
Im Leben von Aurore (Natacha Krief) geht es gerade drunter und drüber. Nicht nur, dass beruflich eine klare Perspektive fehlt, sie sich von einem Job zum nächsten hangelt. Auch privat läuft es nicht wirklich. Erst wird sie von ihrem Freund sitzengelassen, danach erfährt sie von dem Tod ihre früheren Cello-Lehrers, was sie ziemlich aufwühlt. Während sie anfängt, in Gedanken in die Vergangenheit zurückzukehren, macht sie die Bekanntschaft von Noé (Édouard Sulpice). Dessen Blick ist eigentlich in die Zukunft gerichtet. So weiß er genau, dass er als Journalist arbeiten möchte. Er kommt nur nicht so wirklich weit. Gleichzeitig macht er sich Sorgen um seinen alkoholkranken Vater. Spontan beginnen die beiden, Zeit miteinander zu verbringen, während aus der Zufallsbegegnung rasch mehr wird. Doch dabei wird es auch schnell kompliziert …
Wenig romantisches Drama aus Frankreich
Der späte Donnerstagabend ist auf arte immer Serien vorbehalten. Meistens handelt es sich dabei um Dramen oder Thriller, die aus ganz Europa zusammengetragen wurden. Zuletzt befasste sich die italienische Produktion Portobello – Unschuldig verurteilt mit dem Justizskandal um einen beliebten Moderator, der wegen Drogenschmuggel angeklagt wurde. Richtig bitter wurde es auch bei dem spanischen Titel Familiengeheimnisse, in dem eine Jugendliche von ihren Freunden vergewaltigt worden sein soll. Eine vergleichbare kriminelle Komponente gibt es in Eines Tages werden wir uns lieben nicht. Denn in dem französischen Beitrag geht es primär um komplizierte zwischenmenschliche Verhältnisse in den verschiedensten Formen, ob es nun eine Liebesbeziehung ist oder die Familie.
Wobei die Serie lange offenlässt, ob die beiden Hauptfiguren denn zusammenkommen oder nicht. Das Szenario selbst lässt einen das erwarten. Zufällige Begegnungen sind die beste Methode, um ein designiertes Paar vorzubereiten. Und dass sie beide gerade ein bisschen Halt gebrauchen können, wird relativ schnell klar. Und doch ist der Titel Eines Tages werden wir uns lieben Programm, denn wir lernen eben zwei Menschen kennen, die so viel mit sich und ihrem Leben zu tun haben, dass eine Beziehung gar nicht wirklich funktionieren kann. Erst einmal müssen sie die Vergangenheit hinter sich lassen und die Gegenwart festigen, bevor sie sich der Zukunft zuwenden können. Deswegen ist die Serie auch nicht annähernd so romantisch, wie sich das Szenario und der Titel anhören. Wer sich etwas in diese Richtung erhofft, dürfte enttäuscht sein.
Das Licht in der Dunkelheit
Dafür sorgt Regisseur und Drehbuchautor Jérôme Bonnell (Versteckt im hohen Gras, Auf die Freude) anderweitig für emotionale Szenen. Die Art und Weise, die der Tod des ehemaligen Cello-Lehrers die Protagonistin aufwühlt, lässt einen bereits erahnen, dass da etwas im Argen liegt und nicht verarbeitet wurde. Während die Enthüllung nicht ganz so schockierend ist, wie sie es bei dem Thema sein könnte, sind es gerade auch die Szenen mit der Familie, die Eindruck hinterlassen. Hier lernen wir Aurore richtig kennen, indem wir das Umfeld sehen, in dem sie aufgewachsen ist und mit dem sie sich offensichtlich noch immer schwertut. Eines Tages werden wir uns lieben schwankt dabei zwischen Identifikationsfläche und Verwunderung, wenn sich die Frau Anfang 30 alles andere als souverän verhält.
Dafür ist die Besetzung umso souveräner. Natacha Krief (Night Call – Überlebe die Nacht) und Édouard Sulpice (Mein fabelhaftes Verbrechen) funktionieren sehr gut als (Nicht-)Paar, das durch die Welt stolpert, dabei manchmal eine gemeinsame Richtung einschlägt, sich manchmal aber auch selbst im Weg steht. Das ist nicht immer einfach zu ertragen, jedoch quasi durchgängig sehr sehenswert. Eines Tages werden wir uns lieben ist eine Serie darüber, wie schwierig und bitter das Leben sein kann. Aber auch, wie sich in all dieser Dunkelheit auch immer wieder Licht findet. Selbst wenn das französische Drama nicht unbedingt viel gute Laune verbreitet, macht sie am Ende doch Mut, dass sich das Durchhalten auszahlen kann – wenn man es am wenigsten erwartet.
OT: „Un jour on fera l’amour“
Land: Frankreich
Jahr: 2026
Regie: Jérôme Bonnell
Drehbuch: Jérôme Bonnell
Musik: Amaury Chabauty
Kamera: Pascal Lagriffoul
Besetzung: Natacha Krief, Édouard Sulpice, Marc Citti, Matthieu Lucci, Olivier Broche, Jeanne Cherhal, Chloé Lecerf
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