Türkisch für Anfänger 2012
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Türkisch für Anfänger (2012)

Türkisch für Anfänger 2012
„Türkisch für Anfänger“ // Deutschland-Start: 15. März 2012 (Kino) // 16. August 2012 (DVD / Blu-ray)

Inhalt / Kritik

Richtig viel haben die 19-jährige Lena Schneider (Josefine Preuß) und ihre Mutter Doris (Anna Stieblich) nicht gemeinsam. So gibt es kaum eine Situation, in der sich die Jugendliche nicht dafür schämt, wie sich die Mittvierzigerin verhält. Denn die will besonders locker und cool sein – ganz anders als ihre Tochter. Lenas Begeisterung hält sich dann auch in Grenzen, als die beiden gemeinsam nach Thailand fliegen. Doch es kommt noch schlimmer. Erst muss sie neben dem nervtötenden Macho Cem Öztürk (Elyas M’Barek) im Flugzeug sitzen, der mit seinem Vater Metin (Adnan Maral), Schwester Yagmur (Pegah Ferydoni) und Kumpel Costa Papavassilou (Arnel Taci) ebenfalls auf dem Weg nach Fernost ist. Und dann muss das Flugzeug auch noch notlanden und Lena ausgerechnet mit Cem um ihr Überleben bangen …

Neuinterpretation der Hitserie

Wenn Serien erfolgreich sind, wird immer wieder darüber nachgedacht, noch irgendwie einen Film hinterherzuschieben. Letzterer kann eine klassische Fortsetzung sein, Netflix machte das dieses Jahr mit Heartstopper Forever, Nando zwischen zwei Welten – Ein Sintonia-Film und Peaky Blinders: The Immortal Man gleich mehrfach. Dann und wann gibt es aber auch Reboots mit einem komplett neuen Cast, 21 Jump Street und Baywatch sind Beispiele dafür. Der vielleicht ungewöhnlichste Versuch einer Serienfortführung ist jedoch Türkisch für Anfänger. Nachdem die Serie erfolgreich zwischen 2006 und 2008 lief, es auf drei Staffeln und 52 Folgen brachte, gab es Überlegungen zu einem Kinofilm. Dieser kam dann 2012 auf den Markt und vereinte tatsächlich den Hauptcast. Anstatt aber die Serie fortzuführen oder noch einmal neu zu erzählen, gab es eine komplett andere Geschichte – nur eben mit denselben Figuren.

Wobei es natürlich schon Gemeinsamkeiten gibt. So orientierte man sich bei der Figurenzeichnung am Original. Das bedeutet, dass Cem erneut ein Obermacho ist, währen Lena ganz schon kompliziert und besserwisserisch sein kann. Klar, dass das dann nicht zusammenpasst. Ebenso klar ist, dass diese Unterschiede aber überwunden werden, aus einer anfänglichen Antipathie Zuneigung wird. Überhaupt setzt Regisseur und Co-Autor Bora Dagtekin (Fack ju Göhte) auf größtmögliche Kontraste. Dass auch die jeweiligen Elternteile in Türkisch für Anfänger zusammenkommen, obwohl das nicht passt – Doris ist betont antiautoritär und frei, Metin ein regeltreuer Polizist –, zeigt, wie sehr der Film mit einem Schema arbeitet. Und wie wenig ihm an Glaubwürdigkeit gelegen ist, das komplette Szenario ist konstruiert, die Figuren ohne jede Zurückhaltung überzeichnet.

Spaß mit Stereotypen

Ein bisschen wird das Ganze mit der Zeit zwar schon relativiert, wenn wir die Leute näher kennenlernen. Sie dürfen auch dazulernen, auf die eine oder andere Weise. Dennoch, man sollte da nicht zu viel erwarten. Türkisch für Anfänger will Spaß machen und nimmt dafür dann auch in Kauf, dass die Charaktere stereotyp sind. Aber das Konzept geht auf. Es hat doch einen hohen Unterhaltungswert, wie sich diese Chaostruppe untereinander in den Wahnsinn treibt und dabei immer wieder in peinliche Situationen gerät. Klar, man darf hiervon nicht wirklich viel Biss erwarten. Das hier ist kein Pendant zu Send Help, wo ebenfalls grundverschiedene Menschen gemeinsam auf einer einsamen Insel stranden und sich zusammenraufen müssen. Ein bisschen wird zwar mit Klischees gespielt, aber das war es auch schon.

Vielmehr soll das ja auch versöhnlich und ein bisschen besinnlich sein. So ist es schon irgendwie rührend, wenn die beiden verkorksten Hauptfiguren einander finden. Wer großzügig ist, sieht in Türkisch für Anfänger ein Plädoyer dafür, auf andere zuzugehen und hinter die Fassade zu blicken. Denn manchmal sind Menschen doch komplexer, als es das öffentliche Auftreten vermuten lässt. Man muss aber nicht übermäßig darüber nachdenken. Es reicht, sich hier zurückzulehnen und dem gut aufgelegten Ensemble dabei zuzusehen, wie es sich ohne Hemmungen peinlich verhält und die Charaktereigenschaften bis zur Schmerzgrenze ausfüllt – und manchmal darüber hinaus.

Credits

OT: „Türkisch für Anfänger“
Land: Deutschland
Jahr: 2012
Regie: Bora Dagtekin
Drehbuch: Bora Dagtekin, Andy Raymer
Musik: Beckmann, Heiko Maile
Kamera: Torsten Breuer, Benjamin Dernbecher
Besetzung: Elyas M’Barek, Josefine Preuß, Anna Stieblich, Adnan Maral, Pegah Ferydoni, Katja Riemann, Arnel Taci

Bilder

Trailer

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Türkisch für Anfänger (2012)
fazit
Inspiriert von der Hitserie erzählt „Türkisch für Anfänger“, wie zwei grundverschiedene Familien aufeinandertreffen und sich Gefühle entwickeln. Die Figuren sind überzeichnet, die Geschichte ist konstruiert. Aber irgendwie macht es schon Spaß, wie die Chaostruppe sich untereinander in den Wahnsinn treibt.
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