
Als an der Ahlbecker Promenade eine große Blutlache gefunden wird, ist die Aufregung groß. Von wem stammt dieses Blut nur? Und was genau ist da geschehen? Zwar gibt es keine weiteren Spuren, geschweige denn eine handfeste Leiche, weshalb die Polizei vor einem Rätsel steht. Doch wo Beweise fehlen, entsteht Raum für Spekulationen. Und eben diesen weiß die Reporterin Louisa Malottky (Vanessa Loibl) zu nutzen, indem sie in ihren Artikeln recht frei die Wahrheit zu ihrem Zweck interpretiert. Da trifft es sich doch gut, dass mit Karin Lossow (Katrin Sass) und Mario Kachel (Wolfgang Michael) gleich zwei Leute in der Nachbarschaft wohnen, die schon einmal jemanden getötet haben. Denn wer das einmal getan hat, könnte das ja wieder tun – ein Gedankengang, der anschließend von vielen aufgegriffen wird …
Hysterie und Selbstjustiz
Und weiter geht es mit Der Usedom-Krimi. Drei neue Filme der ARD-Krimireihe stehen dieses Jahr an, um das Stammpublikum ein weiteres Mal vor die Fernseher zu locken. Denn dieses ist noch immer relativ groß, mehr als zehn Jahre nach dem Debüt. Den Auftakt der diesjährigen Staffel machte dabei Doppelmord, wo eine Frau feststellt, dass ihr Mann, für dessen Mord sie ins Gefängnis ging, doch lebt – bis er tatsächlich ermordet wird. Mit Mörder unter uns kommt jetzt der Mittelteil ins Fernsehen. Und erneut wird mit der Frage gespielt, ob jemand tatsächlich tot ist oder nicht. Denn auch wenn da die Blutlache ist, die auf eine mögliche Leiche verweist, sicher ist es nicht, dass da jemand ermordet wurde. Es ist ja nicht einmal sicher, dass es überhaupt ein Verbrechen gibt.
Das unterscheidet die 29. Folge der Reihe von vielen anderen, die dem typischen Whodunit-Muster folgen. Denn während es meistens herauszufinden gilt, wer ein bestimmtes Verbrechen begangen hat, muss hier erst herausgefunden werden, was überhaupt vorgefallen ist. Grübeln darf man also schon, nur etwas anders, als man das vielleicht gewohnt ist. Allerdings rückt dieser Aspekt zwischendurch immer wieder in den Hintergrund, wenn sich Der Usedom-Krimi: Mörder unter uns mit den eigentlichen Themen befasst. Zum einen geht es, wie schon in der Vorwoche, darum, dass Menschen vorverurteilt werden. Das ist prinzipiell immer ein dankbares Thema, zumal das alles sehr schnell gehen kann, wie wir aus dem Alltag kennen. Hysterie und Anlagen zur Selbstjustiz findet man bei vielen. Und irgendwie ist es ja auch nachvollziehbar, dass man Leute, die schon mal getötet hat, so etwas zutraut.
Plakativ und mäßig spannend
Zwiespältig ist hingegen der Angriff gegen den Sensationsjournalismus. Auch dieser ist natürlich gerechtfertigt, solche Machenschaften kennen wir nicht nur aus den einschlägigen Boulevardblättern. Da wird dann verkauft, was die Leute wollen, gern mal zum Nachteil von Seriosität, Wahrheit und Moral. Allerdings ist Der Usedom-Krimi: Mörder unter uns da schon sehr plakativ geworden. Nicht nur, dass die Journalistin schnell als Antagonistin etabliert wird, die den üblichen Klischees entspricht. Auch bei den Dialogen wird gern alles so offensiv ausbuchstabiert, damit auch ja alle verstehen, worum es denn da geht. Filmen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen wird gerne vorgeworfen, allzu moralisierend und belehrend zu werden. Hier trifft das auf jeden Fall zu.
Darüber kann man sich ärgern oder sich alternativ langweilen. Denn auch wenn sich die Stimmung immer weiter erhitzt, so richtig viel Spannung kommt dann doch nicht auf. Erst zum Ende hin spitzt sich dann wirklich mal etwas zu. Das ist schade, weil es wie beim Mal zuvor einiges an Potenzial gab, das dann am Ende zu wenig genutzt wird. Der Usedom-Krimi: Mörder unter uns ist in der Summe ein weiterer eher mäßiger Teil einer Reihe, die schon seit geraumer Zeit zu den schwächeren Produktionen gehört, trotz der meist guten Besetzung. Nächstes Mal geht es in Wunschkind um zwei Frauen, die um das Sorgerecht eines Kindes kämpfen, sowie einen toten Pflegevater.
OT: „Mörder unter uns – Der Usedom-Krimi“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Matthias Tiefenbacher
Drehbuch: Lucas Thiem, Antonia Scheurlen
Musik: Colin Towns
Kamera: Hanno Lentz
Besetzung: Katrin Sass, Till Firit, Rikke Lylloff, Rainer Sellien, Jana Julia Roth, Rainer Sellien, Axel Ranisch, Elsa Krieger, Vanessa Loibl, Wolfgang Michael, Cornelius Schwalm
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