Tangles
Tangles
„Tangles“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Sarah verfügt ohne jeden Zweifel über großes Zeichentalent, wie sie bei einer alternativen Zeitung, für die sie die Cover entwirft, immer wieder beweist. Manchmal kommt es dabei zu Meinungsverschiedenheiten, die junge Frau hat oft ganz eigene Vorstellungen. Insgesamt arbeitet sie aber gern dort. Privat läuft es auch gut, seitdem sie nach San Francisco gezogen ist, wo sie niemand für ihre Homosexualität verurteilt. Sie ist auch glücklich mit Donimo liiert. Doch als sie eines Tages mal wieder in ihre alte Heimat reist, um ihre Familie zu besuchen, macht sie eine eigenartige Beobachtung: Ihre Mutter Midge steht irgendwie neben sich, weiß plötzlich nicht mehr, wie sie eine Tür öffnen soll. Und es wird nicht bei dieser einen Situation bleiben, immer wieder macht sie einen verwirrten Eindruck …

Je älter die Menschen im Schnitt werden, umso häufiger leiden sie an Krankheiten. Eine, die in den letzten Jahren gefühlt rasant zugenommen hat, ist die der Demenz. Immer mehr erkranken daran, können sich dann beispielsweise nicht mehr erinnern oder andere Leute wiedererkennen. Kein Wunder also, dass so viele Filme dieses Thema aufgreifen, siehe etwa Der verlorene Mann vor einigen Monaten oder auch das starbesetzte Memory. Mit Tangles liegt nun ein weiteres Werk vor, das über das Leben mit dieser Krankheit spricht. Ungewöhnlich ist dabei jedoch die visuelle Umsetzung, wir haben es hier mit einem seltenen Animationsfilm zu tun, der sich mit Demenz auseinandersetzt. Our Crazy Love hat das zwei Jahre zuvor auch getan. Dort war die Krankheit aber nur ein Thema unter mehreren.

Erzählt wird Tangles dabei aus der Sicht der Tochter, die sich besonders schwertut mit dieser Veränderung. Sarah ist dabei das Alter Ego von Sarah Leavitt, die in ihrer Graphic Novel Das große Durcheinander: Alzheimer, meine Mutter und ich ihre eigenen Erfahrungen festgehalten hat, als ihre Mutter erkrankte. Sie schreib auch an dem Drehbuch für den Film mit. Das Drehbuch ist dann auch eine der Stärken des Films. So gelingt es dem Film sehr gut, die diversen Figuren sehr lebendig zu beschreiben, mit all ihren Besonderheiten und Macken. So ist Sarah nicht die strahlende Heldin, wie man erwarten könnte. Sie opfert sich zwar für ihre Mutter auf. Macht dafür aber anderes kaputt. Sie ist zudem so sehr mit sich und ihrer Sichtweise beschäftigt, dass sie ihr eigenes Umfeld aus den Augen verliert und dabei auch unfair behandelt.

Ausdrucksstark und ambivalent

Das charakterbasierte Drama ist dabei zugleich ein Zeitporträt: Regisseurin Leah Nelson nimmt uns mit auf eine Reise in die späten 1990er und beschreibt dabei den Gegensatz zwischen dem gemütlichen Familienleben in der Heimat und aufregenden Großstadtdasein. Begleitet wird dies von viel Musik aus dieser Zeit, was ein Publikum nostalgisch stimmen dürfte, welches selbst damals gelebt hat. Tangles schafft dabei die Balance, eine sehr spezifische Geschichte zu erzählen und doch universell zu sein. So ausdrucksstark und individuell die Charaktere sind, gibt es doch reichlich Identifikationsfläche. Und noch eine weitere Balance, wird in diesem Film gehalten. So ist das Thema zweifelsfrei bitter, es gibt auch einige richtig harte Momente. Man findet aber auch viel Humor, wenn Sarah mit Selbstironie aus ihrem Leben erzählt.

Visuell ist die kanadisch-US-amerikanische Coproduktion gefällig. Grundsätzlich setzt Nelson auf einen realistischen Stil, der Animationsfilm zeigt sich da als 2D-Vertreter der alten Schule. Tangles, das 2026 in Cannes Weltpremiere hatte, ist aber immer wieder auch verspielt, experimentiert ein wenig, um die Gefühlswelt der Protagonistin noch besser ausdrücken zu können. Der Film ist dann auch sehr ausdrucksstark, eine Achterbahnfahrt der Gefühle, die sehr schöne und eben sehr traurige Momente zeigt. An der einen oder anderen Stelle wird es vielleicht ein bisschen zu manipulativ, das hätte es so nicht gebraucht. Aber das hier ist doch ein sehr sehenswertes Animationswerk für Erwachsene, das nicht spurlos an einem vorübergeht.

Credits

OT: „Tangles“
Land: USA, Kanada
Jahr: 2026
Regie: Leah Nelson
Drehbuch: Sarah Leavitt, Leah Nelson, Trev Renney
Vorlage: Sarah Leavitt
Musik: Dan Romer

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Tangles
fazit
Basierend auf einer Graphic Novel erzählt „Tangles“ von einer jungen Zeichnerin, die mit der Alzheimer-Erkrankung ihrer Mutter klarkommen muss. Der Animationsfilm hält dabei die Balance aus persönlichem Schicksal und universeller Situation. As ist sehenswert, visuell wie inhaltlich, wenn experimentiert wird und die Figuren überraschend ambivalent sind. Da lassen sich auch einzelne manipulative Momente verzeihen.
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