Auch wenn aus heutiger Sicht Final Fantasy nicht mehr so wahnsinnig viel zu bieten hat, war das Rollenspiel 1987 doch ein so großer Erfolg, dass es nicht lange dauerte, bis daraus ein richtiges Franchise wurde. Dabei versuchte man mit jedem Teil wieder etwas Neues. So experimentierte Final Fantasy II mit dem Level-System, wenn sich die Figuren nicht durch Erfahrungspunkte, sondern konkrete Aktionen verbesserten. Final Fantasy III warf dieses noch immer umstrittene System wieder in die Tonne, gab dafür den Spielern und Spielerinnen die Möglichkeit, ihren Figuren Klassen frei zuzuteilen. 1991 folgte dann Final Fantasy IV und machte wieder vieles anders. Die Sache mit den Klassen hatte sich wieder erledigt, jede Figur hat eine festgelegte, an der sich nichts ändern ließ. Für manche bedeutete dies einen Rückschritt, sich nicht mehr nach eigener Vorstellung ein Team zusammenstellen zu können.
Richtige Charaktere
Dafür wagte man hier zum ersten Mal, den Figuren auch eine tatsächliche Identität zu geben. Anstatt sich mit generischen Helden und Heldinnen zufriedengeben zu müssen, haben alle hier einen Namen und eine eigene Geschichte. Im Mittelpunkt von Final Fantasy IV steht Cecil Harvey, der einzige Charakter, der von Anfang bis zum Schluss der Party angehört. Dabei handelt es sich um einen Dunkelritter im Auftrag des Königreichs Baron steht und gemeinsam mit seinem Kindheitsfreund Kain Highwind Missionen erfüllt. Er stürzt jedoch eines Tages in einen Gewissenskonflikt, weil Baron auf der Suche nach Macht über Leichen geht. Ein typischer Bösewicht also. Zusammen mit wechselnden Mitstreitern und Mitstreiterinnen wie dem greisen Zauberer Tellah oder der Beschwörerin Rydia gilt es, ihn aufzuhalten und dabei mehr über die Hintergründe zu erfahren.
Die Geschichte ist dabei komplexer als bei den Vorgängern, aber immer noch nicht wirklich interessant. Das Spiel lebt vielmehr von den Charakteren selbst, die teilweise so viel Persönlichkeit haben, dass sie einem mit der Zeit wirklich ans Herz wachsen. Das merkt man besonders in den düsteren Passagen, wenn reihenweise Menschen sterben müssen. Final Fantasy IV ist zuweilen aber auch überraschend amüsant. Denn nur, weil zwei Leute für dieselbe Sache kämpfen, heißt das nicht zwangsläufig, dass sie sich gut verstehen. Aber das sind nur Tupfer in einem Game, das vor allem episch sein will. Das erreicht es nicht nur durch die besagte Geschichte, die lokal anfängt und danach immer großer wird. Auch die ziemlich umfangreiche Spielewelt, die mehr enthält als die anfängliche Karte suggeriert, vermittelt das Gefühl, Teil eines großen Abenteuers zu sein.
Neues Kampfsystem
Die größte Neuerung in spieltechnischer Hinsicht ist sicherlich das Active Time Battle System. So ist das Kampfsystem von Final Fantasy IV zwar noch immer menübasiert: Der Spieler bzw. die Spielerin wählt pro Charakter eine Aktion aus, beispielsweise ein physischer Angriff, ein Zauberspruch oder auch Verteidigung. Der Clou ist aber, dass man hier nicht zu Beginn der Runde gemütlich die Aktionen festlegt. Stattdessen laufen die Kämpfe in Echtzeit ab. Wie schnell eine Aktion ausgeführt wird, hängt dabei zum einen von der Aktion ab: Während manche ganz fix sind, brauchen mächtigere länger. Außerdem spielt die Geschwindigkeit der Charaktere eine Rolle. Das Spiel stellt also eine Zwischenposition aus klassischen rundenbasierten Kämpfen und Actionkämpfen dar. Das kann manchmal ein bisschen hektisch sein, sorgt aber auch für Spannung.
In der Summe macht das alles Spaß. Im Gegensatz zu den ersten drei Teilen, die eher aus historischen Gründen einen Blick wert sind, ist Final Fantasy IV tatsächlich noch immer empfehlenswert. Natürlich ist die Grafik in die Jahre gekommen, selbst wenn sie für das damalige Super NES durchaus gut war. Dem Soundtrack hat der Zahn der Zeit hingegen wenig angetan, der ist noch immer klasse. Zusammen mit den anderen besagten Stärken kommt da genug zusammen, damit es sich lohnt, den Klassiker aufzusuchen, sei es zum ersten Mal oder in der Wiederholung. Selbst wenn andere Teile später besser waren, das hier markierte mit seinem stärker auf die Geschichte ausgerichteten Fokus einen Meilenstein des Franchises und war eines der besten Rollenspiele der damaligen Zeit.
OT: „Final Fantasy IV“
Land: Japan
Jahr: 1991
Director: Hironobu Sakaguchi
Producer: Masafumi Miyamoto
Designer: Takashi Tokita
Texte: Takashi Tokita, Hironobu Sakaguchi
Musik: Nobuo Uematsu
Publisher: Square
Entwickler: Square
Plattformen: Browser, Mobile, Super NES, Nintendo 3DS, Nintendo Switch, PC, PlayStation 4, PlayStation Portable
Wer mehr erfahren möchte, in unserem Special zu 30 Jahren Final Fantasy werfen wir einen Blick auf die Spiele und die Adaptionen. Dazu gibt es all unsere Kritiken zum Franchise versammelt an einem Ort.
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