
Der Ex-Elitesoldat Hank Malone (Alan Ritchson) ist eigentlich viel zu nett für seinen Job. Trotz seiner in den Augen mancher bedrohlichen Physis hat er ein Herz aus Gold. Dennoch sieht er sich durch seine Lebensumstände gezwungen, als sogenannter Runner zu arbeiten, als Lieferbote der etwas anderen Art. Statt Essen oder Möbeln liefert er Waren, die nicht nur von A nach B gelangen, sondern auf dem Weg gleichzeitig gesichert und bewacht werden müssen. Seine Informationen beschränken sich dabei meist auf das absolut Notwendigste. Sein neuester Auftrag verspricht nicht nur sein lukrativster, sondern auch sein skurrilster zu werden. Er hat nur wenige Stunden Zeit, eine Spenderleber von Brisbane an die Gold Coast zu transportieren und gleichzeitig Ben Bishop (Owen Wilson) zu begleiten, dem die Leber anvertraut wurde. Beide Männer stellen jedoch schnell fest, dass sie unterschiedliche Informationen über den Empfänger haben und es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, bei dem nicht nur Hanks und Bens Leben in Gefahr geraten.
Transporter meets Ambulance?
Actionfilme mit Kuriermechanik sind ein altbewährtes Konzept in Hollywood und lassen sich dementsprechend nach Belieben anpassen und genretechnisch einordnen. Am bekanntesten setzte diese Prämisse wohl die Transporter-Reihe um, wobei Luc Besson keineswegs der Begründer dieses Untergenres war. Bereits The Gauntlet von 1977 verfolgte mit seinem zentralen Schutzauftrag einen ähnlichen Ansatz. Spätere Filme wie 16 Blocks, Premium Rush und Ambulance variierten das Transport- und Eskortiermotiv auf unterschiedliche Weise. Drei Jahre nach seinem letzten Film The Expendables 4 versucht sich nun Scott Waugh an seiner eigenen Version eines Films über Logistik unter erschwerten Bedingungen und erfindet dabei das Rad keineswegs neu.
Jeder hat sein Päckchen zu tragen
Bereits Alan Ritchsons Protagonist kämpft neben einem früheren Alkoholproblem besonders mit den Klischees seiner selbst. Hank Malones Figur ist lediglich durch ihre dunkle Vergangenheit und ihren angedeuteten Weg zur Läuterung definiert. Der Ex-Elitesoldat kämpft mit seinen inneren Dämonen, Schuldgefühlen wegen des Todes seiner Tochter und den Scherben einer zerbrochenen Ehe. Seine harte Schale ist lediglich eine Fassade, während seine vermeintlich am Rande der Legalität angesiedelte Berufswahl aus der Not geboren wurde.
Ergänzt wird das stereotype Duett durch Owen Wilsons Figur. Ben Bishop ist ein in die Jahre gekommener medizinischer Kurier mit den Charaktereigenschaften eines Golden Retrievers und einem damit einhergehenden unerschütterlichen Vertrauen in sein Umfeld. Der gemeinsame Roadtrip wider Willen verspricht die Einbindung bekannter Buddy-Comedy-Elemente und Kurzweiligkeit, zieht sich aber trotz der vergleichsweise geringen Gesamtlaufzeit des Films merklich. Der Versuch, eine komödiantische Chemie zwischen den Hauptfiguren zu erzeugen, scheitert dabei meistens an den überzeichneten Figuren und espritlosen Witzen.
Logiklücken im Logistikfilm
Letzteres spiegelt sich während des gesamten Handlungsverlaufs wider. Die Antagonisten von Runner werden als Kartell eingeführt, treten aber wie der Verschnitt einer Motorradgang in Erscheinung. Rodrigo Santoros Charakter als lateinamerikanischer Drogenboss ist dabei ebenso überzeichnet wie die Protagonisten, während seine Schergen kaum mehr als generische Erfüllungsgehilfen sind, die genretypisch vor allem durch ihre Inkompetenz auffallen. Im Verlauf der überlangen Verfolgungsjagd während der ersten beiden Filmdrittel häufen sich eklatante Logiklücken, die Runner zwar mit charismatischen Figurenmomenten zu kaschieren versucht, die zumeist ins Leere laufen.
Während der zweiten Hälfte verändert sich jedoch die Tonalität. Runner besticht zunehmend durch intensive und gleichzeitig stark inszenierte Actionsequenzen. Der Film wird nicht nur kompromissloser und brutaler, die eskalierende Gewalt bringt auch echte narrative Konsequenzen und damit rückwirkend effektive Fallhöhe mit sich. Ein unerwarteter Todesfall verleiht dem Film kurzfristig eine emotionale Schwere, die trotz schwacher Figurenzeichnung und fehlender Dramaturgie aufgrund eines gewissen Überraschungseffekts funktioniert. Gleichzeitig leitet diese Schlüsselszene einen Heldenpathos ein, der bereits während der gesamten Laufzeit unterschwellig vermittelt wurde, jedoch selbst nach dieser Kulmination aufgesetzt und gezwungen pathetisch bleibt.
Zumindest die Action liefert
Trotz seiner generischen Handlung lässt sich Runner zumindest hinsichtlich seiner Action einiges abgewinnen. Während das CGI ein weiteres Negativmerkmal des Films bleibt, sind es Scott Waughs Erfahrung als Actionregisseur und Lorenzo Senatores beeindruckende Kameraarbeit, die Runner einige Schauwerte abringen. Eine gelungene Mischung aus Totalen und kreativen Kamerawinkeln, gepaart mit einer meist durchdachten Kampfchoreografie, sorgt für die sehenswertesten Momente des Films. Alan Ritchsons und Owen Wilsons Chemie hingegen bleibt zumeist angedeutet. Trotz sichtlicher Spielfreude ist es beiden aufgrund der eindimensionalen sowie lieblosen Figurenzeichnung nie möglich, ihr schauspielerisches Talent voll auszuschöpfen.
OT: „Runner“
Land: USA
Jahr: 2026
Regie: Scott Waugh
Drehbuch: Miles Hubley, Tommy White
Musik: Charlie Nguyen Kim
Kamera: Lorenzo Senatore
Besetzung: Alan Ritchson, Owen Wilson, Leila George, Rodrigo Santoro, Kate Box, Peta Sergeant, Goran D. Kleut, Geraldine Hakewill, Salomé Chandler
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