Hunde und Italiener verboten Interdit aux chiens et aux italiens No Dogs or Italians Allowed
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Hunde und Italiener verboten Interdit aux chiens et aux italiens No Dogs or Italians Allowed
„Hunde und Italiener verboten“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Eigentlich sind die Menschen ja ganz glücklich in Ughettera, einem kleinen Dorf in Italien. Nur wird das Leben dort immer härter, es mangelt an Nahrung, es mangelt an Verdienstmöglichkeiten. Und so beschließen Luigi und Cesira Ughetto, ihr Glück woanders zu suchen. Mehrfach werden sie umziehen, werden im Ausland von vorne anfangen und dabei am Ende sieben Kinder haben, während Luigi als Bauarbeiter gefragt ist. Unter anderem arbeitet er an einem Tunnel, der durch die Berge führt. Aber die Idylle wird immer wieder durch äußere Gefahren bedroht, vor allem als überall der Krieg ausbricht und auch nicht vor ihrem beschaulichen Häuschen Halt macht …

Familienchronik als Stop-Motion-Film

Zwar ist die Zeit, in der Stop-Motion-Filme an der Spitze der Kinocharts stehen konnten, inzwischen wohl vorbei. Die wenigen Titel, die es überhaupt noch in die Lichtspielhäuser schaffen, gehen ziemlich unter. Das heißt aber nicht, dass deswegen keine weiteren Werke produziert werden, die auf diese altehrwürdige Animationstechnik zurückgreifen. Bei Netflix gibt es immer mal wieder Nachschub, zuletzt Chicken Run: Operation Nugget und Die Pokémon-Concierge. Aber auch Filmfeste sind eine gute Gelegenheit, um Vertreter dieser aussterbenden Kunstform bewundern zu dürfen. Einer, der in den letzten Jahren zahlreiche Menschen verzaubert hat, ist Hunde und Italiener verboten. Schließlich wurde der Film nach dem Debüt in Annecy 2022 von einem Filmfest zum nächsten weitergereicht.

Anders als die beiden obigen Titel richtet sich dieser weniger an Kinder. Das heißt nicht, dass sie nicht ihren Spaß haben können an den lustigen Figuren, die man hier zu sehen bekommt. Außerdem gibt es immer wieder Humor, der sich auf verschiedene Weisen präsentiert. Das kann mal in Form von Sprache sein, wenn Cesira die damaligen Verhältnisse kommentiert. Aber auch das verwendete Material ist immer mal wieder komisch. Da werden Zuckerwürfel zu Backsteinen umfunktioniert. Brokkoli nehmen in der Geschichte die Stelle von Bäumen ein. Und auch für Kürbisse findet Regisseur Alain Ughetto unerwartete Verwendungszwecke. Hunde und Italiener verboten macht vieles mit einem Augenzwinkern. Wo andere versuchen, die geschaffenen Welten möglichst authentisch zu gestalten, da werden hier die Grenzen zwischen Geschichte und Realität bewusst zerbröselt. Tatsächlich beginnt der Film auch damit, dass wir die Arbeit in der Werkstatt sehen, wo die Kulissen entstehen.

Charmant und sehr menschlich

Dieses Verspielte hilft auch dabei, die Geschichte zu verarbeiten, die sehr viel ernster ist, als es die Optik einen vermuten lässt. So erzählt Ughetto, der gemeinsam mit Alexis Galmot und Anne Paschetta das Drehbuch geschrieben hat, die Lebensgeschichte seiner Großeltern. Diese ist von Armut geprägt, von täglichen Überlebenskämpfen. Später werden es die beiden Kriege sein, die der Familie Unglück bringen. Aber auch Fremdenfeindlichkeit spielt eine Rolle. So leitet sich der Titel Hunde und Italiener verboten von einem Schild ab, das in einer Szene zu sehen ist. Der Film thematisiert damit eine Erfahrung, die Menschen überall immer mal wieder machen müssen. Sie sind gut genug dafür, die Arbeit zu machen, die sonst niemand machen will. Ansonsten sollen sie aber gefälligst verschwinden.

Ughetto erzählt das aber beiläufig in einem lockeren Plauderton. Selbst große Wendepunkte werden bei ihm zu Anekdoten, mit einer Laufzeit von rund 70 Minuten ist der Film ein kurzes Vergnügen. Vermutlich hängt dies mit dem großen Aufwand zusammen, den es braucht, um solche Stop-Motion-Werke zu drehen. Zwar ist das hier alles deutlich schlichter, als es bei größeren Produktionen von Aardman oder Laika der Fall ist. Aber selbst die Sparvariante ist mit viel Arbeit verbunden, wie man in den kurzen Behind-the-Scene-Momenten sehen kann. Was die Liebe zum Detail angeht, muss sich Hunde und Italiener verboten auch vor niemandem verstecken. Die europäische Coproduktion ist voller Charme und Persönlichkeit, nutzt Spielfiguren, Ton und Pappmaché, um eine sehr menschliche Geschichte zu erzählen.

Credits

OT: „Interdit aux chiens et aux italiens“
IT: „No Dogs or Italians Allowed“
Land: Frankreich, Belgien, Italien, Schweiz
Jahr: 2022
Regie: Alain Ughetto
Drehbuch: Alain Ughetto, Alexis Galmot, Anne Paschetta
Musik: Nicola Piovani
Kamera: Fabien Drouet, Sara Sponga

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Europäischer Filmpreis 2022 Bester Animationsfilm Sieg
Prix Lumières 2024 Bester Animationsfilm nominiert

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Hunde und Italiener verboten
fazit
„Hunde und Italiener verboten“ erzählt mit Witz und Charme die an und für sich ernste Geschichte einer italienischen Familie, die ihr Glück im Ausland sucht. Der Stop-Motion-Film mag nicht das Budget anderer Titel haben. Das macht er aber mit Einfallsreichtum und Persönlichkeit wett.
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