
Als ein Mann in den Alpen von einem Bergpfad stürzt und dabei tödlich verunglückt, sieht das nach einem tragischen Unfall aus. Doch dann stellt sich heraus, dass Enzo Tovoli (Fabrizio Bentivoglio), der ebenfalls auf diesem Pfad unterwegs war und die Rettungskräfte verständigt hat, den Toten kannte. Tatsächlich verband die beiden eine gemeinsame Vergangenheit, die lange zurückliegt. Für den jungen Untersuchungsrichter Dorieu (Swann Arlaud) kann das unmöglich ein Zufall sein, dass sich die beiden einfach so da oben in den Bergen begegnen und dabei jemand verunglückt. Könnte Enzo seinen früheren Freund in den Tod gestoßen haben? Doch der besteht darauf, dass er nichts getan hat und ein bloßer Zeuge des Vorfalls ist …
Mord oder nicht Mord?
Ein typischer Krimi, zumindest nach der weitverbreiteten Ansicht, sieht so aus: Am Anfang wird ein Verbrechen festgestellt, in den meisten Fällen ein Mord, anschließend muss herausgefunden werden, wer dieses Verbrechen begangen hat. Ein klassischer Whodunit eben. Bei Ein unmöglicher Zufall läuft das etwas anders ab. So beginnt zwar auch der französische Film mit dem Fund einer Leiche, als ein Mann in den Bergen in den Tod stürzt. Unklar ist jedoch, ob es sich dabei um ein Verbrechen handelt oder einen Unfall. Und sollte es ein Verbrechen sein, dann muss der Täter nicht lange gesucht werden. Denn dann kann es nur Enzo gewesen sein. In dem Film geht es also maßgeblich darum herauszufinden, ob Enzo ein Mörder ist oder nicht.
Man kann sich darüber streiten, ob das nun ein Krimi ist oder nicht. Zumindest phasenweise hat die Vernehmung des Verdächtigen einen Duell-Charakter, wenn sich die zwei Männer gegenseitig misstrauisch beäugen. Allerdings sollte man in der Hinsicht nicht zu viel erwarten. So ist Enzo zwar ein sehr verschlossener Mensch, der sich nicht unbedingt in die Karten schauen lässt. Aber er ist jetzt auch nicht wirklich fesselnd. Er ist ein eher schroffer Typ, weniger jemand, der mit anderen spielt und irgendwelche Psychotricks anwendet. Über den Richter erfährt man in Ein unmöglicher Zufall auch ziemlich wenig. Er ist auf der Suche nach der Wahrheit, was aber natürlich durch seinen Beruf bedingt ist. Darüber hinaus hat die Adaption eines Werks von Erri De Luca aber nichts über ihn zu sagen.
Mehr Figurendrama als Krimi
Das könnte manchen zu wenig sein. Zumindest ein Publikum, das hier herkömmliche Genrespannung erwartet, wird eher weniger glücklich sein. Viel Handlung gibt es nicht, da der Verdächtige überwiegend in Untersuchungshaft ist und nicht herauskommt. Zwischendurch nimmt uns Ein unmöglicher Zufall mit auf eine Exkursion in die Berge mit oder arbeitet mit Flashbacks. Das sorgt dann für ein kleines bisschen Abwechslung. Ansonsten hat Regisseur und Drehbuchautor Emmanuel Finkiel (Der Schmerz) aber in erster Linie ein Kammerspiel vorgelegt, das weder inszenatorisch noch visuell größere Ambitionen verfolgt. Man merkt da auch, dass es sich letztendlich um eine reine Fernsehproduktion handelt.
Das bedeutet aber nicht, dass der Film deswegen schlecht ist. Zumindest an manchen Stellen geht es einem schon nahe, wie da zwei Menschen miteinander und um die Wahrheit ringen. Das Zusammenspiel von Fabrizio Bentivoglio (Alles nur Theater?) und Swann Arlaud (Anatomie eines Falls) funktioniert gut. Sehenswert ist Ein unmöglicher Zufall zudem als Chronik einer Männerfreundschaft, die von gleichen Visionen geprägt war, bis sie doch auf bittere Weise zerbrochen ist. Wer in der Stimmung ist nach einem ruhigen Figurendrama, der kann deshalb schon einmal hier vorbeischauen. Zuschauer und Zuschauerinnen, die auf der Suche nach einem packenden Krimi sind, sollten sich jedoch vielleicht doch lieber woanders umschauen. Denn selbst wenn man wissen möchte, was da vorgefallen ist und entsprechend neugierig ist, darum geht es hier eigentlich gar nicht.
OT: „Impossible“
Land: Frankreich
Jahr: 2025
Regie: Emmanuel Finkiel
Drehbuch: Emmanuel Finkiel
Vorlage: Erri De Luca
Musik: Paul Eisenach, Jonas Hofer, Maddalena Barbieri
Kamera: Thomas Bataille
Besetzung: Fabrizio Bentivoglio, Swann Arlaud, Marilyne Canto, Enrico Di Giovanni, Félicien Philippe Chauveau
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