
Es klang nach einem ganz einfachen Auftrag für den erfahrenen Kapitän Jacques Cournot (Lino Ventura): Er soll in Santo Domingo für Hugo Hendrix (Alberto de Mendoza) der Witwe Rae Osborne (Sylva Koscina) die Luxusyacht Dragoon abkaufen und in die Karibik überführen. Solche Aufträge hatte er schon häufiger, was soll da schon schiefgehen? Doch kurze Zeit später ist die Dragoon verschwunden und Cournot steht im Verdacht, das Schiff gestohlen zu haben. Schließlich hatte er zuvor viel Zeit darauf verbracht, was ihn in Augen der Polizei zu dem möglichen Täter macht. Osborne ist davon jedoch nicht überzeugt und sie überredet ihn dazu, gemeinsam nach der Dragoon zu suchen. Dabei ahnen die beiden nicht, worauf sie sich einlassen, und dass es in Wahrheit um etwas ganz anderes geht …
Romanadaption zwischen Abenteuer, Krimi und Thriller
Bekannt wurde Claude Sautet eigentlich durch seine diversen Dramen, mit denen er die französische Gesellschaft porträtierte und wo er von komplexen zwischenmenschlichen Beziehungen erzählte. Doch zu Beginn seiner Karriere war er eher im Genrekino daheim. So erzählte er in Der Panther wird gehetzt (1960) von einem alternden und zum Tode verurteilten Gangster, der auf der Flucht vor der Polizei ist. Fünf Jahre später meldete sich der französische Regisseur mit einem weiteren Film zurück, erneut spielte darin Lino Ventura die Hauptrolle. Doch Schieß, solange du kannst geht dabei in eine etwas andere Richtung, als es der Vorgängerfilm tat. Das fängt schon damit an, dass die Schauspiellegende hier keinen Kriminellen verkörpert, sondern einen aufrechten Mann, der unwissentlich in ein Verbrechen hineingezogen wird.
Und auch beim Genre selbst gibt es Unterschiede. Genauer handelt es sich bei der Adaption des 1960 veröffentlichten Romans Aground von Charles Williams um einen Genremix. Anfangs gibt es noch einen Rätselanteil, wenn völlig unklar ist, was mit dem Schiff geschehen ist, wer es gestohlen hat und aus welchem Grund. In dieser Phase meint man daher, es mit einem klassischen Krimi zu tun hat, wo die Wahrheit gesucht werden muss. Dann hat Schieß, solange du kannst einen größeren Abenteueranteil, wenn die beiden Hauptfiguren durch die Gegend reisen und sich Gefahren aussetzen. Genauso ist der Film aber auch ein Thriller, bei dem das Duo es mit skrupellosen Gangstern zu tun bekommt, die einen zu jeder Zeit töten können. Der deutsche Titel ist schließlich nicht grundlos gewählt.
Spannendes Kammerspiel
Der Schwerpunkt des Films ist dann auch die Passage, wenn Cournot und Osborne direkt den Verbrechern ausgesetzt sind. Schieß, solange du kannst ist prinzipiell ein Kammerspielthriller, bei dem sich zwei Seiten belauern. Nur dass der Schauplatz kein Zimmer ist, nicht einmal ein Gebäude, sondern ein Schiff. Als Setting funktioniert das aber sehr gut. Es gelingt Sautet, eine beklemmende Atmosphäre zu erzeugen, auch weil es hier nie wirklich eine Ruhepause gibt. Wo in anderen Thrillern die Protagonisten und Protagonistinnen zumindest zeitweise sich der Gefahr entziehen können, besteht diese hier bis zum Ende des Films.
Von der Geschichte selbst darf man dabei nicht zu viel erwarten. So ist die Auflösung, worum es denn bei den Machenschaften der Kriminellen geht, nicht wirklich einfallsreich. Und so richtig durchdacht ist der Plan auch nicht, dem sie da folgen. Aber es macht doch Spaß, der Bande dabei zuzusehen bzw. dem Duo, wie es versucht, wieder aus dieser Situation herauszukommen. Schieß, solange du kannst punktet dabei auch mit dem Schauplatz an sich, der Film wurde tatsächlich auf See in der Karibik gedreht, was einem das Gefühl vermittelt, selbst vor Ort zu sein. Insofern lohnt sich ein Blick auf das etwas in Vergessenheit geratene Frühwerk des Regisseurs.
OT: „L’Arme à gauche“
IT: „The Dictator’s Guns“
Land: Frankreich, Italien, Spanien
Jahr: 1965
Regie: Claude Sautet
Drehbuch: Claude Sautet, Charles Williams, Fouli Elia, Michel Levine
Vorlage: Charles Williams
Musik: Eddie Barclay, Michel Colombier
Kamera: Walter Wottitz
Besetzung: Lino Ventura, Sylva Koscina, Léo Gordon, Alberto de Mendoza, Antonio Martín
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