A Nice Indian Boy
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A Nice Indian Boy

A Nice Indian Boy
„A Nice Indian Boy“ // Deutschland-Start: 3. September 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Naveen Gavaskar (Karan Soni), ein zurückhaltender, schwuler indisch-amerikanischer Arzt, hat sich fast damit abgefunden, dass es für ihn keine große indische Hochzeit geben wird, auch wenn er es insgeheim wünscht. Auf der Hochzeit seiner Schwester Arundhathi (Sunita Mani) steht er am Rand des Geschehens, von der Verwandtschaft routiniert als nächster Heiratskandidat gehandelt. Sechs Jahre später lernt er Jay Kurundkar (Jonathan Groff) kennen, einen weißen Fotografen, der als Kind von indischen Eltern adoptiert wurde und Sprache, Rituale und Bollywood-Filme mindestens genauso selbstverständlich kennt wie Naveen selbst. Aus der Begegnung des auch charakterlich ungleichen  Paares wird eine Beziehung, aus der Beziehung eine Verlobung. Doch zu Hause stellt Naveen seinen Verlobten zunächst nur als Freund vor. Während Jay, dessen Adoptiveltern gestorben sind, in der Familie Gavaskar so etwas wie ein neues Zuhause sucht, muss Naveen sich entscheiden, ob ihm der brüchige Familienfrieden wichtiger ist als das offene Bekenntnis zu seiner Liebe. 

Romantische Komödie mit queerem Personal 

Regisseur Roshan Sethi hat sich mit A Nice Indian Boy vermutlich vorgenommen, keine Regeln zu brechen. Und das hält er mit bewundernswerter Konsequenz ein. Sethi, der hauptberuflich als Arzt praktiziert und das Kino gewissermaßen als Nebenberuf betreibt, hatte schon mit seinem Debüt 7 Days gezeigt, dass ihn an der Rom-Com weniger die Erfindung neuer Muster interessiert als die genaue, warmherzige Beobachtung ihrer altbekannten. Nach Madhuri Shekars Theaterstück, das von Eric Randall fürs Kino adaptiert wurde, wiederholt er dieses Prinzip in A Nice Indian Boy nun in einem größeren, familiären Maßstab: Begegnung, Annäherung, Beziehung, Krise, Trennung, Versöhnung, großes Finale – von dieser typischen Architektur einer romantischen Komödie weicht der Film keinen Millimeter ab. Wer das Genre kennt, kennt auch jede Wegmarke dieses Films, lange bevor sie erreicht ist. 

Was den Film dennoch über den Durchschnitt hebt, ist nicht seine Form, sondern sein Personal. Naveen und Jay sind ein schwules Paar – und, jedenfalls dem äußeren Anschein nach, ein Paar aus zwei verschiedenen Ethnien: hier der indischstämmige, zurückhaltende Arzt, dort der weiße, offene Fotograf, der freilich von indischen Eltern adoptiert wurde und mit Sprache, Ritualen und Bollywood-Kino vertrauter ist als sein zukünftiger Verlobter. Diese doppelte Konstellation verschafft dem Drehbuch genau den zusätzlichen Reibungsstoff, den eine gute Rom-Com braucht, um ihre eigene Vorhersehbarkeit zu überspielen. Die Eltern Megha (Zarna Garg) und Archit (Harish Patel) akzeptieren ihren schwulen Sohn im Grundsatz – und tun sich mit der gelebten Realität dieser Akzeptanz doch sichtlich schwerer, als sie selbst zugeben würden. Die Schwester Arundhathi wiederum darf sich darüber aufregen, dass man ihr selbst niemals einen weißen Freund durchgehen lassen hätte. 

Wirklich schön, aber ohne Überraschungen 

Ansonsten hält sich der Film fast schulmäßig an die Checkliste seines Genres: Die Freunde des Paares geben die komischen Sidekicks, es gibt die obligatorische Krise samt kurzzeitiger Trennung, die romantische Wiederannäherung, die Überzeugungsarbeit am zunächst skeptischen Umfeld – und, dank Karan Sonis schüchternem, fast introvertiertem Spiel und Jonathan Groffs warmer Offenheit, etliche Szenen, die zuverlässig die Tränendrüse bedienen. Wenn Naveen seinen zweiten Heiratsantrag ausgerechnet mit einem Verweis auf Dilwale Dulhania Le Jayenge grundiert – jenen Bollywood-Klassiker mit Shah Rukh Khan und Kajol, zu dem Jay Naveen bei ihrem ersten Date ins Kino einlud, ohne zu wissen, dass Naveen ihn als Kind rauf und runter gesehen hat –, dann zeigt der Film, wie präzise er seine eigenen komödiantischen Fäden verknüpft. Auch das große Finale, samt ausgelassener Bollywood-typischer Song-and-Dance-Nummer zur Hochzeit, funktioniert eher als liebevolles Zitat denn als bloße Dekoration. Kurz gesagt: Das hier ist eine sehr gut gemachte, sehr genau kalkulierte romantische Komödie, die zusätzlich davon lebt, dass sie ihr vertrautes Personal in ein ungewohntes Umfeld stellt. 

Und doch: Zu mehr als einer sehr guten Genreübung reicht es am Ende nicht. Sethi traut sich nie, die enge Form zu verlassen, die er sich selbst auferlegt hat; jede Irritation wird binnen weniger Minuten wieder eingehegt, jeder Konflikt läuft zuverlässig auf Versöhnung zu, kaum dass er sich zugespitzt hat. Gerade weil der Film so viel ungewöhnliches Material versammelt – Adoption, kulturelle Zugehörigkeit, queere Sichtbarkeit –, hätte man sich an der ein oder anderen Stelle etwas mehr erzählerischen Mut gewünscht. So bleibt A Nice Indian Boy ein Film, der sein Publikum nie enttäuscht, aber es eben auch nie wirklich überrascht. 

Credits

OT: „A Nice Indian Boy“
Land: USA
Jahr: 2024
Regie: Roshan Sethi
Buch: Eric Randall
Vorlage: Maduri Shekar
Musik: Raashi Kulkarni
Kamera: Amy Vincent
Besetzung: Karan Soni, Jonathan Groff, Sunita Mani, Zarna Garg, Harish Patel, Peter S. Kim, Sas Goldberg

Bilder

Trailer

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A Nice Indian Boy
fazit
„A Nice Indian Boy" ist eine warmherzige, komödiantisch treffsichere Rom-Com, die ihrem schwulen Paar das verdiente Happy End gönnt, ohne die Genreformel je zu verlassen. Sehenswert, anrührend, komisch – aber zu brav, um mehr als eine sehr gute Genreübung zu sein.
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