Bernd Operation Germanenkind
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Bernd – Operation Germanenkind

Bernd Operation Germanenkind
„Bernd – Operation Germanenkind“ // Deutschland-Start: 10. September 2026 (Kino)

Inhalt/Kritik

Pascal lustwandelt durch einen Wald, wo er auf Tiere trifft, die ihn mit Liebe überschütten. Sehr zum Missfallen seiner Eltern, aber der Arzt Dr. Hagemann hat die Lösung parat: Mit germanischer Medizin will er aus Pascal einen ganz normalen, durchschnittlichen deutschen Buben machen. Der Vater ist zwar dagegen, aber Pascal ist von der Idee begeistert. Das alles passiert allerdings nicht in echt, sondern ist Teil des neuesten Stückes eines Theaterkollektivs (Verena Unbehaun, Matthias Rheinheimer, Silvina Buchbauer, Sasha Weis, Michael Benthin, Mathias Znidarec) in welchem eines der Mitglieder sich ziemlich von den restlichen unterscheidet, was für Reibungen sorgt …

Das passiert was

Es lässt sich nicht kategorisch ausschließen, dass Bernd – Operation Germanenkind ein absolutes Meisterwerk ist. Ein Film, der voller Gesellschaftskritik steckt, der mal subtil, mal ganz plakativ nach allen Seiten austeilt und bei dem jeder sein Fett weg kriegt. Eine cineastische Offenbarung, die den Zuschauern nicht nur einen Spiegel vorhält, sondern die dem Menschen innewohnende Doppelmoral entlarvt, das Messen mit zweierlei Maß vorführt und aufzeigt, wie wir alle als Gemeinschaft besser miteinander leben könnten.

Sollte das alles der Fall sein, dann hat der Rezensent den Film schlicht und ergreifend nicht verstanden. Auf sein simples Gemüt wirkt Bernd – Operation Germanenkind wie eine Aneinanderreihung von Szenen, die sich zwar größtenteils erkennbar als Handlung an einem roten Faden entlanghangeln, gelegentlich aber auch durch Einschübe getrennt werden, deren Daseinsberechtigung sich nicht so recht erschließen will. Einer davon eröffnet einer Präambel gleich den Film: Bernd durchbricht mutmaßlich die vierte Wand und informiert den Zuschauer darüber, dass er abgetrieben wurde, die Prozedur aber letzten Endes doch überlebte. Was diese Szene (genauer gesagt: die entsprechende Inszenierung, da die Abtreibung als solche durchaus ihre eigene Symbolik mitbringt) zum Film beisteuern soll, bleibt die längste Zeit ungewiss. Später wird sie en passant wieder aufgegriffen, aber eher in einer alibimäßigen Art und Weise, als dass wirklich eine narrative Notwendigkeit für den ganzen Zinnober bestünde.

Verschenktes Potenzial

Manchmal hilft ein Blick ins Presseheft, auch wenn er dem Durchschnittszuschauer meist nicht möglich ist beziehungsweise von dessen Seite aus kein Interesse daran besteht. Im Falle von Bernd – Operation Germanenkind wirft dieser Blick allerdings mehr Fragen auf, als dass er beantwortet. Was als Logline bezeichnet wird, ist zum einen keine Logline, sondern eine Zusammenfassung, zum anderen ist es inhaltlich falsch. „Bernd ist vulgär, rassistisch, sexistisch.“ heißt es da etwa. Bei einer einmaligen Sichtung besteht immer die Chance, etwas zu übersehen, aber es lässt sich aus der Erinnerung kein Moment rekonstruieren, in dem Bernd sexistisch gewesen ist. Auch beim Rassismus verhält sich die Sache im Film nicht so, wie es im Text suggeriert wird. Fraglos ist er immerhin quasi von Anfang an vulgär. Das Director’s Statement hilft bei der Entschlüsselung des Films auch nicht sonderlich weiter, da es sich vermutlich um einen KI-generierten Text handelt (in diesem Zusammenhang wie immer der Disclaimer: Es besteht die Möglichkeit, dass er tatsächlich komplett von einem Menschen verfasst wurde, der wissentlich oder unwissentlich zu vielen KI-generierten Texten ausgesetzt war und bewusst oder unbewusst entsprechende Formulierungen übernommen hat).

Die Prämisse, die im offiziellen Marketingmaterial kolportiert wird, hat ja durchaus Potenzial: Ein Posterkind einer ideologischen Bewegung verhält sich konträr zu deren Überzeugungen, was ihre Anhänger in einen Gewissenskonflikt stürzt. Damit lässt sich an sich sehr gut arbeiten. Die Kontraste sind im Film nur nicht so klar gesteckt, wie auf der Metaebene vermittelt wird. Bernd wird von den Schauspielkollegen im Theaterkollektiv nie verherrlicht oder irgendwie besonders hervorgehoben. Es gibt vereinzelt Lippenbekenntnisse, diese wirken aber eher als extra für den Film konstruiert als dass sie das abbilden würden, was anscheinend gewollt war. Von einigen Nackt- und Gewaltszenen einmal abgesehen, bleibt Bernd – Operation Germanenkind geradezu langweilig brav. Manche künstlerischen Entscheidungen wirken darüber hinaus so, als wären sie nur getroffen worden, damit sich ein Rezipient mehr darüber den Kopf zerbrechen soll als die Macher.

Besser gespielt als geschrieben

Was sich positiv hervorheben lässt, ist das Schauspiel. Hier liefert jeder ab, was bei einem solchen Drehbuch nicht unbedingt selbstverständlich ist. Die Maske einer bestimmten Figur ist äußerst gelungen, vielleicht die beste ihrer Art in einem deutschen Film. Außerdem gibt es zwei wunderschön musikalisch untermalte Szenen. Einmal wurde das Requiem von Wolfgang Amadeus Mozart verwendet, was sowieso schon viel wettmacht, und einmal läuft das Lied Flamma der Gruppe Qntal, welche aus irgendwelchen Gründen anders als die sonstigen Interpreten nicht im Abspann gelistet ist. Dafür zeigt der Film sich immerhin in den Credits politisch korrekt, auch wenn sich anscheinend nicht verbindlich dafür entschieden werden konnte, auf welche Weise denn nun genau gegen die Regeln der deutschen Rechtschreibung verstoßen werden sollte. Aber auch das passt irgendwie zum Film: bloß zu nichts Stellung beziehen und alles gleichermaßen zulassen.

Credits

OT: „Bernd – Operation Germanenkind“
Land: Deutschland
Jahr: 2025
Regie: Cornelius Schwalm
Drehbuch: Cornelius Schwalm
Vorlage: Maria Kron
Musik: Philipp Haagen
Kamera: Ute Freund, Yannick Hasse
Besetzung: Verena Unbehaun, Matthias Rheinheimer, Silvina Buchbauer, Sasha Weis, Michael Benthin, Mathias Znidarec, Prince Kuhlmann, Jana Zöll

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Bernd – Operation Germanenkind
Fazit
"Bernd - Operation Germanenkind" hat auf dem Papier ein ansprechendes Konzept, die Umsetzung ist allerdings zu kunstbeflissen verquast. Positiv hervorzuhebende Aspekte wie etwa das Schauspiel fallen angesichts dessen nicht genug ins Gewicht, um eine Empfehlung zu rechtfertigen.
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