In Das Schwarze Quadrat folgen wir den beiden Kunsträubern Vincent (Bernhard Schütz) und Nils (Jacob Matschenz), die auf einem Kreuzfahrtschiff untergetaucht sind, um dort ein wertvolles gestohlenes Gemälde an die Käufer zu übergeben. Dummerweise geht dabei einiges schief: Um ihre Tarnung aufrecht erhalten zu können, geben sie sich als Doubles für David Bowie und Elvis Presley aus. Dabei müssen sie sich nicht nur mit einem kritischen Publikum herumschlagen, sondern auch mit anderen Leuten, die es auf das Bild abgesehen haben. Zum Kinostart der Krimikomödie am 25. November 2021 unterhalten wir uns mit Jacob Matschenz über Kunst, das Singen auf der Bühne und Was-wäre-wenn-Kriminalität.

 

Was hat dich daran gereizt, in Das Schwarze Quadrat mitzuspielen?

Ich fand das Drehbuch einfach wahnsinnig witzig und gut geschrieben und konnte mir direkt etwas darunter vorstellen. Es ist natürlich immer ein blöd, sich mit amerikanischen Filmen zu vergleichen. Aber der Humor hat mich an „Burn After Reading“ erinnert, den ich auch sehr gerne mag. Außerdem wusste ich schon, dass Bernhard Schütz meinen Kompagnon spielen würde. Das zusammen mit dem Drehbuch waren schon zwei sehr gute Gründe für mich.

Wie würdest du deine Figur Nils beschreiben?

Naiv. Er hat ein gutes Herz am rechten Fleck, aber ist nicht unbedingt die hellste Kerze auf der Torte.

Nils verdient ja sein Geld mit Diebstahl. In den meisten Filmen sehen wir zu, wie die Verbrecher von der Hauptfigur gejagt werden. Bei Das Schwarze Quadrat wechseln wir die Seiten und schauen den Verbrechern zu. Worin liegt aus Zuschauersicht der Reiz bei einem solchen Perspektivwechsel?

Da ist zum einen der Reiz des Verbotenen, klar. Es ist wahnsinnig verführerisch, wenn da auf einmal jede Menge Geld im Raum steht. Wir kennen alle dieses Gedankenspiel: Was würdest du machen, wenn du einen Koffer mit einer Million findest? Da kommt dann schon der eine oder andere ins Grübeln, ob er damit zum Fundbüro geht oder das nicht doch lieber selbst einsteckt. Diese Was-wäre-wenn-Fragen sind als Zuschauer immer spannend, egal ob es jetzt um apokalyptische Endzeitgeschichten geht oder große Schätze. Das kratzt an den niedrigsten Instinkten.

Und hast du denn für dich selbst eine Antwort gefunden, wie du dich in der Situation verhalten hättest? Was würdest du machen, wenn du auf einmal Das Schwarze Quadrat gefunden hättest?

Ganz ehrlich: Ich hätte es vermutlich nicht einmal als Kunst erkannt. Ich wäre da wahrscheinlich wie der Typ am Anfang, der sagt: „Mein Kind könnte das besser.“ Mir war das kein Begriff. Meine Schwester hat aber in Leipzig Kunst studiert. Die kannte das natürlich sofort, als ich mit ihr darüber gesprochen habe. Aber selbst wenn ich gewusst hätte, was das ist, und den Wert erkannt hätte, hätte ich nicht gewusst, was ich damit anfangen soll, da ich keine entsprechenden Verbindungen zur Unterwelt habe. Ich wäre schon an der Aufgabe gescheitert, einen Käufer zu finden. Ich kenne niemanden, der mal so 30 Millionen locker hat, die er dafür zahlen kann. Deswegen hätte ich das Bild wahrscheinlich schon zurückgegeben.

Du hast eben schon gemeint, dass du das Bild nicht als Kunst erkannt hättest. Und ein bisschen macht sich der Film ja auch darüber lustig, indem mehrere davor stehen und sich fragen, was das genau soll. Wie würdest du denn für dich Kunst definieren?

Kunst ist für mich etwas, das mich berührt und bewegt. Deswegen ist Kunst auch immer subjektiv. Manche Leute sind von etwas bewegt, weil sie den Kontext kennen oder davon Ahnung haben. Manche sind von Ballett berührt, andere können damit nichts anfangen. Oder Opern. Da findet auch nicht jeder Zugang zu. Für manche ist ein schön geschreinerter Tisch Kunst.

Was wäre denn Kunst, die dich berührt?

Kunst, die mich berührt, ist meist Musik. Da habe ich wahnsinnigen Respekt vor. Ich spiele selbst leider kein Instrument, höre aber sehr viel und sehr gerne Musik. Das geht für mich über das Ohr direkt in die Seele. Für mich ist daher Musik die ultimative Kunst.

In dem Film müssen sich eure beiden Figuren ständig als jemand anderes ausgeben, ähnlich wie du es als Schauspieler tust. Muss man ein guter Schauspieler sein, um ein Gauner sein zu können?

Um ein guter Gauner sein zu können wahrscheinlich schon. Wenn du Leute übers Ohr hauen willst, hilft es natürlich, wenn du ihnen etwas vorspielen und sie von deinen Geschichten überzeugen kannst. Wenn du hingegen einfach eine Tankstelle ausrauben willst, mit Pistole und Maske, da brauchst du das dann wohl weniger.

Eure beiden Figuren im Film sind in diese Gaunerrolle eher reingerutscht. Die Figur, die Bernhard spielt, wollte eigentlich selbst Künstler werden und ist daran gescheitert. Hattest du für dich einen Plan B, wenn es mit deiner Kunst nicht geklappt hätte?

Es gab sogar mehrere. Physiotherapeut zum Beispiel. Ich habe auch mit Koch geliebäugelt, habe das aber schnell über den Haufen geworfen, weil das einfach ein so wahnsinnig stressiger und undankbarer Beruf ist. Mittlerweile würde ich auch gern ein bisschen Landschaftsgärtner sein, so richtig schön mit Pflanzen und Natur.

Das ist jetzt aber eine ziemlich breite Mischung.

Ja, das stimmt. Aber ich finde es schön, etwas zu machen, wo du auch wirklich siehst, was du tust, und wo etwas ganz Konkretes daraus wirst. Beim Gärtner zum Beispiel, wo du siehst, wie etwas wächst. Wenn du schauspielst, bleibt in dem Sinn nichts zurück. Zumindest nichts Physisches.

In Das Schwarze Quadrat hast du nicht nur gespielt, sondern auch auf der Bühne gestanden und gesungen. Wie war das für dich?

Furchtbar. Ich habe wirklich Rotz und Wasser und alle sonstigen Flüssigkeiten geschwitzt, die der menschliche Körper so hergibt. Ich mag auch kein Karaoke oder so. Wie gesagt, ich mag Musik wahnsinnig gern, bin aber selbst kein Musiker.

Das fällt jetzt also nicht unter deinen Plan B.

Ha ha, nein, auf keinen Fall. Ich habe über den Film zwar schon ein bisschen meinen Frieden damit machen können. Es war auch schön, dass ich mit einem Gesangscoach arbeiten konnte. Da habe ich schon gemerkt, wie schön es sein kann, auf der Bühne zu stehen und zu singen. Aber ich würde jetzt nicht unbedingt weitere Rollen suchen, bei denen ich singen muss. Das ist dann doch ein zu großer Stressfaktor für mich. Singen an sich ist für mich schon okay. Aber ich muss schon ein großes Vertrauen zu den Leuten haben, vor denen ich singen soll.

Und wenn du es doch tun müsstest und die freie Auswahl hast, was du singen darfst, was würdest du wählen? In Das Schwarze Quadrat war das mit Elvis Presley ja vorgegeben.

Das hängt natürlich immer so ein bisschen von der aktuellen Tagesstimmung ab. Heute und jetzt würde ich sagen Alles grau von Isolation Berlin. Das ist ein so schöner und melancholischer Song.

Der Auftritt deiner Figur geschieht im Rahmen einer Kreuzfahrt. An sowas scheiden sich ja immer ein wenig die Geister. Für manche ist eine Kreuzfahrt ein echter Traumurlaub, andere können damit gar nichts anfangen. Wie sieht das bei dir aus?

Ich selbst finde das ganz furchtbar. Du bist die ganze Zeit so eingepfercht in einer Riesenbüchse und dir wird ein Programm vorgesetzt. Klar, du kannst dir aussuchen, was du dir davon anschaust. Aber für mich wäre das nichts. Eine Segeltour könnte ich mir noch vorstellen, gemeinsam mit Freunden über die Karibik zu schippern oder so. Eine Kreuzfahrt nicht. Das ist diese alte Idee davon, die Welt zu sehen: an jedem Hafen einmal Halt machen und in drei Stunden alles anschauen, danach geht es weiter. Das reizt mich jetzt gar nicht. Von den umwelttechnischen Gründen ganz zu schweigen.

Letzte Frage: Welche Projekte stehen bei dir an?

Als nächstes läuft in der ARD die Serie Legal Affairs mit meiner Kollegin Lavinia Wilson. Da geht es um eine Medienanwältin in Berlin. Im Januar soll dann endlich Wanda mein Wunder starten, ein Schweizer Film, der mir sehr am Herzen liegt und leider mehrfach verschoben werden musste. Außerdem hatte ich eine kleine Rolle in Stille Post, auch ein sehr wichtiger Film.

Vielen Dank für das Gespräch!

Zur Person
Jacob Matschenz wurde 1984 in Ost-Berlin geboren. Sein Debüt gab er 2001 in dem Diplomfilm Kleine Krise von Regisseur Jakob Hilpert. Für den Coming-of-Age-Film Das Lächeln der Tiefseefische (2005) erhielt er beim Filmfest Max Ophüls Preis eine Auszeichnung als bester Nachwuchsdarsteller. Für seine Darstellung als Soldat in dem TV-Film An Die Grenze (2007) bekam er den Adolf Grimme Preis. Im Kino machte er beispielsweise durch die Buchverfilmung Die Welle (2008) von sich reden. Sein bislang erfolgreichster Film an den Kinokassen war Mein Blind Date mit dem Leben (2017), wo er einen unbekümmerten Hotel-Auszubildenden spielte.



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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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