
In Lake Tahoe im US-Bundesstaat Nevada leitet Steve McCluskey (Tony Curtis) ein gut florierendes Spielcasino mit angeschlossenem Hotel. Privat leidet er noch immer unter seiner rachsüchtigen Ex-Frau Liz (Mary Murphy), die ihn von Louie Blanchard (Kevin McCarthy) überwachen lässt, da er bei Übertreten der Grenze zu Kalifornien unterhaltszahlungspflichtig gemacht werden kann. Als ein glückloser Spieler im Casino seine fünfjährige Tochter Penny (Claire Wilcox) zurücklässt, muss Steve erstmals richtige Verantwortung übernehmen, da er das Mädchen vorübergehend in seinem Hotelzimmer einquartiert. Als Sängerin tritt im Casino derzeit Chris Lockwood (Suzanne Pleshette) auf, die vom Casino-Besitzer Bernie Friedman (Phil Silvers) protegiert wird. Trotz anfänglicher Differenzen zwischen ihr und Steve raufen sich die beiden gegensätzlichen Menschen zusammen, um sich gemeinsam um Penny zu kümmern. Deren größter Wunsch besteht darin, Disneyland in Anaheim bei Los Angeles zu besuchen, das sich aber dummerweise im US-Bundesstaat Kalifornien befindet. Babysitter wider Willen Im Jahr 1962 entschloss sich der beliebte Filmstar Tony Curtis (1925-2010), mit seiner eigenen Produktionsgesellschaft Curtis Enterprises seinen ersten (und letzten) eigenen Kinofilm, Ein Rucksack voller Ärger, zu produzieren. Zuvor hatte er mit Curtleigh Productions, die er gemeinsam mit seiner ersten Ehefrau Janet Leigh (Psycho) geleitet hatte, Filme wie Taras Bulba in die Kinos gebracht. Als Vertriebspartner für Ein Rucksack voller Ärger fungierte Universal Pictures, für die Curtis u.a. kurz davor in Spartacus vor der Kamera gestanden hatte. Inhaltlich griff man bei dem Film auf die Kurzgeschichte „Little Miss Marker“ von Damon Runyon zurück, der in den USA äußerst beliebt war und zuvor auch schon für Filme wie die Abbott & Costello-Komödie It Ain’t Hay oder den Bette-Davis-Klassiker Die unteren Zehntausend die Vorlagen verfasst hatte. „Little Miss Marker“ war vor und nach Ein Rucksack voller Ärger noch zwei weitere Male verfilmt worden. Zunächst im Jahr 1949 mit Bob Hope als Star unter dem Titel Der besiegte Geizhals, und schließlich noch einmal 1980 als Ein reizender Fratz mit Walter Matthau in der Hauptrolle, die heute sicherlich bekannteste Variante des Runyon-Stoffes. Tony Curtis ließ sich im Film von Newcomer Norman Jewison perfekt in Szene setzen. Der spätere Regisseur von Filmklassikern wie In der Hitze der Nacht oder Rollerball hatte beim Fernsehen begonnen und dort Revueshows für Danny Kaye, Harry Belafonte oder Judy Garland verantwortet. Ein Rucksack voller Ärger ist denn auch in erster Linie ein Starvehikel für Tony Curtis geworden, der mit dick aufgetragenem Mascara eine windige Mischung aus Spielernatur und Schwerenöter spielt, der als Babysitter wider Willen über die wirklich wichtigen Dinge im Leben nachzudenken beginnt und schließlich alles dafür tut, um der kleinen Penny Piper ein liebevoller und treusorgender Ersatzvater zu werden. Dass bei einem Film dieser Art auch die romantischen Elemente nicht zu kurz kommen dürfen, wird schon recht früh ersichtlich. Denn die Animositäten zwischen dem Casinomanager und seiner ungeliebten Sängerin weisen dem Publikum schon früh den Weg zu einem romantischen Happy Ending, da diese Stereotypen in romantischen Komödien bis heute Bestand haben. Nebenbei bot der Film seiner Hauptdarstellerin Suzanne Pleshette auch die Gelegenheit, mit „If You“ eine kleine Gesangsnummer zu präsentieren, die entgegen der anfänglichen Bedenken von Seiten des Casino-Personals überaus professionell und mitreißend ausfällt. Ein Spieler mit Herz Heimlicher Star des Films ist hingegen die zum Zeitpunkt der Dreharbeiten sechsjährige Claire Wilcox, die hier zum ersten Mal auf der großen Leinwand zu sehen war und durch ihren frechen Charme schnell die Herzen der Zuschauer und der erwachsenen Figuren in der Geschichte erobert. Wilcox war in den nächsten zehn Jahren noch in etlichen Fernsehserien mit von der Partie, übernahm eine wiederkehrende Rolle in der hierzulande nicht ausgestrahlten Serie Harris Against the World als Filmtochter von Jack Klugman, ehe sie der Schauspielerei noch als Teenagerin den Rücken zuwandte. Einen weiteren wichtigen Part im Film hat Komiker Phil Silvers (Eine total, total verrückte Welt) übernommen, der in seinen ersten Szenen lediglich von hinten gefilmt wird, was ihm eine mysteriöse Aura verleiht, die man in späteren Jahren auch gerne wirkungsvoll beim Bond-Gegner Blofeld einzusetzen verstand. Der Film ist insgesamt sehr vorhersehbar konstruiert und hat nur wenige Momente zu bieten, in denen man über die Ereignisse wirklich schmunzeln kann. Der größte Reiz des hierzulande seit etlichen Jahrzehnten nicht mehr gezeigten Films besteht darin, dass ein knappes Drittel tatsächlich in Disneyland in Anaheim gedreht wurde. Was seinerzeit ein Novum war, bietet uns heute jede Menge nostalgischer Einblicke in die damals topaktuellen Attraktionen wie die Matterhorn Bobsleds oder die Autopia-Rennbahn, die effektvoll in die Handlung integriert wurden. Zeitgenössisches Werbematerial belegt darüber hinaus, dass die Disneyland-Sequenzen im Film auch damals bereits als Highlight vermarktet wurden. Fans der beteiligten SchauspielerInnen und Liebhaber von Freizeitparks sollten deswegen durchaus mal einen Blick auf diese filmische Rarität werfen, die bei Explosive Media nun erstmals auf BluRay (sowie parallel auch auf DVD) veröffentlicht worden ist. Das Bild (im Widescreen-Format 2,35:1) ist gut ausgefallen und weist nur an den Aktwechseln Alterungserscheinungen auf. Der Ton (Deutsch und Englisch im DTS HD Master Audio 2.0 Stereo, optional mit deutschen und englischen Untertiteln) ist nicht zu beanstanden. Eine einzelne Szene, die für die damalige deutsche Kinoauswertung geschnitten worden war, liegt im Original mit deutschen Untertiteln vor. Die Extras umfassen englischsprachige Trailer und Teaser und eine kleinere animierte Bildergalerie mit internationalem Werbematerial zum Film. 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Land: USA
Jahr: 1962
Regie: Norman Jewison
Drehbuch: Marion Hargrove
Musik: Mort Lindsey
Kamera: Joseph MacDonald
Besetzung: Tony Curtis, Suzanne Pleshette, Claire Wilcox, Phil Silvers, Larry Storch, Howard Morris, Edward Andrews
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