Kritik

Psycho 1960

„Psycho“ // Deutschland-Start: 7. Oktober 1960 (Kino) // 9. November 2006 (DVD)

Eigentlich würden Marion (Janet Leigh) und Sam (John Gavin) gerne heiraten, doch leider erlaubt Sams finanzielle Lage dies nicht. Nach einem erneuten heimlichen Treffen mit ihm ergibt sich allerdings eine Möglichkeit, an Geld zu kommen, denn in ihrer Funktion als Sekretärin in einem Maklerbüro wird Marion beauftragt, eine hohe Geldsumme zur Bank zu bringen. Marion flieht jedoch mit dem Geld und macht sich auf nach Fairvale, Kalifornien, wo Sam wohnt, doch die Fahrt ist lang und Marion meint immer wieder, sie werde verfolgt und wird geplagt von ihrem schlechten Gewissen. Schließlich schlägt das Wetter um und sie macht Halt an Bates Motel, einem Hotel, geführt von Norman Bates (Anthony Perkins) nahe des Freeways, welches schon bessere Zeiten gesehen hat. Im Gespräch mit Norman spricht dieser über die schwierige Beziehung zu seiner Mutter, die er sehr liebt, aber die über jeden Schritt in seinem Leben Auskunft haben will und durch ihre Krankheit sehr bettlägerig ist. Von der Unterhaltung aufgewühlt, beschließt Marion, am nächsten Morgen wieder zurück nach Phoenix zu fahren, doch noch am selben Abend wird sie von Normans Mutter grausam umgebracht. Der schockierte Norman beseitigt alle Spuren von der Gräueltat, doch schon Tage später sind nicht nur Marions Schwester Lila (Vera Miles) auf der Suche nach ihr, sondern auch ein Detektiv (Martin Balsam), die alles daran setzen, die Vermisste zu finden, wobei sie für Norman und seine Mutter zu einer Bedrohung werden.

Die Einsamkeit der Seele

Nach dem großen kommerziellen wie künstlerischen Erfolg mit Der unsichtbare Dritte standen Regisseur Alfred Hitchcock in der Traumfabrik alle Türen offen, weshalb man sich in der Branche nicht wenig wunderte, als dieser sein nächstes Projekt bekannt gab. Dessen Wahl fiel auf Robert Blochs Roman Psycho, der wiederum inspiriert war von den Bluttaten Ed Geins, der 1957 für die Morde an zwei Frauen verhaftet werden konnte, deren Körper er auf grausame Weise zerstückelt hatte. Weil sich in Hollywood niemand so recht begeistern konnte für die blutige Vorlage, gab sich Hitchcock mit einem für seine Verhältnisse geringen Budget zufrieden und drehte Psycho mit einer Crew, die vor allem im Fernsehen Erfahrung gesammelt hatte. Entstanden ist dabei einer der einflussreichsten Filme der Thriller- und Horrorgenre, das Porträt einer gestörten Seele und die monströsen Auswüchse von Liebe und Einsamkeit.

Für viele ist neben der berühmten Duschszene die letzte Einstellung Normans ikonisch, wie er selig und mit einer gewissen Verschlagenheit in die Kamera lächelt begleitet von jenem Voice-Over, in dem es heißt, er könne doch keiner Fliege etwas zur Leide tun. Unheilvoll auf der einen Seite, doch andererseits ein sehr bitteres Happy End, betont es doch noch einmal, wie sich hier jemand einen Weg aus der niederschmetternden Einsamkeit und des Mangels an Liebe gebahnt hat, auch, wenn dies von ihm einen hohen Preis verlangte. Das Beunruhigende an jemandem wie Norman sind weniger seine Taten, sondern seine Illusion von einer Welt, in der er nicht mehr länger alleine ist und in der sich jemand um ihn kümmert. Diese Fürsorge und Liebe, die er spürt, ist bedingungslos, sie duldet, wie Norman selbst sagt, keinerlei Konkurrenz und muss um jeden Preis beschützt werden.

Im Allgemeinen sind Einsamkeit und Liebe die Hauptmotivationen der Figuren in Psycho. Aus Sehnsucht nach ihrem Geliebten begeht Marion eine Straftat und isoliert sich damit zusehends selbst bis sie in einem Randbezirk einer Stadt, in einem einsamen Motel landet und einen einsamen Tod stirbt. Alle werden wir manchmal etwas wütend oder verrückt, wie Norman es sagt, doch der Mangel an Liebe macht uns auf Dauer zu wahren Monstern oder lässt uns nach Auswegen suchen. So ist Psycho dann auch das Psychogramm eines Einsamen.

Im Abseits

Zentral für die Dramaturgie der Geschichte sind zudem seine Orte und die Art, wie Hitchcock diese inszeniert. Das Bates Motel und die billige Absteige, in der sich Marion und Sam zu Anfang des Films treffen, sind jene Zwischen-Orte, in denen sich die Figuren befinden, keine wirkliche Heimat, sondern mehr ein Aufenthaltsort, an dem man sich der Illusion eines Lebens zu zweit hingibt. Es sind Orte, an denen Leben und Tod einhergehen, wie man an dem obskuren Sammelsurium an ausgestopften Vögeln in Bates Motel sieht. Anstatt Rückzug zu bieten, betonen diese Orte nicht nur die unheimlichen Elemente der Handlung, sondern auch die Isolation der Figuren, die bestenfalls auf einen verbotenen Blick in das Leben eines anderen werfen dürfen.

Die Begrenzung des filmischen Raumes wird besonders deutlich, wenn man bedenkt, dass sich ein nicht geringer Teil der Handlung im Inneren eines Autos abspielt. Zum einen als Symbol ihrer Einsamkeit, dann aber auch als Moment der Konfrontation mit ihrer eigenen Schuld zeigt sich Hitchcock nach Das Rettungsboot und Cocktail für eine Leiche abermals als ein Regisseur, der wenig braucht um maximale Spannung und Dramatik zu erzielen.

Credits

OT: „Psycho“
Land: USA
Jahr: 1960
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Joseph Stefano
Vorlage: Robert Bloch
Musik: Bernard Herrmann
Kamera: John L. Russell
Besetzung: Anthony Perkins, Janet Leigh, Vera Miles, John Gavin, Martin Balsam, John McIntire

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 1961 Beste Regie Alfred Hitchcock Nominierung
Beste Nebendarstellerin Janet Leigh Nominierung
Beste Kamera – Schwarzweiß John L. Russell Nominierung
Bestes Szenenbild – Schwarzweiß Joseph Hurley, Robert Clatworthy, George Milo Nominierung
Golden Globe Awards 1961 Beste Nebendarstellerin Janet Leigh Nominierung

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Psycho (1960)
Alfred Hitchcocks „Psycho“ ist ein Meilenstein des Spannungs- und Horrorkinos. In allen Belangen brillant umgesetzt ist dies eine Geschichte über Einsamkeit und Liebe, was die Sehnsucht nach Zweisamkeit aus Menschen macht und in was sie diese verwandelt. Ein beachtliches Stück Filmgeschichte.
10von 10

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