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„Ink“ // Deutschland-Start: 25. Februar 2027 (Kino)

Inhalt / Kritik

Jahrelang versucht der ambitionierte australische Geschäftsmann Rupert Murdoch (Guy Pearce), sich in das verschlossene Establishment der britischen Zeitungen einzukaufen. Als es ihm schließlich 1969 gelingt, „The Sun“ zu erwerben, braucht Murdoch als Außenseiter ein neues, mutiges und hungriges Team. In seiner Selbstwahrnehmung ein aussätziger, übergangener und unterschätzter Redakteur passt Larry Lamb (Jack O’Connell) genau zu dem, was sein Patron sucht. Aus ihrer folgenden Zusammenarbeit soll innerhalb kürzester Zeit eine der erfolgreichsten, einflussreichsten und zugleich kontroversesten Tageszeitungen der Welt entstehen.

Brot und Spiele

Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll. Vergewaltigung, Mord und Totschlag – plakatiert und gedruckt in den Zeitungen dieser Welt. Die Erkenntnis, dass sich sensationalisierte Morbidität gut verkauft, war schon den alten Römern bekannt und ist damit keineswegs eine Erfindung der neuen Medien. Abseits frühgeschichtlicher Grausamkeit ist jedoch kaum ein Name so synonym mit dieser Art der zweifelhaften Berichterstattung wie der des Medienzaren Rupert Murdoch. Dem von Murdoch und Larry Lamb während ihrer gemeinsamen Zeit bei „The Sun“ geprägten Medienmodell widmet Danny Boyle nun seinen neuesten Film Ink.

The Sun only rises

Während der ersten Hälfte des Films konzentriert sich Boyle auf den kometenhaften Aufstieg der Sun und auf ein verherrlichtes und gefälliges Selbstverständnis des vermeintlichen Underdogs der britischen Printmedienlandschaft. Eine Zeitung des Volkes, des kleinen Mannes, der sich für das Hier und Jetzt vor der eigenen Haustür interessiert statt für globale Krisen und behauptete intellektuelle Pseudologie. Danny Boyles Charakterzeichnung fokussiert sich dabei auf Murdoch und Larry Lamb, während der Rest der Figuren vor allem funktionale Aspekte erfüllt, um die Struktur und Vorgehensweise des Medienhauses nahbar zu machen. Eine echte charakterliche Einordnung findet jedoch auch bei den beiden Protagonisten kaum statt, was die spätere menschliche Verrohung und vorgeschobene Ambivalenz der beiden ihrer Überzeugungskraft und Gravitas beraubt.

Dass Murdoch und Lamb dennoch eine widerwillige Faszination entfalten, ist vor allem Guy Pearce und Jack O’Connell zu verdanken, deren eindringliches und charismatisches Spiel das Publikum beinahe gegen dessen Willen für ihre Figuren einnimmt. Auch das übrige Ensemble, angeführt von einer exzellenten Claire Foy, weiß die vorwiegend funktional angelegten Nebenfiguren wirkungsvoll darzustellen. Die erste Hälfte von Ink präsentiert sich derweil wie eine Titelseite der Sun: kurzweilig, schnell, laut und disruptiv. Eigenschaften, die sich in Kamera und Schnitt stetig wiederfinden und die Erzählweise des Films handwerklich konsequent tragen. Ein ikarisch anmutender Aufstieg Murdochs und Lambs in die höchsten Sphären der britischen und internationalen Medienlandschaft, währenddessen sie der Sonne gefährlich nahekommen, ohne sich jemals die Flügel zu verbrennen. Ink funktioniert in diesen Momenten starker formaler Kohärenz am besten und lädt zur euphorisierenden Sensationalisierung einer Geschichte ein, deren implizierter bitterer Nachgeschmack sowohl innerhalb des Films als auch mit Blick auf die aktuelle Medienlandschaft allgegenwärtig bleibt.

Freispruch in eigener Sache

Mit einem tonalen Bruch zu Beginn der zweiten Hälfte versucht Danny Boyle, diese Stimmung einzufangen. Es folgt eine Konkretisierung der negativen Folgen von Grenzüberschreitungen und eine implizierte moralische Erdung, die dank der fehlenden Charakterentwicklung weitgehend emotional ins Leere läuft. Erneut sehr ähnlich zur Natur der Zeitung lebt auch Ink einmal mehr vorwiegend von seiner Verpackung statt von echter Substanz. Während sich Larry Lamb figurativ als Wolf im Schafspelz entpuppt, erfährt Rupert Murdoch im Kontrast dazu eine vermenschlichende Reise. Kurz darauf mündet Ink in eine beinahe missionarische Montage medienkritischer Szenen, die von der Boulevardisierung der Sun eine direkte Linie zu Trump, Fake News und dem Verfall journalistischer Standards zieht.

Als moralisches Schlussurteil bleibt diese Zuspitzung jedoch wenig belastbar, nachdem der Film selbst zeigt, dass der Erfolg dieses Modells nicht allein aus dem Verrat journalistischer Ideale entsteht, sondern ebenso aus einem Publikum, das Sensation, Bestätigung und Spektakel aktiv einfordert. Boyles finales Anprangern missrät so zu einem fadenscheinigen Versuch, die eigene, beinahe murdochsche Sensationslogik nachträglich moralisch zu absolvieren.

Credits

OT: „Ink“
Land:
UK, USA, Frankreich
Jahr:
2026
Regie:
Danny Boyle
Drehbuch:
James Graham
Musik:
Daniel Pemberton
Kamera:
Alwin H. Küchler
Besetzung:
Jack O’Connell, Guy Pearce, Claire Foy, Blake Harrison, Brian Gleeson, Angus Imrie, Patrick Kennedy, Lucy Russell

Trailer

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Venedig 2026

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Ink
fazit
"Ink" ist ein formal berauschender und darstellerisch gelungener Höhenflug, dessen konsequente Visualisierung die Sensationslogik der Sun zeitweise ebenso wirkungsvoll nachbildet wie befeuert. Gerade weil Boyle die Verlockungen dieses Medienmodells zuvor derart schlüssig inszeniert, vermag sein Versuch eines moralisches Schlussurteil jedoch kaum zu überzeugen.
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