
Eigentlich wollte Clemens Hoffman (Oliver Mommsen) ja die Welt umrunden, um seinen stressigen Alltag hinter sich lassen zu können. Die Vorbereitungen sind alle längst getroffen. Doch am Vortag erfährt der erfolgsverwöhnte Chirurg, dass seine Schwester Doro (Seraphine Rastl) bei einem Unfall ums Leben gekommen ist. Viel Zeit zum Trauern bleibt ihm nicht, da er sich um ihren Nachlass kümmern muss. Das bedeutet nicht nur viele Schulden. Komplizierter noch ist, dass Doro testamentarisch festhielt, dass ihr Bruder sich um ihre drei Kinder Kristina (Alice Prosser), Benny (Felix Staudigl) und Judy (Isabel Steszgal) kümmern soll. Aber wie soll das gehen? Clemens hatte selbst nie Kinder, wollte sich nicht derart stark binden und lieber die Freiheit genießen. Damit ist es dann schlagartig vorbei, was nicht nur für ihn mit einer großen Umgewöhnung einhergeht …
Familie oder nicht?
Was bedeutet Familie eigentlich? Und habe ich ein Mitspracherecht dabei, wer dazu zählt und wer nicht? Das sind Fragen, mit denen wir uns im Leben immer mal wieder herumplagen und die entsprechend dankbarer Stoff sind für Filme. Da geht es dann oft um Konflikte und Unverträglichkeiten, die im Alltag oder zu besonderen Anlässen hervorbrechen. Man findet aber auch immer mal wieder Geschichten um Menschen, die sich nach dem Tod von Angehörigen um deren Kinder kümmern sollen. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist das oscargekrönte Drama Manchester by the Sea. Aber auch Familienbande und Scrapper arbeiteten mit solchen Szenarien. Und eben Der beste Papa der Welt.
Der österreichische Fernsehfilm wählte für die Hauptfigur jemanden aus, der auf den ersten Blick denkbar ungeeignet ist, eine solche Rolle zu übernehmen. Aber das ist ja oft der Fall in solchen Filmen. Ginge es um jemanden, der sowieso Kinder will oder problemlos diese in seinem Leben integrieren kann, gäbe es ja keine Geschichte zu erzählen. Und so ist Clemens dann auch ein Mann, der eigentlich viel zu frei und ungebunden ist, um sich auf einmal um andere Leute kümmern zu können. Der beste Papa der Welt versucht, aus diesem Konflikt zwischen persönlichem Drang und familiärer Pflicht komisches Kapital zu schlagen. Das Publikum soll darüber lachen, wie sich jemand abstrampelt und an seine Grenzen stößt. Vor allem eben auch, weil der Protagonist sonst so souverän ist und dem alles zuzufliegen scheint.
Vorhersehbar und dick aufgetragen
Gleichzeitig will der Film aber auch zu Herzen gehen. Das gelingt ihm mal besser, mal schlechter. Hin und wieder sind da schon rührende Momente dabei, die leise gehalten sind und von der vorsichtigen Annäherung erzählen. Insgesamt ist das aber doch eher ein Drama aus der Holzhammerfraktion. Vor allem diese penetrante Musik, die den Zuschauern und Zuschauerinnen vorgeben will, was sie zu fühlen hat, macht es einem schwer, sich überhaupt auf diese Geschichte einzulassen. Dann und wann wird es in Der beste Papa der Welt sogar richtig kitschig. Offensichtlich vertraute man nicht darauf, dass das Szenario sich selbst trägt, weshalb noch einmal richtig dick aufgetragen wurde, damit auch bloß alle vor den Fernsehern zu Hause etwas fühlen.
Wobei die Geschichte für sich genommen tatsächlich nicht besonders gut ist. Selbst wenn man von diesem bewährten Szenario absieht, ist da einfach nichts dabei, was wirklich eine eigene Handschrift zeigen würde. Eine Persönlichkeit. Vom ersten Moment an weiß man ziemlich genau, wie sich das alles abspielen wird. Überraschungen und Wendungen sind ebenso Fehlanzeige wie Ambivalenzen oder auch interessante Diskussionsanstöße. Manche werden das auch gar nicht brauchen, das Fernsehen ist schließlich voll von solchen streng genormten Fließbandproduktionen. Aber es ist schon schade, dass man bei Der beste Papa der Welt keine größeren Ambitionen hatte und kein Fingerspitzengefühl bewiesen hat. Denn mehr als Pflichterfüllung ist so am Ende nicht herausgesprungen.
OT: „Der beste Papa der Welt“
Land: Österreich
Jahr: 2019
Regie: Sascha Bigler
Drehbuch: Markus Gull
Musik: Roman Kariolou
Kamera: Ralf K. Dobrick
Besetzung: Oliver Mommsen, Hilde Dalik, Philipp Hochmair, Doris Schretzmayer, Eva Herzig, Hary Prinz, Alice Prosser, Felix Staudigl, Isabel Steszgal
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