniger die Handlung oder der Inhalt.
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