The Eyes of Others
© Busch Media Group

The Eyes of Others

The Eyes of Others
„The Eyes of Others“ // Deutschland-Start: 13. August 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Anfang der 1960er Jahre lebt der wohlhabende Marquis Lelio (Filippo Timi) auf einer abgeschiedenen Privatinsel, wo er mit seiner Ehefrau rauschende Feste für die feine Gesellschaft veranstaltet. Dort begegnet er Elena (Jasmine Trinca), der Partnerin eines Bekannten. Zwischen beiden entwickelt sich sofort eine leidenschaftliche Anziehung, die schließlich dazu führt, dass sie ihre bisherigen Partner verlassen und heiraten. Doch ihre Beziehung folgt ungewöhnlichen Regeln: Auf Lelios Wunsch lässt sich Elena mit anderen Männern ein, während er die Begegnungen beobachtet und filmt. Was zunächst wie ein einvernehmliches Spiel aus Begehren und Voyeurismus erscheint, entwickelt sich zunehmend zu einem System aus Kontrolle, Eifersucht und psychischer Abhängigkeit, bis die Situation schließlich unausweichlich in eine Tragödie mündet.

Zwischen Begehren und Kontrolle

Andrea De Sica greift in The Eyes of Others die reale Casati-Stampa-Affäre auf, interessiert sich dabei aber weniger für den historischen Kriminalfall als für die zerstörerische Dynamik einer Beziehung, in der Liebe, Macht und Besitzansprüche untrennbar miteinander verschmelzen. Sein Film ist dabei erstaunlich altmodisch – und das durchaus im positiven Sinn. Nicht nur die Handlung ist in den 1960er Jahren angesiedelt, auch Inszenierung, Erzählweise und Bildsprache wirken, als hätte der Film selbst in dieser Epoche entstehen können. Das erinnert an klassische europäische Erotikdramen, die mehr auf Atmosphäre als auf Effekthascherei setzen.

Große Präsenz, zu wenig Psychologie

Und diese Atmosphäre lebt in erster Linie von Jasmine Trinca. Die italienische Schauspielerin trägt den gesamten Film beinahe mühelos. Sie besitzt eine enorme Leinwandpräsenz und verleiht Elena zugleich Sinnlichkeit, Verletzlichkeit und stille Entschlossenheit. Erst kürzlich war Trinca in La Gioia – Süchtig nach Dir als Mutter der männlichen Hauptfigur zu sehen, zuvor überzeugte sie bereits als Titelheldin in Maria Montessori. Hier zeigt sie erneut, weshalb sie zu den interessantesten Schauspielerinnen des italienischen Kinos gehört.

Filippo Timi verkörpert den Marquis Lelio mit einer Mischung aus aristokratischer Eleganz und unterschwelliger Bedrohlichkeit. Dennoch bleibt seine Figur letztlich zu rätselhaft. Zwar wird deutlich, dass Lelio Kontrolle über Menschen und insbesondere über Elena ausüben möchte, doch weshalb sich diese Obsession entwickelt, bleibt weitgehend im Dunkeln. Dasselbe gilt teilweise auch für Elena selbst. Der Film umfasst einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren, erzählt diesen jedoch in wenigen, teils weit auseinanderliegenden Episoden. Dadurch fehlt den Figuren die notwendige Entwicklung, um ihre Entscheidungen und emotionalen Veränderungen vollständig nachvollziehbar werden zu lassen. Dieser erzählerische Sprungcharakter verhindert, dass die Tragödie ihre volle emotionale Wucht entfalten kann.

Hypnotische Bilder, emotionale Distanz

Dabei beweist Andrea De Sica durchaus Gespür für stilvolle Inszenierung. Der Enkel des großen Regisseurs Vittorio De Sica, dessen Klassiker Fahrraddiebe, Wunder von Mailand oder Gestern, heute und morgen Filmgeschichte geschrieben haben, verfolgt allerdings einen völlig anderen Ansatz. Bereits in I figli della notte und dem Horrorfilm Töte mich nicht interessierte er sich für geschlossene Systeme und Machtstrukturen. The Eyes of Others führt diese Themen konsequent fort und verbindet sie mit Elementen des Erotikthrillers. Die sonnendurchfluteten Bilder der Insel stehen dabei in reizvollem Kontrast zur moralischen Finsternis der Handlung.

So entwickelt der Film über weite Strecken eine hypnotische Wirkung. Die elegante Kamera, die geschmackvolle Ausstattung und die kontrollierte Inszenierung erzeugen einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Gleichzeitig verhindert die dramaturgische Distanz zu den Figuren, dass aus dem stilvollen Thriller ein wirklich großes Psychodrama wird. Vieles bleibt Andeutung, manches wirkt beinahe skizzenhaft, obwohl gerade die komplexen Machtverhältnisse nach einer tieferen Ausleuchtung verlangt hätten.

Am Ende bleibt ein atmosphärisch dichter Erotikthriller, der vor allem von seiner Hauptdarstellerin lebt und stilistisch beeindruckt. Erzählerisch bleibt Andrea De Sica jedoch hinter seinen Möglichkeiten zurück. Die faszinierenden Bilder können nicht vollständig darüber hinwegtäuschen, dass die psychologischen Motive seiner Figuren zu unscharf bleiben.

Credits

OT: „Gli occhi degli altri“
Land: Italien
Jahr: 2025
Regie: Andrea De Sica
Buch: Gianni Romoli, Silvana Tamma, Andrea De Sica
Musik: Andrea Farri
Kamera: Gogò Bianchi
Besetzung: Jasmine Trinca, Filippo Timi, Matteo Olivetti, Anna Ferzetti, Rita Abela, Roberto De Francesco, Carmen Pommela, Alberto Paradossi, Gennaro Apicella, Maria Giulia Toscano, Lidya Liberman, Giuseppe Sanfelice, Vincenzo Crea

Bilder

Trailer

Kaufen / Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.



(Anzeige)

The Eyes of Others
fazit
„The Eyes of Others“ ist ein elegant inszenierter Erotikthriller im Stil europäischer Kinoklassiker der 1960er Jahre. Jasmine Trinca trägt den Film mit großer Ausstrahlung, während die psychologische Zeichnung der Figuren hinter der visuellen Qualität zurückbleibt
Leserwertung0 Bewertungen
0
6
von 10