
Im 14. Jahrhundert steckt England in einer tiefen Krise. So ist ein großer Teil der Bevölkerung der Schwarzen Pest zum Opfer gefallen. Der Rest hat unter den enormen Steuern zu leiden, die kaum noch etwas zum Leben übriglassen. In seiner Verzweiflung widersetzt sich ein Bauer (Andrew Garfield), der selbst seine Frau und zwei Kinder an die Krankheit verloren hat, den Eintreibern und tötet sogar einen Soldaten, der ihn zu verhaften versucht. Das bleibt nicht ohne Folgen, der Bauer soll dafür mit seinem Leben bezahlen. Stattdessen inspiriert er andere dazu, es ihm gleichzutun. Eine große Bewegung entsteht, die sich im ganzen Land erhebt. An der Seite von Männern wie Wat Tyler (Cosmo Jarvis) und dem Priester (Jamie Bell) wollen die Aufständischen nach London marschieren, um dort mit dem König Richard II. (Woody Norman) zu sprechen. Denn sie sind davon überzeugt, dass der minderjährige Monarch von seinem Rat manipuliert ist und nichts von der Situation im Land weiß …
Die Geschichte eines realen Aufstands
In der Geschichte der Menschheit hat es immer wieder Beispiele dafür gegeben, wie sich die einfache Bevölkerung gegen Herrscher oder Eliten erhebt. Jüngeren Datums sind die Unruhen in Iran oder der Arabische Frühling. Geradezu legendär ist die Französische Revolution, die Ende des 18. Jahrhunderts die Monarchie ebenso effektiv wie brutal beendete. Eher weniger bekannt ist der Bauernaufstand von 1381 in England, als sich die von Krankheit, Armut und Unterdrückung ausgezehrte Bevölkerung gegen den König erhob. Wie wichtig dieser Aufstand für die Entwicklung der englischen Gesellschaft war, darüber ist sich die Forschung nicht einig. Klar ist aber, wie aussichtslos die Lage für die Menschen war. The Uprising – Für die Freiheit nimmt uns mit in diese Zeit und zeichnet den groben Verlauf nach, von dem ersten Widerstand über die spätere Eskalation bis zu der finalen Konfrontation zwischen dem König und den Rebellen.
Der Film ist dabei konsequent aus Sicht der Rebellen erzählt. Dann und wann wird zwar die Perspektive gewechselt und man sieht den minderjährigen König, der in seiner Unsicherheit allem zustimmt, was der Rat ihm einflüstert. Während Regisseur und Drehbuchautor Paul Greengrass (The Lost Bus, Captain Phillips) bei dem Monarchen noch mit einer gewissen Ambivalenz spielt und auch Königinmutter (Katherine Waterston) Menschlichkeit zugestanden wird, verzichtet er bei der Figurenzeichnung sonst meist völlig auf Nuancen. Der namenlose Protagonist und die anderen sind die Guten, die Herrscher sind die Bösen. Teilweise sind die so überzeichnet, Overacting inklusive, dass The Uprising – Für die Freiheit fast schon zur Karikatur wird. Auch sonst ist das hier alles andere als subtil. Das zeigen schon die Bilder, die – wie so viele Mittelalterfilme – auf eine Mischung aus schlammigen Grau- und Brauntönen setzt.
Plakativ und unentschlossen
Das muss einen nicht stören. Plakative Filme hat es schon immer gegeben. Zumal es Greengrass gelingt, einiges an Identifikationsfläche zu erschaffen. In einer Zeit, in der weltweit Preise explodieren und das Gefühl herrscht, von denen da oben ausgenutzt zu werden, wird The Uprising – Für die Freiheit sicherlich einen Nerv treffen. Dass das Historiendrama mit dem Robin-Hood-Mythos spielt, was in den letzten Wochen dank eines missverständlichen Marketings für Irritationen sorgte, verstärkt den Eindruck, an diese Wut der Menschen anknüpfen zu wollen. Denn anders als The Death of Robin Hood einige Wochen zuvor, das den Mythos dekonstruierte und aus der Figur einen eiskalten Mörder machte, ist der Protagonist hier so angedacht, dass ihn alle anfeuern.
Grundsätzlich ist nichts dagegen einzuwenden, einen Crowdpleaser zu drehen, bei dem es Genugtuung bringen soll, wenn die Bösen ihre Strafe erhalten. Nur kann sich The Uprising – Für die Freiheit nie ganz darauf einigen, worum es denn eigentlich gehen soll. So ist der Film zwischenzeitlich für Gewalt, dann wieder dagegen. Die Figuren machen in ihrer Entwicklung seltsame Sprünge durch, die nie erklärt werden. Zum Ende hin wird es auch noch ziemlich unsinnig, wenn geografische Entfernung und Gruppengrößen keinen festen Regeln mehr folgen. Und das Ende wirkt so, als hätte man es aus einem komplett anderen Film entnommen. Das ist schade, weil das Thema sehr spannend ist, die Besetzung hochkarätig. Und zumindest an manchen Stellen ist das Ergebnis auch atmosphärisch. Aber Greengrass scheitert daran, aus dem Stoff ein in sich schlüssiges Werk zu machen.
OT: „The Uprising“
Land: UK, Deutschland, USA
Jahr: 2026
Regie: Paul Greengrass
Drehbuch: Paul Greengrass
Musik: Volker Bertelmann
Kamera: Pål Ulvik Rokseth
Besetzung: Andrew Garfield, Jamie Bell, Stephen Dillane, Tom Hollander, Cosmo Jarvis, Thomasin McKenzie, Jonny Lee Miller, Woody Norman, Katherine Waterston
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