
Brasilien in der nahen Zukunft: Die Gesellschaft ist in zwei Teile gespalten. Während die einen ein Leben in Luxus führen, wissen die anderen nicht, wie sie über die Runden kommen sollen. Eine Möglichkeit aus der Misere gibt es jedoch. Wer das in Rio de Janeiro abgehaltene Beast Race gewinnt, bekommt genügend Geld, um damit ein neues Leben zu beginnen. Dabei müssen die Menschen mit Tiermasken eine bestimmte Strecke zurücklegen und als Erstes ankommen. Wem das gelingt, kann absahnen. Wer jedoch verliert, verliert auch nahestehende Menschen, die als Pfand angegeben werden müssen. Dieses Schicksal blüht auch Mano (Matheus Abreu), der erbittert gegen dieses Spektakel kämpft. Da jedoch seine eigene Schwester Dalva (Thainá Duarte) auf diese Weise geopfert würde, bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich auf das Rennen einzulassen. Unterstützt wird er dabei von Nadine (Isis Valverde), die wie andere Reiche auch als persönliche Sponsorin teilnimmt …
Rasanter Zweiklassenkampf
Actionreiche Titel gab es in den letzten Wochen auf Amazon Prime Video einige. Da war etwa Ride or Die über eine Frau, die feststellen muss, dass ihre langjährige beste Freundin in Wahrheit eine Auftragsmörderin ist. In der Spielzeug-Adaption Masters of the Universe muss ein Prinz im Exil in seine Welt zurück und von dem Bösen befreien. Geradezu alltäglich ist da im Vergleich Tom Clancy’s Jack Ryan: Ghost War, die Filmfortsetzung der beliebten Serie, wo der ehemalige Agent wieder ranmuss. Nun bringt der Streamingdienst mit Beast Race einen weiteren Film heraus, bei dem es ordentlich zur Sache geht. Im Gegensatz zu den prominent besetzten US-Produktionen oben muss man hier aber auf bekannte Gesichter verzichten.
Das heißt jedoch nicht, dass man auf bekannte Elemente verzichten muss. Tatsächlich ist das Szenario an sich wirklich ein alter Hut, auch wenn die Geschichte in der Zukunft spielt. Dass die Reichen die Armen dazu zwingen, gegeneinander zu kämpfen und an Spielen teilzunehmen, ist etwas, das wir seit den alten Gladiatorenkämpfen kennen. Und auch in Filmen ist das Motiv sehr bewährt. Wenn in Beast Race Menschen zur Belustigung der Oberschicht um die Wette rennen und dabei Menschenleben auf dem Spiel stehen, dann ist das eine Mischung aus Die Tribute von Panem – The Hunger Games und The Running Man. Zwar ist das hier nicht so tödlich wie bei den obigen Beispielen, in der Hinsicht wäre noch mehr drin gewesen. Aber das Prinzip ist dem aus der Konkurrenz doch recht ähnlich. Die Idee dahinter ist es auch, mal wieder wird eine Zweiklassengesellschaft filmisch attackiert.
Zu viel Leerlauf
Richtig originell ist das dann zwar nicht. Die konkrete Umsetzung kann sich aber sehen lassen. Zum einen ist es natürlich schon irgendwie witzig, dass die alle mit Tiermasken herumlaufen müssen, was die Sache noch ein wenig demütigender macht. Streckenweise ist Beast Race zudem eine Art Parkour-Lauf, wo es nicht nur darum geht, eine gerade Linie entlangzulaufen, wie man es von einem regulären Wettlaufen gewohnt ist. Hier gibt es auch Hindernisse, die überwinden werden müssen, laufen die Teilnehmenden über Dächer. Eine Zeit lang macht das dann schon Spaß und zeigt, welches filmisches Potenzial in dieser Aktivität schlummert.
Auf Dauer ist das dennoch zu wenig, da die Läufe trotz der sich wandelnden Settings dann doch alle nach demselben Prinzip ablaufen. Auch inhaltlich tut sich zu wenig. Die brasilianische Produktion, die 2026 auf dem South by Southwest Festival Weltpremiere hatte, nimmt mehr als zwei Stunden für sich in Anspruch. Und so viel hat der Film dann doch nicht zu bieten, nach einiger Zeit beginnt er sich zu ziehen. Schlecht ist Beast Race sicherlich nicht. Trotz der bekannten Elemente ist das hier noch irgendwie eigen genug, dass man einen Blick riskieren kann. Es ist nur nicht das erhoffte Highlight daraus geworden, in der Masse an Filmen, die jede Woche erscheinen, hätte es mehr sein dürfen und müssen.
OT: „Corrida dos Bichos“
Land: Brasilien
Jahr: 2026
Regie: Ernesto Solis, Rodrigo Pesavento, Fernando Meirelles
Drehbuch: Ernesto Solis, Eva Klaver, Marco Abujamra, Rodrigo Lages
Musik: Antonio Pinto
Kamera: Gustavo Hadba
Besetzung: Matheus Abreu, Rodrigo Santoro, Isis Valverde, Bruno Gagliasso, Grazi Massafera, Seu Jorge, João Guilherme, Silvero Pereira, Leandro Firmino, Jade Sassará, Thainá Duarte, Azzy, Jéssica Córes
SXSW 2026
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