Inhalt / Kritik

Das schwarze Quadrat

„Das Schwarze Quadrat“ // Deutschland-Start: 25. November 2021 (Kino)

Der erste Teil ihres Planes ist schon einmal aufgegangen: Es ist den beiden Kunsträubern Vincent (Bernhard Schütz) und Nils (Jacob Matschenz) gelungen, das berühmte „Schwarze Quadrat“ zu stehlen, 60 Millionen Euro soll das Gemälde wert sein. Anschließend sind die beiden jedoch nicht wirklich vom Glück verfolgt. Erst klappt das mit den Tickets für das Kreuzfahrtschiff nicht so recht, wo sie das Bild übergeben sollten. Als sie dann spontan zwei anderen ihre Tickets abknöpfen, stellen sie fest, dass ihre beiden Opfer als Elvis- und David-Bowie-Imitatoren angeheuert waren – und sie nun diese Rolle übernehmen müssen. Und als wäre das alles nicht schon kompliziert genug, sind ihnen an Bord bald eine Reihe von Leuten auf den Fersen, darunter die kaltblütige Kunstliebhaberin Martha (Sandra Hüller) …

(Komische) Spannung auf engem Raum

Wer für richtig viel Spannung zwischen Menschen sorgen will, der zwingt sie dazu, miteinander Zeit auf engem Raum zu verbringen. Das gilt sowohl für das Genrekino, kammerspielartige Settings sind gerade in Thrillern und Krimis immer eine dankbare Umgebung, um nach und nach die Intensität zu erhöhen und die Nerven blank zu legen. Agatha Christie tat das ganz gern: In Zehn kleine Negerlein – Das letzte Wochenende steckten die Figuren mit einem Mörder auf einer Insel fest, in Tod auf dem Nil war es ein Schiff, auf dem akute Lebensgefahr bestand. Aber auch Komödien nutzen ganz gern beengte Verhältnisse, um Protagonisten und Protagonistinnen aufeinander zu hetzen, mit dem Ziel, damit das Publikum zu unterhalten.

Auch in Das Schwarze Quadrat geht es nun darum, einander ausgeliefert zu sein. Das geht schon mit einer gewissen Lebensgefahr einher, es dauert nicht lange bis zur ersten Leiche. Über eine gewisse kriminelle Energie verfügen hier ohnehin alle. Dennoch liegt der Schwerpunkt eindeutig auf dem Humor. Schließlich bedeutet der Kampf um das Bild für praktisch jeden, in irgendwelche absurden und zum Teil höchst unangenehme Situationen zu geraten. Und wie das bei Komödien nun einmal so ist: Das Leid des einen ist des anderen Freud, das Publikum darf sich in diversen peinlichen Szenen ganz der eigenen Schadenfreude hingeben. Anlässe dafür gibt es nicht zu knapp. Was als überschaubarer Coup eines Duos beginnt, zieht bald ein halbes Dutzend weiterer Figuren mit hinein, alle mit einem ähnlichen Ziel: Ich will das Bild!

Alle gegen einen

Ein Teil des Spaßes besteht dann auch darin, wie sich in Das Schwarze Quadrat irgendwann gleich vier verschiedene Parteien um das wertvolle Gemälde rangeln und sich dabei ständig in die Quere kommen. Vier Parteien mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen und Herangehensweisen. Wenn die Cruise Managerin Helen (Victoria Trauttmansdorff), die Bordpianistin Mia (Pheline Roggan) und deren herrlich unfähiger Freund Levi (Christopher Schärf) ein Stück vom Kuchen abhaben möchten, dann geht zwangsläufig alles schief, was irgendwie schief gehen kann. Manchmal sogar mehr als das. Aber es ist eben unterhaltsam, auch weil das Ensemble kein Problem damit hat, sich in den unmöglichsten Szenen der Lächerlichkeit hingeben zu müssen.

Einer der Höhepunkte betrifft dabei natürlich die Verwandlung in David Bowie und Elvis Presley. Schon die Vorstellung, dass die Räuber eines millionenschweren Bildes auf einmal irgendwelche Lieder auf der Bühne von sich geben müssen, ist schon irgendwie komisch. Hinzu kommen die Kostüme, da bleibt den beiden Möchtegern-Unterhaltern wirklich gar nichts erspart. Sonderlich feinsinnig ist das natürlich nicht, Das Schwarze Quadrat pflegt da schon einen recht albernen Humor an der Grenze zum Klamauk. Bei der hohen Schlagzahl an Witzen ist zudem klar, dass nicht alle gleichermaßen überzeugen. Schade ist in der Hinsicht auch, dass zwischendurch immer mal wieder etwas auf der Strecke bleibt, so als wären manche Elemente in Vergessenheit geraten.

Kurzweilig und nostalgisch

Die meisten Gags sitzen aber. Der Film ist kurzweilig, das Ensemble bestens aufgelegt. Außerdem kann der Eröffnungsfilm der Hofer Filmtage 2021 mit einem stimmungsvollen Setting punkten. Das Schiff in Das Schwarze Quadrat ist so weitläufig, dass es einem Labyrinth gleicht. Und doch hat es immer etwas sehr Beengtes, gar Klaustrophobisches. So oder so ist es schön in Szene gesetzt, mit all seinem falschen Glamour und falschen Bildern, welche die Runde machen. Die Krimikomödie hat zudem eine reizvoll nostalgische Note, wenn wir hier eine irgendwie völlig aus der Zeit gefallene Geschichte miterleben, wie man sie in der Form heute kaum noch geboten bekommt. Selbst wenn an der einen oder anderen Stelle vielleicht noch mehr Schärfe und Konsequenz gut gewesen wäre, so ist Regisseur und Drehbuchautor Peter Meister doch ein vielversprechendes Debüt geglückt.

Credits

OT: „Das Schwarze Quadrat“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Peter Meister
Drehbuch: Peter Meister
Musik: Andreas Lucas
Kamera: Felix Novo de Oliveira
Besetzung: Bernhard Schütz, Sandra Hüller, Jacob Matschenz, Victoria Trauttmansdorff, Pheline Roggan, Christopher Schärf, Wolfgang Packhäuser, Tobias van Dieken

Bilder

Trailer

Interviews

Wer Spaß an dem Film und den Figuren hatte, für den haben wir noch einen kleinen Nachschlag: Wir haben uns in unseren Interviews zu Das Schwarze Quadrat mit Hauptdarsteller Jacob Matschenz und Regisseur Peter Meister unterhalten und unter anderem zu ihrem eigenen Kunstverständnis befragt.

Jacob Matschenz [Interview 2021]

Peter Meister [Interview]

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Das Schwarze Quadrat
„Das Schwarze Quadrat“ erzählt von zwei Kunsträubern, die sich auf einem Kreuzfahrtschiff als Sängerdouble ausgeben müssen. Die Krimikomödie neigt dabei schon zum Klamauk, ist insgesamt aber unterhaltsam. Neben dem ständigen Chaos, wenn auf einmal zahlreiche Leute einem wertvollen Gemälde hinterherlaufen, sind es das spielfreudige Ensemble und das stimmungsvolle Setting, welche für gute Laune sorgen.
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8.8

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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