
Als in einem Wald das Skelett eines Mannes gefunden wird, dem jemand in den Kopf geschossen hat, scheint der Fall klar zu sein: Es muss Thorbjörn, der Besitzer des Guts, auf dem sich der Wald befindet. Schließlich ist der vor zehn Jahren spurlos verschwunden. Doch bei der Untersuchung stellt sich heraus, dass der Tote deutlich jünger gewesen sein muss. Tatsächlich stellt sich heraus, dass es sich bei der Leiche um den drogenabhängigen Jonathan handelt. Aber warum hat ihn jemand erschossen? Und warum dort? Iris Broman (Sofia Helin) und Kerstin (Kajsa Ernst) von der Abteilung für ungelöste Fälle bei der Kriminalpolizei von Malmö nehmen sich der Sache an und ermitteln. Zur gleichen Zeit sorgt ein neuer Dokumentarfilm um Thorbjörn und dessen Familie für Wirbel, weshalb auch dieser Fall neu aufgenommen wird …
Viele kaputte Leute
Der späte Sonntagabend gehört im ZDF bekanntlich dem Krimigenre. Genauer werden dann internationale Serien und Reihen ausgestrahlt, meisten handelt es sich dabei um europäische Produktionen. Zuletzt war auf diese Weise die britische Serie Under Salt Marsh – Tod in den Salzwiesen zu sehen, wo der Tod eines Jungen die Menschen eines Küstendorfs aufwühlt. Nun meldet sich mit Iris – Die Wahrheit ein Genrebeitrag aus Schweden zurück. Bald drei Jahre ist es her, dass die erste Staffel bei uns gezeigt wurde. Damals ging es darum, dass die Polizistin, die durch den Mord an ihrem Lebensgefährten traumatisiert wurde, einen Neuanfang sucht. Nun kommt eine zweite Staffel und erzählt, wie es mit der Protagonistin weitergegangen ist.
Man muss dabei die erste Staffel nicht zwangsläufig gesehen haben, um hier einsteigen zu können. So wird zwar noch einmal auf die Sache mit dem Lebensgefährten Bezug genommen, wenn die Geschichte nach wie vor nicht ganz ausgeklärt ist. Dennoch, Vorkenntnisse braucht es nicht. Die Geschichte dient wohl auch in erster Linie dazu, den desolaten Seelenzustand der Protagonistin zu erklären. Denn eines vorweg: Wer Krimis sehen möchte, in denen die Polizei souverän ist und alles im Griff hat, macht um Iris – Die Wahrheit besser einen Bogen. So gibt es mehrere Szenen, in denen sowohl die Titelfigur wie auch ihre Kollegin Kerstin die Kontrolle verlieren. Zumal da auch noch ein privater Nebenstrang ist, der sich um das Love Interest Niklas (Pål Sverre Hagen) dreht. Ein völlig überflüssiger Nebenstrang, der zudem dreist konstruiert ist.
Wendungsreich und sehr tragisch
Dennoch ist die zweite Staffel in der Hinsicht erträglicher geworden. Zwar wird auch dieses Mal nicht an Drama gespart. Beispielsweise entpuppt sich die Familie des verschwundenen Gutsbesitzers als völlig dysfunktional. Die einzelnen Mitglieder können teilweise nicht mehr miteinander sprechen, haben wirtschaftliche Probleme, sind drogenabhängig. Auch das hätte es in der Form nicht gebraucht, bei Iris – Die Wahrheit hat man das Gefühl, es nur mit verkrachten und verkorksten Menschen zu tun zu haben. Zumindest aber verteilt sich das alles besser. Und bis auf wenige Ausnahmen ist das noch nachzuvollziehen. Manches geht einem sogar wirklich nahe, auch weil das Ensemble eine gute Arbeit macht.
Bei dem Kriminalfall – genauer genommen sind es ja sogar zwei – wird es wenig überraschend ebenfalls dramatisch, weil die Verbrechen der Hauptgeschichte alle aus Schmerz, Wut und Verzweiflung heraus geschehen sind. Oft bringt die Auflösung gleichzeitig eine Art Erlösung mit sich, wenn ein Unrecht gesühnt wird. Bei Iris – Die Wahrheit ist das nicht so, wenn danach irgendwie noch mehr in Trümmern liegt als zuvor. Zu rätseln gibt es dabei schon einiges, wenn parallel nach zwei verschiedenen Antworten gesucht wird und lange offenbleibt, was genau geschehen ist – und aus welchem Grund. Vor allem aber gibt es eben einiges zu fühlen. Selten lässt einen ein Krimi im Anschluss vergleichbar niedergeschlagen zurück, wie es hier der Fall ist.
OT: „Sanningen“
Land: Schweden, Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Johan Lundin
Drehbuch: Camilla Ahlgren, Martin Asphaug
Musik: Andreas Tengblad
Kamera: Simon Pramsten
Besetzung: Sofia Helin, Håkan Bengtsson, Kajsa Ernst, Inez Micaella Andersson, Pablo Leiva Wenger, Peter Gardiner, Casper Crump, Klara Hodell Risberg, Marika Lindström, Pål Sverre Hagen, Björn Bengtsson, Rakel Benér Gajdusek
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